Es fehlen geeignete Dächer

Remscheid ist noch nicht auf dem Weg zur Solarstadt

1997 bauten Wolfgang Luge (l.) und Michael Wehrmann die erste Remscheider Bürgersolaranlage auf das Dach des Schulzentrums Klausen, 45 Remscheiderinnen und Remscheider investierten ab 500 Mark, die zu finden sei kein Problem gewesen, berichten die beiden. Nun fordern sie mehr Engagement der Stadt in gleiche Richtung. Foto: Roland Keusch
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1997 bauten Wolfgang Luge (l.) und Michael Wehrmann die erste Remscheider Bürgersolaranlage auf das Dach des Schulzentrums Klausen, 45 Remscheiderinnen und Remscheider investierten ab 500 Mark, die zu finden sei kein Problem gewesen, berichten die beiden. Nun fordern sie mehr Engagement der Stadt in gleiche Richtung.

Der vom Stadtrat beschlossene Bürgerfonds macht kaum Fortschritte.

Von Sven Schlickowey

Remscheid soll zur Solarstadt werden, hatte Sven Wolf nach der Kommunalwahl vor bald einem Jahr angekündigt. „Wir wollen schonender mit unseren Ressourcen umgehen“, erklärte der Chef der SPD-Fraktion im Remscheider Stadtrat im RGA-Interview. In einem ersten Schritt beschloss der Rat im Juni mit breiter Mehrheit, dass die Stadt zusammen mit lokalen Banken und den Stadtwerken einen Bürgerfonds einrichten soll, um Photovoltaik-Anlagen auf Dächern städtischer Gebäude zu finanzieren und zu betreiben.

Mehr als drei Monate später ist aber noch nicht viel passiert. Aktueller Stand sei, dass die Verwaltung daran arbeite, berichten David Schichel und Sven Chudzinski, die Fraktionsvorsitzenden von Grüne und FDP, die den Fonds zusammen mit den Sozialdemokraten auf den Weg gebracht hatten. Einen ähnlichen Kenntnisstand haben Michael Wehrmann und Wolfgang Luge in Erfahrung gebracht. Sie setzen große Hoffnungen auf das städtische Projekt, sehen derzeit aber kaum Fortschritte.

„Man braucht nur einen niederschwelligen Einstieg für die Leute.“

Architekt Michael Wehrmann

Der Architekt und der pensionierte Schulleiter sind Solar-Pioniere. Vor fast 24 Jahren ließen sie zusammen mit anderen Investoren eine PV-Anlage auf dem Dach des Schulzentrums Klausen installieren, die ihre Kosten seither locker wieder eingespielt und zig Tonnen CO2 eingespart hat. Die erste Bürgersolaranlage in Remscheid überhaupt. Doch mit solchen privaten Initiativen werde man die bis 2045 angestrebte Klimaneutralität nicht erreichen, sagt Michael Wehrmann, dafür brauche es einen größeren Hebel. „Aber das muss langsam auch mal angefangen werden.“

Der Stadt komme dabei eine besondere Rolle zu, sind Luge und Wehrmann überzeugt. Weil sie über viele Gebäude und damit Dächer verfügt. Aber auch weil ein von der Stadt initiiertes Projekt mehr Vertrauen genieße als ein privates. Das Interesse in der Bevölkerung sei grundsätzlich vorhanden, sagt Architekt Wehrmann: „Man braucht nur einen niederschwelligen Einstieg für die Leute.“

Und es bräuchte geeignete Dächer. Doch mit denen kann Thomas Judt vom städtischen Gebäudemanagement derzeit nicht dienen, wie er sagt. Grundsätzlich verfüge die Stadt über 52 Dächer mit der richtigen Ausrichtung. „Das heißt aber nicht, dass man da überall eine Solar-Anlage installieren kann.“ Ein wesentliches Problem sei die Statik, erklärt Judt. Ob ein Dach die Solarmodule tragen kann, müsse im Einzelfall überprüft werden, zumal sich über die Jahre vieles verändert habe: „Heute muss man ja zum Beispiel mit höheren Schneelasten rechnen.“ Ein Dach sanieren zu lassen, damit darauf eine Photovoltaik-Anlage gebaut werden kann, sei aufgrund der wirtschaftlichen Lage der Stadt auf jeden Fall nicht möglich.

13 der 52 Dächer seien zudem bereits belegt, sagt Judt. Darunter auch die in Klausen. In den letzten Jahren sei man allerdings dazu übergegangen, geeignete Flächen selber zu nutzen, anstatt sie zu verpachten. „Wir sind ja angehalten, möglichst wirtschaftlich zu arbeiten.“ Und dazu gehöre, wo möglich und sinnvoll, auch selbst erzeugter Solar-Strom.

Doch Michael Wehrmann und Wolfgang Luge glauben, dass es weitere geeignete Dächer im städtischen Besitz gibt. Wenn die Verwaltung zu stark ausgelastet sei, um diese zu identifizieren, müssten externe Experten ran, fordern sie. Die Finanzierung sei danach kein Problem, rechnen sie vor: Würde man heute zehn Anlagen bauen, die flächenmäßig mit der in Klausen vergleichbar sind, müsste man mit rund 250 000 Euro Investitionskosten rechnen. Dafür bräuchte man gerade mal 500 Remscheiderinnen und Remscheider, die sich mit jeweils 500 Euro daran beteiligten.

Hintergrund

Juristisch ist die Bürgersolaranlage in Klausen als partiarisches Darlehen organisiert, eine Form der Beteiligungsfinanzierung, bei der Zins- und Rückzahlungen vom Betriebsergebnis abhängen. Eine Solar-Genossenschaft, wie es sie in Solingen oder im Oberbergischen Kreis gibt, lehnen Luge und Wehrmann als zu aufwendig ab. Der Bürgerfonds soll über eine lokale Bank organisiert werden, die das juristische Gerüst bilden und die Abrechnung übernehmen könnte.

Die EWR GmbH erweitert ihre Dienstleistungen

Zu dem Standardangebot Strom, Wasser, Gas rückt Natur und Umwelt intensiver in den Fokus. Der Energieversorger setzt auf die Sonne und verquickt dabei Photovoltaik (PV) mit Elektromobilität. Ab sofort bietet die EWR Privatkunden neben der Ladetechnik für Elektroautos (Wallboxen) auch Photovoltaik-Solarpakete zum Direktkauf an.

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