Interview der Woche

Blutspende-Marathon bietet 550 Plätze

Der 9. Remscheider Blutspende-Marathon findet am 8. August wieder in der Halle Hackenberg statt.
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Der 9. Remscheider Blutspende-Marathon findet am 8. August wieder in der Halle Hackenberg statt.
  • Melissa Wienzek
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Vera Sievert vom DRK-Blutspendedienst West über die aktuelle Knappheit, das Event und Nachwuchssorgen.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Vera Sievert (53), Referentin beim DRK-Blutspendedienst West.
Frau Sievert, wie ernst ist die Lage der Blutversorgung in Remscheid?
Vera Sievert: Im Moment ist es ein bisschen entspannter. Bis Mitte Juni war es dramatisch. Bis zu 50 Prozent der Anfragen, je nach Blutgruppe, konnten wir nicht bedienen. Dann kam der 14. Juni, der Weltblutspendetag, an dem wir mit der großen Kampagne ,Missing type‘ zum Blutspenden aufriefen.
Nach der Tagesschau ist an jenem Abend der Server für die Blutspende-Terminreservierung zusammengebrochen, weil wir solch einen Zulauf hatten. Das sagt mir immer: Wenn es wirklich drauf ankommt, dann stehen alle zusammen. Das beruhigt mich. Das hat uns über die zweite Junihälfte gerettet.
Aber, das muss man dazu sagen: Es wird gar nicht so viel operiert an den Kliniken. Die Unikliniken streiken. Und wir haben immer noch Corona. In den Krankenhäusern läuft also nichts auf 100 Prozent. Die Lage kann sich jedoch jeden Tag schnell ändern.
Woran liegt die Knappheit?
Sievert: Im Mai und Juni ist es immer wenig, ob mit oder ohne Corona. Denn die Leute gehen raus, fahren in den Urlaub. Aber zurzeit ist die Situation etwas anders: Wir haben aktuell pro Tag rund 100.000 Corona-Neuinfektionen. Das heißt, es fallen sehr viele Blutspender krankheits- und quarantänebedingt weg.
Wenn ich Corona hatte und hatte keine Symptome, darf ich nach einer Woche wieder Blut spenden. Wenn die Symptome abgeklungen sind und nach einem negativen Test darf ich nach vier Wochen wieder. Dadurch sind viele wochenlang ausgeknockt. Und das merken wir.
Deshalb hatte Stephan David Küpper vom DRK-Blutspendedienst West zuletzt auch in unserer Zeitung Alarm geschlagen.
Sievert: An dem Tag war ich in unserer Blut-Ausgabestelle. Die Kollegin fragte mich nachdrücklich: Wann kommt endlich die Pressemitteilung? Denn damit haben wir Alarm geschlagen: Es fehlen Blutkonserven. Wir haben in der Ausgabe einen Monitor mit unserem Bestand. Die Kollegin sagte: Das ist heute Abend alles weg. Das habe ich in 25 Jahren noch nicht erlebt.
Wie viele Blutkonserven benötigt Remscheid pro Tag?
Sievert: Pro Tag kann man das schlecht sagen. Aber Remscheid versorgt sich über das Jahr gesehen praktisch selbst. Vergangenes Jahr kamen in der gesamten Stadt knapp 3000 Blutspender zu den Aktionen. Und fast genau so viele Blutkonserven wurden auch vom Klinikum abgerufen.
Um in einer groß angelegten Aktion wichtige Blutkonserven zu sammeln, findet der 9. Remscheider Blutspende-Marathon am 8. August von DRK, RGA, Stadt Remscheid und Radio RSG statt. Wird dieser auch wieder nur mit Terminbuchung durchgeführt?
Sievert: Ja. Das System hat sich bewährt. Schon nach dem ersten Termin war klar: Das müssen wir jetzt immer so handhaben, gerade bei den großen Terminen. Wir haben beim Marathon Platz für 550 Blutspender. Sie können sich über die kostenfreie Hotline oder im Internet einen Termin buchen (siehe unten).
Das Portal bleibt auch geöffnet, so dass man weiterhin kontinuierlich buchen kann. Es ist nicht in Stein gemeißelt, sondern ein Ordnungstool, damit nicht alle Spender gleichzeitig kommen - und nicht lange warten müssen an den einzelnen Stationen. Gerade in Coronazeiten ist das wichtig.
