27 Stellen wurden besetzt

Interesse an einer Lehre bei der Stadt bricht ein

Das Remscheider Rathaus wird Arbeitsplatz für 27 Auszubildende, die bald ihre Lehrzeit beginnen.
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Das Remscheider Rathaus wird Arbeitsplatz für 27 Auszubildende, die bald ihre Lehrzeit beginnen.
  • Frank Michalczak
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Die Zahl der Bewerbungen ist 2022 deutlich zurückgegangen.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Die Remscheider Stadtverwaltung verzeichnet deutlich weniger Interesse für Ausbildungen, die sie anbietet. Sie zählte in diesem Jahr etwa 450 Bewerbungen. „2021 waren es noch 700“, berichtet Ausbildungsleiter Lars Fischer. „Aber mit diesem Phänomen stehen wir nicht alleine da. Offenbar hängen nach Corona noch viele junge Menschen weitere Schuljahre an.“ Zudem habe die Stadtverwaltung in der Pandemie nicht die gewohnte Präsenz in den Klassenzimmern zeigen können, wo Mitarbeiter die beruflichen Angebote vorstellen und dafür werben.

27 Jungkollegen beginnen zum 1. August und 1. September in ganz unterschiedlichen Bereichen, etwa zehn Brandmeisteranwärter folgen am 1. April bei der Feuerwehr. Mit einer zuletzt gestiegenen Zahl an Ausbildungsplätzen bemühe sich die Verwaltung, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken – auch in den Kindergärten, wobei die Lehre zunehmend praxisorientierter werde. „Bislang mussten die Auszubildenden zunächst zwei Jahre die Berufsschule besuchen. Dann folgte ein Anerkennungsjahr in den jeweiligen Einrichtungen, wobei die Zeit in der Berufsschule nicht vergütet wurde“, erklärt Fischer. Dieses Konzept werde aber zunehmend abgelöst durch einen Wechsel aus Unterricht und Praxis in der Kita, wo die angehenden Erzieherinnen und Erzieher mehrere Tage in der Woche Kinder betreuen und somit direkt das Gelernte anwenden können. Neun Ausbildungsplätze konnte die Stadtverwaltung in ihren Kindergärten besetzen. Letzte Bewerbungsgespräche sollen in den kommenden Tagen für zwei weitere Lehrstellen folgen.

Fast alle Azubis werden übernommen

Die Kitas sind aber längst nicht der einzige Bereich, der Nachwuchs benötigt. „Traditionell haben wir Probleme, Interessenten zu finden, die Straßenbauer oder auch Abwassertechniker werden wollen“, nennt Fischer Beispiele für Berufe, die nicht besonders gefragt sind.

   Dabei hätten sie und auch die übrigen Tätigkeiten im Dienste des Rathauses vor allem einen Vorteil: Sie sind krisensicher. „Nahezu alle Azubis werden nach ihrer Lehrzeit übernommen“, berichtet Lars Fischer, der auch auf diverse Duale Studiengänge hinweist, etwa für den Verwaltungsdienst oder Soziale Arbeit. Aber auch hierfür ging die Nachfrage deutlich zurück. Zählte er jahrelang 120 bis 140 Bewerbungen für die Mischung aus Unibesuch und Praxis, so waren es 2021 gerade einmal 43. Wer sich dafür im kommenden Jahr interessiert, erfährt auf der städtischen Internetseite demnächst nähere Informationen und kann sich papierlos bei der Verwaltung melden. Unterlagen wie Lebenslauf, Zeugnisse und Anschreiben können dort hochgeladen werden. Auch 2023 werde die Stadt rund 30 Ausbildungsplätze besetzen, inklusive diverser Dualer Studiengänge. 

www.remscheid.de

Standpunkt: Auf Praxis setzen

frank.michalczak@rga.de

Die Konkurrenz um den Nachwuchs nimmt zu: Ob Handwerk, ob Industrie oder Verwaltung - sie alle buhlen um die Zuwendung junger Menschen, die auf der Suche nach der beruflichen Zukunft sind. Dabei gilt es, die Ausbildung attraktiver und zeitgemäßer zu gestalten. Monate- oder sogar jahrelanger Blockunterricht, bei dem zwar Theorie vermittelt wird, aber der Praxisbezug fehlt, ist sicher nicht geeignet, Begeisterung zu entfachen. Denn nach den vielen Jahren des Schulunterrichts wollen sich die Auszubildenden in der Tätigkeit bewähren, die sie ausgewählt haben.

Das gilt für Kindergärten ebenso wie für das Duale Studium, bei dem akademische Lehrinhalte mit dem Berufsalltag kombiniert werden. Dies ist ganz sicher ein sinnvolles Konzept, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, der sich längst nicht nur abzeichnet, sondern zur Realität geworden ist. Leider auch im öffentlichen Dienst, bei dem Daseinsvorsorge geleistet wird.

Passend zum Thema: Ausbildung - Zahl der Bewerber weiter gesunken

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