Interview der Woche

Baudezernent Peter Heinze: „Der Penny ist auch ein Erfolg der Stadt“

Baudezernent Peter Heinze und Stadtplanerin Christina Kutschaty verantworten neben vielen anderen Aufgaben auch die Revitalisierung der Alleestraße. Archivfoto: Roland Keusch
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Baudezernent Peter Heinze und Stadtplanerin Christina Kutschaty verantworten neben vielen anderen Aufgaben auch die Revitalisierung der Alleestraße. Archivfoto: Roland Keusch

Revitalisierung Innenstadt: Christina Kutschaty und Peter Heinze im Interview

Das Gespräch führte Sven Schlickowey

Die Revitalisierung der Allee beschäftigt uns schon seit vielen Jahren. Haben Sie Verständnis dafür, dass einige Menschen langsam die Geduld verlieren?
Peter Heinze: Natürlich kann man das verstehen. Aber das ist ja das, was nur schwer zu kommunizieren ist, wie lange Planungsprozesse dauern. Die Bürgerschaft interessiert sich natürlich vor allem für das Ergebnis, aber nicht für die vielen kleinen Details, die notwendig sind, um zu einem belastbaren Ergebnis zu kommen. In Remscheid kommt noch dazu, dass wir durchaus einen Rückstau an Projekten haben, die abgearbeitet werden müssen.
Warum dauern solche Planungen so lange?
Heinze: Das hat ganz viele verschiedene Gründe. Das hängt davon ab, wie viele Prozessbeteiligte es gibt, wie viele Prozesse abgestimmt werden müssen, ob das jetzt ein juristischer Prozess ist oder ein Konstruktionsprozess, die Finanzierung muss abgeklärt werden, die Fragestellungen der Genehmigung. Das in Einklang zu bringen, ist das, was alle Projekte zu einer Herausforderung macht. Und wir haben ja auch intensive Beteiligungsprozesse, die Berücksichtigung finden. So werden diese Sachen komplexer, größer und natürlich auch aufwendiger.
Ist das für Sie als Stadtplanerin, Frau Kutschaty, nicht manchmal frustrierend?
Christina Kutschaty: Nein das frustet mich überhaupt nicht. Ich glaube, es ist wichtig, den Planungsprozess mit allen Beteiligten abzustimmen und so zu einem entsprechenden Ergebnis zu kommen. Es nutzt ja nichts, wenn die Planer sich etwas ausdenken, von dem sie überzeugt sind, bei dem aber alle anderen sagen: Was habt ihr denn da gemacht? Dann würden wir vielleicht schneller zu einem Ergebnis kommen, aber es muss nicht das Ergebnis sein, was für die Alleestraße tragfähig ist.
Erklärt das die Verzögerungen bei den Terrassen in der Alten Bismarckstraße?
Heinze: Mit den detaillierten Planungen dafür sind wir seit etwa Mitte 2018 beschäftigt. Dabei wurde festgestellt, was da alles für Maßnahmen dranhängen. Für die Fördermittel mussten wir zum Beispiel sicherstellen, dass es eine Nutzungsvereinbarung für mindesten zehn Jahre gibt, um solche Nutzungsverträge im öffentlichen Raum abschließen zu können, musste eine juristische Prüfung durchgeführt werden. Die Terrassen sind sehr aufwendig konstruiert, im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht muss zum Beispiel genau geprüft werden, dass sie nicht zusammenbrechen, wenn da ein Auto gegen fährt. Dann ging es darum, wie die im Boden verankert werden, bei einer sehr differenzierten Leitungslage in der Alten Bismarckstraße. Die Gestaltungsvorschläge mussten noch mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Kutschaty: Und hinterher kam noch jemand, der auch noch eine Terrasse wollte. Heinze: Das sind dann natürlich Diskussionspunkte, die die gesamte Fragestellung noch einmal berühren. Und dann ist das so, was klein aussieht, ist organisatorisch eine große Sache. Und die Schwierigkeiten bei der Ausschreibung kommen noch dazu.
