Andere Kommunen profitieren

Kein Personalzuwachs: Remscheid ist zu sicher für neue Stellen

37 junge Polizeibeamte traten 2020 nach dem Abschluss ihres Bachelor-Studiums im bergischen Städtedreieck ihren Dienst an – davon acht in Remscheid.
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37 junge Polizeibeamte traten 2020 nach dem Abschluss ihres Bachelor-Studiums im bergischen Städtedreieck ihren Dienst an – davon acht in Remscheid.

14 neue Beamtinnen und Beamte konnte die Remscheider Polizeiinspektion Anfang des Monats begrüßen.

Von Sven Schlickowey

Markus Röhrl, Wuppertals Polizeipräsident.

Remscheid. Zu einem echten Zuwachs in der Remscheider Dienststelle führt das allerdings kaum – sie ersetzen im Wesentlichen Kollegen, die in den Ruhestand gegangen sind oder die Wache aus anderen Gründen verlassen haben. „Der Personalstamm in Remscheid ist in den letzten Jahren in etwa gleichbleibend“, beschreibt Alexander Kresta, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidium Wuppertal, die Entwicklung.

Noch im Juni hatte Landesinnenminister Herbert Reul bekannt gegeben, dass die Polizei in NRW deutlich mehr Personal bekomme. Der CDU-Politiker sprach gar von einer „Trendwende“, weil endlich mehr Polizeibeamte eingestellt werden könnten, als in den Ruhestand gingen. Rund drei Viertel der 47 Kreispolizeibehörden könnten in diesem Jahr mit einem Stellen-Plus rechnen. Keine müsse einen Rückgang in Kauf nehmen.

In Remscheid würden derzeit rund 100 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten ihren Dienst verrichten, sagt Kresta. Das umfasse den Wach-, Bezirks- und Schwerpunktdienst. „Darüber hinaus ist das Kriminalkommissariat 32 der Direktion Kriminalität dezentral in Remscheid ansässig.“ Zudem kämen hier regelmäßig Polizisten aus Wuppertal zum Einsatz, zum Beispiel im Rahmen verschiedener Kontrollmaßnahmen im Straßenverkehr.

„Aktuell sind wir in Remscheid sehr gut aufgestellt.“

Polizeipräsident Markus Röhrl

Wuppertals Polizeipräsident Markus Röhrl hält das für ausreichend: „Aktuell sind wir in Remscheid sehr gut aufgestellt und bei besonderen Sachverhalten oder Einsatzlagen können wir stets angemessen reagieren“, sagt er auf RGA-Anfrage. Die personelle Ausstattung der Polizeiinspektion werde jedes Jahr überprüft und bei Bedarf angepasst. „Die Stadt Remscheid gehört zu den sichersten Regionen in NRW.“

Darin könnte auch der Grund liegen, warum Remscheid vom diesjährigen Stellzuwachs bei der NRW-Polizei kaum profitiert. Bei der Zahl der Bezirksbeamten gilt: eine Planstelle pro 10.000 Einwohner. Darüber hinaus richte sich die personelle Ausstattung einer Dienstelle nach der Einsatzbelastung, erklärt Pressesprecher Alexander Kresta. Je weniger Straftaten, Unfälle und sonstige Einsätze es gibt, desto geringer ist also die Chance, neue Stellen zugeteilt zu bekommen.

Insgesamt verfügt die Polizei in NRW über rund 50.500 Vollzeitstellen, die im Rahmen einer Teilzeitregelung teilweise auch auf mehrere Köpfe verteilt sind. Den mit Abstand größten Anteil daran haben die Polizeibeamten, die rund 44.300 sogenannte Vollzeitäquivalente ausmachen. Damit kommen rechnerisch rund 247 Beamte auf 100.000 Einwohner, ein Wert, der in Remscheid deutlich niedriger liegt. Allerdings sind darin auch Hundertschaften und Spezialeinheiten enthalten.

Personellen Zuwachs hat die Polizei im Bergischen übrigens trotzdem erhalten, in den vergangenen zwölf Monaten heuerten sechs Verwaltungsbeamte und 46 Angestellte an. Landesweit wurden 500 neue Stellen für sogenannte Regierungsbeschäftigte geschaffen. Die sollen nicht zuletzt Arbeiten übernehmen, die nicht unbedingt ein Polizeibeamter erledigen muss. Und so die Polizistinnen und Polizisten entlasten.

Hintergrund

Remscheid gilt als eine der sichersten Großstädte Deutschlands. Die Kriminalitätshäufigkeitszahl, die Anzahl der Delikte pro 100 000 Einwohner, die dafür als Vergleichsgröße genutzt wird, lag in Remscheid 2020 bei 5635 und damit deutlich unter dem NRW-Landesschnitt von 6774. Zum Vergleich: In Köln gab es im Vorjahr 10416 Straftaten je 100 000 Einwohner.

Standpunkt: Vereinbarung übererfüllt

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Dass Remscheid beim Stellenzuwachs der NRW-Polizei nahezu leer ausgeht, mag für die Stadt nicht schön sein, ist aber trotzdem folgerichtig. Schließlich werden die Beamtinnen und Beamten woanders dringender gebraucht als im statistisch betrachtet sehr sicheren Remscheid. Bemerkenswert ist aber, dass es überhaupt einen Zuwachs gibt, dass also in diesem Jahr mehr neue Polizistinnen und Polizisten eingestellt wurden, als ausgeschieden sind. Denn Stellen müssen ja bekanntlich nicht nur geschaffen, sondern auch besetzt werden. Da trägt die Ausbildungsoffensive der Landesregierung nach vier Jahren Früchte. Laut Gewerkschaft der Polizei lag die Zahl der Kommissaranwärter in NRW vor 2017 notorisch unter 2000 pro Jahr, mit Amtsantritt von Herbert Reul stieg sie erst auf 2300, im Jahr 2019 dann sogar auf 2500 jährlich an. Damit liegt der Wert übrigens über dem, was FDP und CDU dereinst in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart hatten. Nur so als Info, falls mal jemanden wieder behauptet, Politiker würden immer alles versprechen, aber nicht halten.

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