Bundestagswahl 2021

Ingo Schäfer (SPD) gewinnt den Wahlkreis 103

Ingo Schäfer (l.) gewinnt für die SPD den Wahlkreis gegen Jürgen Hardt (CDU). Von der Deutlichkeit zeigte sich Schäfer überrascht.
+
Ingo Schäfer (l.) gewinnt für die SPD den Wahlkreis gegen Jürgen Hardt (CDU). Von der Deutlichkeit zeigte sich Schäfer überrascht.

+++Update Montag, 27. September, 8 Uhr+++ Hardt (CDU) verliert Platz im Bundestag - Ergebnisse der Landeslisten

Inzwischen steht auch fest, wer über die Landeslisten der Parteien in den Bundestag einziehen wird. Nach dem amtlichen Endergebnis werden 735 Abgeordnete im neuen Bundestag sitzen. Laut Angaben des Bundeswahlleiters hat es für den bisherigen Amtsinhaber aus dem Wahlkreis 103, Jürgen Hardt (CDU) , nicht zum Wiedereinzug in den Bundestag gereicht. Die Landesliste NRW zieht nur bis Platz 21; Hardt war von seiner Partei auf Platz 22 gewählt worden. Damit käme Hardt nur zum Zuge, wenn einer der anderen Kandidaten aufs Amt verzichten würde. Hardt war dem Direktkandidaten der SPD, Ingo Schäfer, bei den Erststimmen unterlegen.

Auch Robert Weindl (FDP), Silvia Vaeckenstedt (Grüne) und Shoan Vaisi (Linke) bleibt ein Einzug über die Landesliste ihrer Parteien verwehrt.

Von Björn Boch und Andreas Tews

-

Remscheid. Der Sozialdemokrat Ingo Schäfer hat im Wahlkreis 103 das Direktmandat gewonnen und wird Remscheid, Solingen und Wuppertal-Süd im nächsten Bundestag vertreten. Er setzte sich mit 32,6 Prozent der Stimmen gegen Jürgen Hardt (CDU) durch, der den Wahlkreis seit 2009 gewonnen hatte, laut vorläufigem Endergebnis am Sonntag aber nur 27,6 Prozent der Stimmen erhielt.

Kurz nach 21 Uhr nahm Ingo Schäfer die Gratulation von Jürgen Hardt im Solinger Theater und Konzerthaus entgegen. Während Barbara Reul-Nocke als Rechtsdezernentin der Stadt Remscheid die Wahlleitung innehatte, fand die zentrale Wahlveranstaltung in Solingen statt.

„Die Wähler wollten heute einen Wechsel.“

Ingo Schäfer (SPD)

Er könne seinen Wahlsieg „noch gar nicht richtig glauben“, sagte Schäfer direkt im Anschluss unserer Redaktion. Zwar habe er seine Chance gesehen. „Aber dass es so deutlich ausgehen könnte, habe ich nie gedacht. Die Wähler wollten heute einen Wechsel.“

-

Er bedankte sich bei seinem Wahlkampfteam. Gemeinsam sei es gelungen, den Wahlkreis nach zwölf Jahren zurückzuholen. Ausdrücklich bedankte er sich auch bei seinen Kontrahenten für „einen fairen Wahlkampf“, in dem Inhalte im Vordergrund gestanden hätten. Schon heute wird sich Schäfer als Wahlsieger nach Berlin aufmachen, am Dienstag ist die erste Fraktionssitzung. Er kündigte an, sich in Berlin „massiv für den Wahlkreis“ einzusetzen. Als wichtigste Themen bezeichnete er einen Altschuldenfonds, Armutsbekämpfung und Daseinsvorsorge.

Jürgen Hardt zeigte sich enttäuscht von seinem Resultat. Es sei in Remscheid, Solingen und Wuppertal schon immer schwierig gewesen, für die CDU bei einem solch engen Bundesergebnis zu gewinnen. Hardt bewertete das bundesweite Abschneiden seiner Partei als „enttäuschend“. Als dieser Trend bekannt gewesen sei, habe er damit gerechnet, am Wahlabend nicht siegreich zu sein. Ausschlaggebend sei auch gewesen, dass die FDP mit Dr. Robert Weindl einen starken Bewerber gehabt habe. Weindl erreichte 10,7 Prozent der Stimmen, knapp hinter Silvia Vaeckenstedt (Grüne, 12,9 Prozent).

Weil die CDU viele Direktmandate im Land verloren hat, konnte Hardt am Sonntagabend dennoch hoffen, über die Landesliste der CDU in den Bundestag einzuziehen. Bei Redaktionsschluss war Hardt der Vorletzte der CDU-Kandidaten aus NRW, die es auf diesem Weg schaffen. Dann wäre der Wahlkreis 103 zum ersten Mal seit 2005 mit zwei Abgeordneten in Berlin vertreten.