Wie wird der Ablauf des Blutspende-Marathons sein?
Sievert: Wir beschränken uns immer noch auf die reine Blutspende, wir verzichten auf ein Begleitprogramm. In der kleinen Halle machen wir wieder die Anmeldung, in der großen die Blutspende. Alles wird ausgeschildert. An der Anmeldung zeigt man entweder seinen Blutspendeausweis vor, wer noch einen hat, oder seine Blutspende-App, die neuerdings den digitalen Blutspendeausweis enthält. Neuspender erhalten nur noch den Zugang zu der App, die alle wichtigen Informationen enthält. Der Fragebogen wird immer noch auf Papier ausgedruckt.
Über das Wegeleitsystem geht es zu den Stationen: HB-Wert-Messung, etwas trinken. Wer möchte, kann sich für die Stammzellspenderdatei registrieren lassen. Dann geht es zu einem der fünf Ärzte, zum freiwilligen Selbstausschluss und schließlich zur Spende selbst. Sie dauert nur zehn Minuten - 500 Milliliter werden dabei entnommen. Ich würde mich freuen, wenn wir alle Plätze vergeben könnten. Es wäre doch schön, mit einer guten Tat ins neue Schuljahr zu starten. Denn eine Blutspende rettet Leben.
Wichtig nach einer Blutspende ist die Stärkung. Was hält das DRK bereit?
Sievert: Ich habe einen Imbisswagen bestellt, der draußen vorfährt. Es gibt Pommes, Currywurst, Bratwurst - aber nur, wenn es nicht regnet. Sonst gibt es die verpackten Lunchpakete.
Helfen die Ehrenamtler wieder beim Marathon?
Sievert: Ja, denn ohne die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Kreisverbands Remscheid kein Marathon. Sie gehören leider auch zu einer aussterbenden Art: Es rückt zu wenig Nachwuchs nach. Sie würden sich über Mitstreiter sehr freuen.
Wer darf spenden?
Sievert: Jeder Gesunde ab 18 Jahren. Neuspender bis zum 69. Geburtstag. Bewährte Spender bis zum 76. Geburtstag. Das Alter haben wir sukzessive in den vergangenen Jahren hochgesetzt. Das ist auch nur in NRW so, in anderen Bundesländern ist die Grenze niedriger.
Sterben Ihnen die Blutspender aus?
Sievert: Die jungen Leute kommen schon, probieren es aus, kommen aber meist nur einmal im Jahr. Und es ist auch einfach so, dass die jungen Leute vielfach anders abgelenkt sind. Sie bekommen irgendwann Kinder, ziehen weg. Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, kommen die Spender meist wieder. Die treuen älteren Spender kommen hingegen tatsächlich vier Mal im Jahr. Aber die Bevölkerung wird immer älter, und es kommen immer weniger Junge nach. Das merken wir auch.
Wer darf nicht spenden?
Sievert: Es gibt letztlich nur zwei Gründe, nicht zu spenden: Entweder es schadet mir als Spender oder dem Empfänger. Spenden darf niemand, der beispielsweise bereits eine bösartige Krebserkrankung hinter sich gebracht hat. Oder chronisch Kranke, die an Epilepsie oder Diabetes Typ I leiden. Das nimmt übrigens alles zu. Wie auch das Kiffen bei jungen Leuten, wie wir festgestellt haben. Wir testen bei der Blutspende übrigens auf Krankheiten wie Hepatitis
A, B, C, E, Syphilis und HIV.
Wem kommt meine Blutspende zugute?
Sievert: Vor allem Magen-Darm-Patienten oder Krebspatienten, die viel Blut verlieren. Bei Vergiftungen und Geburten werden ebenfalls Blutkonserven eingesetzt. Unfälle machen nur 10 Prozent aus. Aber auch Bluter, MS-Patienten und andere Menschen mit einer Immunkrankheit sind auf Blutkonserven angewiesen. Denn Blut kann immer noch nicht künstlich hergestellt werden.

Der Marathon

Blutspende-Marathon

Der 9. Remscheider Blutspende-Marathon, veranstaltet von DRK, RGA, Stadt Remscheid und Radio RSG, findet am Montag, 8. August, von 13 bis 20 Uhr in der Sporthalle Hackenberg, Hackenberger Straße 107, statt. 550 Termine gibt es. Bitte vorab einen Platz buchen: Tel. (08 00) 1 19 49 11 oder unter blutspende.jetzt

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