Kriminalitätsstatistik 2020

Remscheid ist eine der sichersten Großstädte

Polizeipräsident Markus Röhrl und Kripochef Dietmar Kneib (v.l.) präsentierten am Montag die Kriminalitätsstatistik 2020.
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Polizeipräsident Markus Röhrl und Kripochef Dietmar Kneib (v.l.) präsentierten am Montag die Kriminalitätsstatistik 2020.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Die Polizei verzeichnet für 2020 eine deutliche Abnahme der Kriminalität – 2021 sagt sie insbesondere den Hetzern im Internet den Kampf an.

Remscheid. Die Polizei sagt der Hasskriminalität im Internet den Kampf an. „Wir werden es nicht mehr hinnehmen, dass Menschen bepöbelt werden, dass gegen Menschen gehetzt wird – sei es aus politischen Gründen oder weil sie einer bestimmten Berufsgruppe angehören“, erklärte Polizeipräsident Markus Röhrl am Montag zur Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2020 für das bergische Städtedreieck.

Ist Remscheid eine sichere Großstadt?

Ja, sagt die Polizei. Insgesamt kam es 2020 zu 6274 angezeigten Straftaten. Das sind 684 Fälle weniger als im Vorjahr, was einem Minus von 9,8 Prozent entspricht. Die Kriminalitätshäufigkeitszahl – diese Vergleichszahl ergibt sich aus der Summe der Straftaten multipliziert mit 100 000 und geteilt durch die Einwohnerzahl - liegt bei 5635. „Damit ist Remscheid im Vergleich eine der sichersten Großstädte in Deutschland“, erklärte Dietmar Kneib, Leitender Kriminaldirektor des Polizeipräsidiums Wuppertal: „Das Risiko, in Remscheid zum Opfer einer Straftat zu werden, ist extrem gering.“

Wie viele Straftaten klärte die Polizei 2020 in Remscheid auf?

Mehr als die Hälfte. Die Aufklärungsquote liegt bei 58,4 Prozent. Damit stehen die Remscheider Ermittler im Städtedreieck an der Spitze. Ihre Wuppertaler Kollegen konnten 52,5 Prozent und die Solinger 48,9 Prozent aller Straftaten aufklären. „Wir haben es in Remscheid mit mehr örtlichen und weniger reisenden Tätern zu tun“, erklärte Kripochef Kneib. Das lässt die Chancen steigen, den Tätern habhaft zu werden.

Wie viele Straftaten wurden im Städtedreieck bekannt?

Die Kriminalitätsstatistik 2020

Insgesamt ermittelte die Polizei in Remscheid, Solingen und Wuppertal in 44 000 Verfahren. Sie kam dabei 18 000 Tatverdächtigen auf die Spur. Von ihnen hatten 35 Prozent nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.

Welche Straftaten sind in Remscheid zurückgegangen?

2020 kam es insbesondere zu weniger Wohnungseinbrüchen, sie gingen von 90 auf 67 Fälle zurück. Die Gewaltkriminalität, darunter fallen unter anderem Tötungsdelikte, Vergewaltigung, schwere Körperverletzung und Raub, sank von 255 Fällen im Vorjahr auf 236 Fälle. Die Straßenkriminalität ging um 86 auf 1251 Fälle zurück. Ruhig ist es insbesondere um das Park-&-Ride-Parkhaus am Hauptbahnhof geworden. 2019 war es dort wiederholt zu Vandalismusschäden gekommen. Das wurde zum Politikum, Polizei und Ordnungsdienst verstärkten daraufhin ihre Streifen.

Was fällt mit Blick auf die Entwicklung in Remscheid auf?

Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung nahmen in Remscheid ab. Um 36 auf 103 Fälle. Das ist bemerkenswert, weil gerade in diesem Deliktfeld die Zahlen in Solingen und Wuppertal stark gestiegen sind. Und das obwohl weniger Vergewaltigungsfälle bekannt wurden. Allerdings, und das macht den Unterschied: Der Austausch von Kinderpornografie hat deutlich zugenommen. Auch auf dem Schulhof von Handy zu Handy. Das lässt die Fallzahlen im Präsidiumsbereich steigen. Remscheid bildet hier die Ausnahme.

Wie hat sich die Pandemie auf die Fälle häuslicher Gewalt ausgewirkt?

Auch hier weist die Polizeistatistik rückläufige Zahlen aus. In Remscheid kam es zu 257 Strafanzeigen. Im Vorjahr waren es 276. Präsidiumsweit nahm die Zahl sogar um 17 Prozent ab – gegenüber einem Plus auf Landesebene von 7,7 Prozent. Wirklich erklären kann sich die Polizei die atypische Entwicklung im bergischen Städtedreieck nicht. Und sie traut ihr auch nicht. Dazu Markus Röhrl: „Ich glaube nicht, dass die Zahlen objektiv gesunken sind. Das Dunkelfeld in diesem Bereich ist sehr hoch.“

Welche Straftaten haben in Remscheid zugenommen?

Die Zahl der Körperverletzungen stieg um 16 auf 831 Fälle. Zudem schlugen Taschendiebe häufiger in Remscheid zu. Die registrierten Fälle stiegen um 25 auf 146. Eine deutliche Zunahme gab es bei der Rauschgiftkriminalität: um 88 auf 355 Fälle. Die Polizei registrierte außerdem 126 Vermögens- und Fälschungsdelikte mehr als im Vorjahr. Die Gesamtzahl stieg damit auf 1035. Beim Betrug gab es 215 Fälle mehr. Wie viele Remscheider sich an den Corona-Soforthilfen des Staates in der ersten Viruswelle bereicherten, steht nicht fest. Präsidiumsweit ermittelte die Polizei in 218 Verfahren. Die Schadenssumme beläuft sich auf 1,1 Million Euro, doch konnte das meiste Geld wieder einkassiert werden.

Welchen Deliktfeldern wird sich die Polizei 2020 besonders widmen?

Neben dem Hass im Netz wird die Polizei ihren Kampf gegen sexuellen Missbrauch und die Clankriminalität ausweiten. Clans operieren vor allem von Wuppertal aus.

Warum gerät das Internet in den Fokus?

Mit linkem und rechtem Extremismus hatte die Polizei im Bergischen schon immer zu tun. In der Pandemie habe die Hetze im Internet jedoch erheblich zugenommen, erklärte Polizeipräsident Röhrl. Der Hass gehe insbesondere von Verschwörungsideologen und aus dem rechten Milieu aus. Der Kampf dagegen soll deshalb ein Schwerpunkt der Kriminalpolizei werden. Zu groß ist die Sorge, dass sich Hetze in mörderische Gewalt entlädt.

Polizei & Corona

Das Polizeipräsidium Wuppertal ist für die Städte Wuppertal, Remscheid und Solingen zuständig. 1700 Beamte versehen dort ihren Dienst.

In der Pandemie erkrankten bisher 63 Beamte an Covid-19. Bis auf einen Fall blieb es bei allen bei leichten Symptomen.

Seit September 2020 tragen die Beamten im Dienst durchgehend Maske.

Polizeiliche Kriminalstatistik 2020

Polizeiliche Kriminalstatistik 2020 Präsentation

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