Die SPD entschied den Wahlkreis auch bei den Zweitstimmen klar für sich. Die Sozialdemokraten erreichten 29,7 Prozent und landeten damit deutlich vor der CDU (24,3 Prozent). Drittstärkste Kraft sind die Grünen mit 15 Prozent, gefolgt von der FDP (12,5 Prozent). Die AfD erreichte 7,7, die Linke 3,8 Prozent der Stimmen.

Die Bundestagswahl 2021

Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier
Die Bundestagswahl 2021
Die Bundestagswahl 2021  © Christian Beier

Auffällig: Die Kandidaten von SPD und CDU schnitten nur geringfügig besser ab als ihre Parteien im Wahlkreis. Es gab offenbar wenig Stimmensplitting, die Kandidaten von Grünen, FDP, Linke und AfD erreichten bei den Erst-Stimmen ähnliche Ergebnisse wie bei den Zweitstimmen. Frederick Kühne (AfD) erzielte 7,6 Prozent, Shoan Vaisi 3,2 Prozent der Erststimmen.

Weitere Direktkandidaten spielten kaum eine Rolle, das beste Ergebnis der nicht im Bundestag vertretenen Parteien erreichte Judith Röder (Die Partei, 2,1 Prozent), gefolgt von Volker Dörner (Die Basis, 1,4 Prozent). Jan Klein (Freie Wähler) kam auf 1,0, Einzelbewerber Peter Heinrich Kramer auf 0,7, Christoph Gärtner (MLPD) auf 0,1 Prozent.

Bundestagswahl 2021: Die Einzelergebnisse aus 54 Wahllokalen in Remscheid

Deutschland hat einen neuen Bundestag gewählt. Wie haben die Wahlberechtigten in Remscheid gewählt? Welche Reaktionen gab es im Laufe des Abends? Hier geht es zum Live-Ticker des RGA zum Nachlesen.

Standpunkt: Klarer Abstand erstaunt

Von Stefan M. Kob

stefan.kob@rga.de

Dass der vierte Einzug in den Bundestag schwer werden würde für den Amtsinhaber, war Jürgen Hardt (CDU) angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens von CDU und SPD wohl selbst klar. Wie deutlich aber sein Herausforderer Ingo Schäfer (SPD) das politische Schwergewicht beim zweiten Anlauf nach 2017 jetzt aus dem Sattel hob, überraschte dann doch. Schäfer hatte selbst in traditionell „schwarzen“ Solinger Wahlbezirken und sogar in Remscheid die Nase klar vorn, wo er als Solinger keinen Heimbonus ausspielen konnte. Dies mit dem erfolgreichen Wahlkampf von FDP-Kandidat Robert Weindl erklären zu wollen, der Hardt viele Stimmen abgenommen habe, greift zu kurz. Denn genauso müsste das gute Abschneiden der Grünen Silvia Vaeckenstedt dem SPD-Kandidaten geschadet haben. Hardt war für die Wähler dann doch eher der Außenpolitiker in Berlin als der Vertreter im Wahlkreis. Erst in der Nacht wird feststehen, ob er es noch per Liste in den Bundestag schafft. Für unsere Stadt wäre das jenseits aller politischen Vorlieben eine gute Nachricht: Denn dass zwei bergische Abgeordnete mehr Gewicht für bergische Themen aufbrächten als einer, liegt auf der Hand. Die Probleme mit gewaltigen Schulden und minimalem Spielraum sind wahrlich groß genug. Hier darf eine „Große Koalition“ der beiden gerne weitergehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gute Nachricht für das Allee-Center: Schuhe Kämpgen kommt
Gute Nachricht für das Allee-Center: Schuhe Kämpgen kommt
Gute Nachricht für das Allee-Center: Schuhe Kämpgen kommt
Führerscheine aus Papier werden schrittweise umgetauscht
Führerscheine aus Papier werden schrittweise umgetauscht
Führerscheine aus Papier werden schrittweise umgetauscht
Corona: Inzidenz steigt auf 71,7 - Temporäres Impfzentrum erhält Nachschub aus Wuppertal
Corona: Inzidenz steigt auf 71,7 - Temporäres Impfzentrum erhält Nachschub aus Wuppertal
Corona: Inzidenz steigt auf 71,7 - Temporäres Impfzentrum erhält Nachschub aus Wuppertal
Ohne Maske? Lehrer haben ungutes Gefühl
Ohne Maske? Lehrer haben ungutes Gefühl
Ohne Maske? Lehrer haben ungutes Gefühl

Kommentare