Corona-Notbremse

Infektionen: OB befürchtet eine Ausgangssperre

Im Allee-Center bleibt es leer, bedauert Center-Manager Nelson Vlijt. Der Lockdown wurde verlängert. Fotos: Roland Keusch
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Im Allee-Center bleibt es leer, bedauert Center-Manager Nelson Vlijt. Der Lockdown wurde verlängert.
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Die meisten Geschäfte bleiben weiterhin geschlossen – Expertenrunde tagt wieder am 23. April.

Remscheid. Es bleibt in Remscheid vorerst beim Lockdown im Einzelhandel. Das heißt, die Kunden dürfen lediglich jene Geschäfte betreten, die Waren für den täglichen Bedarf anbieten. Zu diesem Ergebnis kam an diesem Freitag eine Expertenrunde mit Vertretern des Handels und des Gesundheitswesens, die sich mit Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz trafen. Und der OB warnt: Die Schutzmaßnahmen vor Corona könnten noch weiter verschärft werden: „Uns droht eine nächtliche Ausgangssperre. Dann müssen alle vielleicht schon ab 21 Uhr zu Hause bleiben“, sagt Mast-Weisz über die aktuellen Infektionszahlen, die „weiterhin viel zu hoch sind“.

Seinen dringenden Appell richtet er an alle, die sich nicht an die Verordnung halten: „Es darf keine großen Familienfeiern, keine Party und auch keine informellen Treffen im Hardtpark oder auf Spielplätzen geben.“ Genau bei diesen Ereignissen musste die Remscheider Ordnungsbehörde in den vergangenen zwei Wochen aber einschreiten.

Der Jüngste ist noch keine zehn Jahre alt.

Burkhard Mast-Weisz über die Patienten auf der Intensivstation

Und: Längst seien es nicht mehr nur betagte Patienten, die unter schweren Krankheitsverläufen leiden. „Der Jüngste ist noch keine zehn Jahre alt“, sagt Mast-Weisz mit Blick auf die Lage in den Kliniken. „Und das zieht sich dann durch alle Lebensdekaden.“ Aktuell liegen 10 der 19 Coronaerkrankten, die in Remscheid stationär versorgt werden, auf der Intensivstation. Acht dieser Patienten werden beatmet.

Wenn der Inzidenzwert – also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen – auf über 200 steige, könne er gezwungen sein, per Verordnung schärfere Maßnahmen auszurufen. „Möglicherweise zwingt uns aber auch das NRW-Gesundheitsministerium zu einer Ausgangssperre“, erklärt der Oberbürgermeister. Aktuell liegt die Inzidenzzahl bei 194,9.

Center-Manager zeigt Verständnis für geschlossene Geschäfte

Nelson Vlijt, Manager des Allee-Centers, nahm am Freitag ebenfalls an der Gesprächsrunde teil – und zeigt Verständnis dafür, dass die meisten Geschäfte geschlossen bleiben müssen. „Die Zahl der Infektionen muss runter“, erklärt er und schlägt in diesem Zusammenhang weitere Möglichkeiten zur digitalen Nachverfolgung von Kontakten in Remscheid vor. „Zum Beispiel per Luca-App.“ Lediglich das sogenannte „Click & Collect“ bleibt wie bisher möglich – also Waren online oder telefonisch bestellen und vor der Ladentür abholen. Dabei macht Vlijt keinen Hehl daraus, dass die Stimmung bei den Betreibern der Center-Geschäfte zunehmend schlechter wird. „Der Frust wächst, wobei sich die meisten noch mit Kurzarbeit über Wasser halten.“ Und: Diejenigen, die noch öffnen dürfen, weil sie Dinge für den täglichen Bedarf anbieten, leiden ebenfalls unter Umsatzrückgängen. „Die Laufkundschaft ist erheblich reduziert“, bedauert der Manager.

Nelson Vlijt, Manager des Allee-Centers, zeigt Verständnis für geschlossene Geschäfte.

Dieser Zustand dürfte mindestens bis zum 18. April Bestand haben. Dann endet die aktuelle Coronaschutzverordnung in Nordrhein-Westfalen, die entweder verlängert oder durch ein neues Regelwerk ersetzt wird. Dieses liefert dann auch die Beratungsgrundlage für das das nächste Krisengespräch beim OB, das für den 23. April anberaumt ist. Bis dahin hofft der OB auf eine Besserung der Lage. Zum einen durch das weitere Impfen, zum anderen durch das Testen. „Dafür haben wir in Remscheid mittlerweile 50 Möglichkeiten, inklusive der Hausarztpraxen“, listet er auf. Aber auch dadurch werde nicht den gewünschten Effekt haben, „wenn sich nicht wirklich alle an die Spielregeln halten“.

Hintergrund

Ein 66-jähriger Remscheider ist mit oder an Covid-19 gestorben. Damit forderte die Pandemie in der Stadt jetzt 140 Opfer. Gegenwärtig werden 19 Covid-Patienten in den Krankenhäusern behandelt, zehn intensivmedizinisch. Acht davon müssen beatmet werden.

Standpunkt: Konsequent bleiben

Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak @rga.de

Es ist nur allzu verständlich, dass sich gerade junge Menschen danach sehnen, wieder Kontakt miteinander zu bekommen – und das nicht nur am Computer oder via Whatsapp, sondern im realen Leben. Und so trifft sich eben die eine Clique mal im Park, die andere mal auf dem Spielplatz nebenan oder beim Kumpel im Partykeller. Aber: Das Bedürfnis nach Freiheit darf nicht dazu führen, dass sich die hochansteckende britische Virus-Variante in Remscheid noch weiter ausbreitet. Angesichts der Vielzahl an Neu-Infektionen, die sich auch bei Jüngeren ausbreiten, müssen die Kontaktbeschränkungen konsequent beachtet werden. Denn: Es muss nur ein Einziger infiziert sein, der dann womöglich einen ganzen Freundeskreis ansteckt. Mit der Folge, dass schnell die jeweiligen Familien betroffen sind. Genau diese Kettenreaktion darf nicht eintreten. Das ist sicher für so manchen, schwer zu ertragen nach einem Jahr Pandemie. Doch: Durch Impfen, Testen und vor allem durch das Einhalten der Spielregeln gibt es die Hoffnung, dass dieser Alptraum in ein paar Monaten endet. Dann haben sich alle eine Party verdient.

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