Sie haben sich dazu entschieden, ohne Fertigstellungsdatum noch in diesem Jahr auszuschreiben, um überhaupt noch interessierte Unternehmen zu finden. Wenn wir mal von der Lage in der Bau-Branche absehen, gäbe es Möglichkeiten, solche Vorgänge zu beschleunigen?
Heinze: Der Erkenntnisgewinn aus den Terrassen für die Alte Bismarckstraße ist sicherlich, dass die Komplexität solcher Projekte sehr schnell am Anfang erfasst werden muss. Dann kann man die Maßnahme zu einem professionellen Projektmanagement bündeln. Aber auch dann ist es nicht auszuschließen, dass bestimmte Fragestellungen noch einmal aufkommen.
Sie haben den Rückstau angesprochen, der abgearbeitet werden muss. Liegt das an der personellen Ausstattung der Verwaltung?
Heinze: Ich würde das so ausdrücken: Es gab eine Zeit lang überhaupt keine öffentlichen Mittel für Baumaßnahmen, in diesem Zusammenhang haben die Kommunen natürlich Personal abgebaut, das gilt auch für die Stadt Remscheid. Jetzt ist auf einmal Geld da und damit ist die Auslastung unserer Ingenieurinnen und Ingenieure natürlich jetzt schon enorm.
In dem Zusammenhang fordern einige Vertreter der Städte und Gemeinden, dass Fördermittel nicht nur Material und externe Dienstleitungen abdecken, sondern auch das notwendige Verwaltungspersonal. Würde das die Probleme lösen?
Kutschaty: Es gibt Projekte, da wäre das sehr förderlich, wenn man Geld für Personal hätte. Allerdings bleibt natürlich die Schwierigkeit, entsprechendes Personal zu finden.
Im Sanierungsgebiet Alleestraße sollen mehr als 80 Millionen Euro investiert werden, über die Hälfte von Immobilieneigentümern. Manche werden das sicherlich nicht wollen oder können. Wie stellen Sie sicher, dass alles funktioniert?
Kutschaty: Wir werden einen Sanierungsträger ausschreiben, ein großes Planungsbüro, das sich die Maßnahmen, die wir priorisiert haben, vornimmt und dabei auch Gespräche mit den Eigentümern führt. Dazu gehört auch Beratung zu Förderprogrammen.
Trotzdem wird doch nicht jeder sofort mitmachen.
Heinze: Wir haben ja gerade darüber gesprochen, dass wir im Sanierungsgebiet eine große Auswahl an Projekten haben. Also werden wir uns auf die konzentrieren, die machbar sind. Wenn wir bei einem Eigentümer nicht zum Zuge kommen können, wenden wir uns dem nächsten zu. Kutschaty: Wir können warten. Das Sanierungsgebiet wird es die nächsten zehn bis 15 Jahre geben. Ich glaube nicht, dass es sich irgendein Eigentümer leisten mag, so lange in Untätigkeit zu versinken.
Ein Problem hat sich auf der Alleestraße ja schon entspannt, das Thema Nahversorgung. Das hat aber doch eher der Markt geregelt.
Heinze: Das hat aber nicht der Markt alleine geregelt. Wir haben ja eine hochaktive Wirtschaftsförderung. Auch eine Baugenehmigung fällt nicht vom Himmel. Dafür sind viele Detail-Gespräche notwendig. Um an dieser Stelle auch mal den Mitarbeiter zu nennen: Joachim Karp hat in das Vermittlungsgeschäft insbesondere für den Penny sehr viele Stunden investiert. Ein wichtiger Teil dieses Erfolges ist sicher auch dem Baudezernat zuzurechnen. Und über so einen Erfolg freuen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch.

Zur Person

Christina Kutschaty leitet seit 2018 den Fachbereich Stadtentwicklung, die gebürtige Berlinerin ist gelernte Gärtnerin und studierte Raumplanerin. Peter Heinze ist seit 2017 Baudezernent der Stadt Remscheid und Technischer Beigeordneter. Der studierte Raumplaner stammt aus Hilden.

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