30 Jahre

Interkulturelle Erziehung: Umfassender Ansatz trägt Früchte

Erden Ankay-Nachtwein (v. l.), Dolores Johann, Rabia Kücükyareli und Michaela Pappas freuen sich – hier an der Kita Confetti – über 30 Jahre Förderverein für Interkulturelle Erziehung.
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Erden Ankay-Nachtwein (v. l.), Dolores Johann, Rabia Kücükyareli und Michaela Pappas freuen sich – hier an der Kita Confetti – über 30 Jahre Förderverein für Interkulturelle Erziehung.

Der Förderverein für Interkulturelle Erziehung in Remscheid besteht seit 30 Jahren.

Von Sabine Naber

Remscheid. Das Thema Interkulturelle Erziehung beschäftigt Remscheider Pädagoginnen und Pädagogen schon seit Anfang der 80er-Jahre. „Und zwar so intensiv, dass wir bald gemerkt haben, dass es allein mit lockeren Verbindungen, ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die beispielsweise Hausaufgabenhilfe anbieten, nicht mehr weitergehen kann“, erinnert sich Erden Ankay-Nachtwein.

Als Lehrerin der Mannesmann-Schule an der Burger Straße war sie dabei, als sich 1992 der Förderverein für Interkulturelle Erziehung (IKE) gründete. Mit dem Ziel, den schulischen Erfolg von Kindern mit Migrationshintergrund zu fördern. Von Anfang an habe der Verein einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, der auch eine aktive Elternarbeit umfasste. „Wir hatten schnell gemerkt, dass die Eltern mit unserem Schulsystem nicht zurechtkamen. Wir haben dann vieles ausprobiert, waren an der Schule ein gutes Team. Und das Schöne war, dass man es uns auch machen ließ“, sagt die Vorsitzende des Fördervereins.

„Wir brauchen männliche Erzieher und Ingenieurinnen.“

Kita-Leiterin Rabia Kücükyareli

2000 gründete IKE im Otto-Pfeiffer-Haus die Kindertagesstätte Confetti. 2015 kam der Umzug in die Rosenhügeler Straße. Dort ist Platz für vier Gruppen. Die zurzeit 80 Kinder haben häufig eine internationale Familiengeschichte und die 14 Erziehenden beherrschen zwei Sprachen, neben Deutsch beispielsweise noch Russisch, Englisch, Arabisch oder Türkisch. Im Sprachförderkonzept der Kita wird die deutsche Sprache im Alltag gefördert. „Wenn die kleinen Kinder hierher kommen und noch kein Deutsch können, dann dauert es, bis sie sich weiterentwickeln können. Wenn sie aber zunächst in ihrer Muttersprache reden und verstanden werden, dann gibt es keine Unterbrechung“, weiß Kita-Leiterin Rabia Kücükyareli. Auch sei es – gerade wenn es um pädagogische Dinge geht – besser, wenn Muttersprachler beim Gespräch mit den Eltern dabei seien. „Dann fallen die Barrieren weg. Dann spricht man auch vom Herzen dieselbe Sprache“, erklärt Michaele Pappas, die Geschäftsführerin der IKE.

Die Kita ist ein anerkannter Bewegungskindergarten mit dem Pluspunkt Ernährung. Musikalische Früherziehung wird gefördert und Confetti war die erste Remscheider Kita, die die den Zusatz „Klischeefrei“ tragen darf. „Das ist eine Initiative unter der Schirmherrschaft von Elke Büdenbender, die sich damit für Gerechtigkeit in der Bildung einsetzt. Wir brauchen beispielsweise männliche Erzieher und Krankenpfleger. Aber auch Ingenieurinnen. Deshalb kann bei uns jedes Kind mit allem spielen, wird nicht in eine Rolle gezwängt“, erklärt die Kita-Leiterin. Und fragt sich, warum beispielsweise Laufräder in Rosa oder Blau angeboten werden, statt in Regenbogenfarben.

Förderverein und Kita Confetti feiern

Auch hier ist viel Elternarbeit nötig. Wichtig ist dem Förderverein auch die enge Verzahnung mit dem Stadtteil Rosenhügel. „Wir feiern hier gemeinsam, nehmen an den Stadtteilkonferenzen teil, arbeiten mit dem Bürgerverein zusammen und sind mit unseren Sprachkursen für Zugewanderte praktisch jeden Tag im Stadtteilbüro“, fasst Dolores Johann, zweite Vereinsvorsitzende, die Aktivitäten zusammen. Alphabetisierungskurse, Sprachkurse für Frauen und Männer werden angeboten, im Bildungscafé werden alle möglichen Themen angesprochen oder geklärt, mit welchem Problem man zu welcher Behörde gehen kann.

Insgesamt nehmen pro Jahr 120 bis 140 Frauen an den Kursen teil. Die Kursleiterinnen stammen aus Familien mit internationaler Geschichte. „Manche von ihnen waren früher einmal selbst als Teilnehmerinnen in einem dieser Kurse des IKE“, betont Pappas.

Hintergrund

IKE engagiert sich auch in der Förderung von Flüchtlingskindern ohne Kindergartenplatz im Übergangswohnheim an der Freiheitstraße. Am Emma-Gymnasium werden zwei Projekte begleitet, ebenso die Interkulturelle Lesereihe, in der am 9. November Ijoma Mangold, kulturpolitischer Korrespondent der Zeit, aus seiner Autobiografie „Das deutsche Krokodil“ liest.

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