Interview der Woche

Markus Kötter über die Folgen des Nahostkonflikts für Remscheid

Markus Kötter ist Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion. Er wehrt sich entschieden gegen politischen oder religiösen Extremismus. Foto: Roland Keusch
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Markus Kötter ist Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion. Er wehrt sich entschieden gegen politischen oder religiösen Extremismus.
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Nahost-Konflikt: Markus Kötter (CDU) warnt davor, Öl ins Feuer zu gießen und fordert einen Extremismusbeauftragten

Herr Kötter, in Solingen brannte eine israelische Fahne. In Remscheid hat es so etwas bisher nicht gegeben. Dennoch sind Sie alarmiert. Warum?
Markus Kötter: Weil die Gefahr besteht, dass sich das ganz schnell ändert. In unserer Stadt leben viele Nationen zusammen. Gottseidank überwiegend friedlich. Wir Kommunalpolitiker stehen dafür in einer besonderen Verantwortung. Wir sollten nicht durch einseitige und unsachliche Äußerungen zum Beispiel in den sozialen Medien im Internet unnötig Öl ins Feuer gießen.
Wen meinen Sie?
Kötter: Ich meine zum Beispiel den Ratskollegen Burhan Türken von der SPD, der schreibt, es sei traurig zu beobachten, dass ein Staat unrechtmäßig Land besetzt, Menschen vertreibt und den Gazastreifen als größtes Gefängnis der Welt betreibt.

 Stadt nimmt Risiken nicht ernst genug

Markus Kötter
So ganz falsch liegt er damit aber doch nicht.
Kötter: Natürlich hat Israel seinen Beitrag zur Konfliktverschärfung geleistet, aber Israel trägt doch nicht alleine die Schuld daran. Wer dem Staat einseitig die Schuld zuschreibt, der liegt nicht nur falsch, sondern er importiert auch den Konflikt und legt damit die Lunte an ein Pulverfass. Wir müssen im Gegenteil alles dafür tun, damit die Gesundheit und das Leben unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger geschützt werden. Es macht mich fassungslos, wenn, wie geschehen, in Solingen die israelische Fahne verbrannt wird. Es macht mich fassungslos, wenn, wie geschehen, in Gelsenkirchen Demonstranten „Juden raus“ schreien.
Das ging nach den Bildern zu urteilen, von arabischstämmigen Demonstranten aus. Ist die Integration an dieser Stelle gescheitert?
Kötter: Ich befürchte, dass in einigen arabischstämmigen Familien der Antisemitismus in der Tat gelebt und tradiert wird. Der Staat Israel ist dort ein rotes Tuch. Und das darf in unserer Gesellschaft nicht toleriert werden.
Was schlagen Sie vor?
Kötter: Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern kann nur vor Ort und mit internationaler Vermittlung gelöst werden. Wir müssen hier bei uns aufpassen, dass wir unsere Gesellschaft nicht spalten.

Markus Kötter: Remscheid braucht einen Extremismusbeauftragten

Das heißt für uns in Remscheid?
Kötter: Es hilft nur, mit allen Gruppen und Religionen im Dialog zu bleiben und einseitige Schuldzuweisungen zu unterlassen. Dazu haben wir im Rat schon vor einem Jahr über einen Aktionsplan gegen Extremismus und einen Extremismusbeauftragten diskutiert. Alles wurde beschlossen, aber nichts davon umgesetzt.
Das richtet sich an den Oberbürgermeister.
Kötter: Ja. Natürlich hat Corona viele andere Dinge in den Schatten gestellt. Doch das Problem des Extremismus und des Antisemitismus stellt sich unverändert.
Was soll der Extremismusbeauftragte leisten?
Kötter: Ich sehe ihn oder sie in einer Schlüsselstelle. Der Extremismusbeauftragte muss die Strömungen in der Stadt wahrnehmen und den Dialog mit den Betroffenen führen.
Das klingt akademisch. Wie soll die Arbeit aussehen?
Kötter: Ich denke, dass der Extremismusbeauftragte insbesondere in den Kitas, in den Schulen und Jugendeinrichtungen arbeiten muss. Es geht um Aufklärung und das Werben um Verständnis. Im Kindergarten sehen sich die Kinder zuallererst als Kinder, nicht als Deutsche, Türken, Juden oder Araber.

Kötter: Auch in Remscheid gab es schon Zusammenstöße

Nimmt die Stadt die Risiken aus Ihrer Sicht nicht ernst genug?
Kötter: Ja, sie nimmt sie nicht ernst genug. Weil es in Remscheid im Vergleich zu anderen Städten auch jetzt wieder ruhig geblieben ist. Ich erinnere mich allerdings auch daran, dass eine prokurdische Demonstration vor einigen Jahren von jungen Türken mit Steinen beworfen wurde. Und die Konflikte, die in der Welt zwischen verschiedenen Volksgruppen ausgetragen werden, werden ja nicht weniger.

Zur Person: Markus Kötter (CDU)

Markus Kötter (42) ist Vorsitzender der CDU im Rat der Stadt Remscheid und führt damit die größte Oppositionsfraktion an. Der Lenneper sitzt seit 2004 im Rat, seit 1998 ist er Mitglied der CDU.

Kötter engagiert sich gegen die Einflussnahme extremistischer Kreise auf die Remscheider Politik. Auch er wurde deshalb bereits wiederholt zur Zielscheibe.

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