Strompreis soll fast um das Achtfache steigen

Industriekunde schimpft über die Stromtarifpolitik der EWR

Heimstatt für Existenzgründer und innovative Unternehmer: die Technologiefabrik im Remscheider Südbezirk. Doch sind noch zu weing Mieter in der TFR&copy Michael Sieber
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Heimstatt für Existenzgründer und innovative Unternehmer: die Technologiefabrik im Remscheider Südbezirk.
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Rüdiger Weiss, der über die Kobold die Technologiefabrik Remscheid (TFR) an der Berghauser Straße betreut, ist fassungslos über „unverschämtes Angebot“.

Remscheid. Von 5,36 auf 43,89 Cent soll der Strompreis bei der Kobold GmbH & Co. KG kommendes Jahr steigen. Die Stadtwerke-Tochter EWR erhöht den Tarif des Industriekunden um das Achtfache, bei einer Laufzeit von einem Jahr, Vorkasse und festgelegtem Lieferumfang. Binnen 24 Stunden sollte sich der Kunde entscheiden, ob er die neuen Konditionen annimmt. Rüdiger Weiss, Chef der Immobilienfirma, schäumt: „Friss oder stirb – die EWR setzen uns die Pistole auf die Brust.“ Weiss, der über die Kobold die Technologiefabrik Remscheid (TFR) an der Berghauser Straße betreut, wettert über einen „unverschämten Knebelvertrag“.

Denn in dem dreiseitigen Begleitschreiben, dass die EWR zu ihrem „Preisangebot“ rausgeschickt hat, steht auch, dass es beim Lieferumfang einen Mindestbezug von 90 Prozent, einen Mehrbezug von höchstens 110 Prozent gibt. „Der Kunde bezahlt auch bei einer Abnahmemenge von weniger als 90 Prozent die Kosten für 90 Prozent der Menge“, heißt es in dem EWR-Brief.

Rüdiger Weiss möchte sich nicht ausmalen, was passiert, wenn ein Teil der 55 Mieter in der TFR die rapide gestiegenen Energiekosten nicht mehr aufbringen kann und aufgibt. „Dann bleibe ich auf den Stromkosten hängen und stürze mit ins Unglück.“ Auf Anfrage des RGA entgegnet Jochen Peters, Leiter der Energie- und Wasserbeschaffung bei den EWR, dass der mehrseitige Liefervertrag durchaus eine Rückvergütung für nicht genommene Mengen vorsehe.

Ein Kontingent von neun Millionen Kilowattstunden haben die EWR für 50 hiesige Industriekunden im Rahmen einer Bündelausschreibung eingekauft, die bei einem Jahresverbrauch von 50 000 bis 800 000 kw/h liegen. Die Kobold zählt dazu. Der örtliche Energieversorger spricht von einer für alle, früher nie vorstellbaren Herausforderung. „Wir sind Teil einer im bundesdeutschen Strom- und Gasmarkt strukturierten Lieferkette und abhängig von Vorlieferanten, Handelspartnern und den Zugangsbedingungen zu den Märkten. Durch außergewöhnlich hohe und volatile Börsenpreise und dem dadurch bedingten Überschreiten jeglicher Lieferantenlimite im Handel im Rahmen eines seriösen Risikomanagements entstehen Einschränkungen, die es uns nicht ermöglichen, Lieferverträge wie in der Vergangenheit anzubieten.“

Weiss, der sich bewusst für lokale Energie entschieden hatte, überzeugt das nicht. Er ist auf dem Absprung und will zurück zu einem Anbieter mit flexibler Spotmarkt-Belieferung. Eine solche gibt es bei den EWR nicht. Für die stündliche Errechnung des Strompreises rund ums Jahr haben die EWR nicht die geeignete Software, die sich laut EWR nicht für das Massengeschäft rechne. „Für diesen Fehler der Geschäftsleitung müssen die Remscheider Unternehmer nun bezahlen“, klagt Weiss.

Standpunkt von Andreas Weber: Rutschiges Parkett

andreas.weber@rga.de

Viele Privatkunden zahlen noch unter 30 Cent für die Kilowattstunde. Wer neue Stromverträge abschließt, muss mit dem Doppelten rechnen. Die hohen Strompreise sind aber auch enorme Mehrbelastungen für Unternehmen.

Drastische Erhöhungen bringen große Energieverbraucher aus der Industrie, Mittelständler und Handwerksbetriebe in Existenznot. Die Bäckermeister, die Strom und Gas nicht mehr begleichen können, sind schon durch alle Medien gelaufen. Ärger und Verzweiflung bei den Betroffenen sind nachvollziehbar, wenn ihnen neue, exorbitante Tarifkonditionen ins Haus flattern. Die EWR bewegen sich als Überbringer auf einem rutschigen Parkett. Als lokaler Energieversorger sind sie jedoch nicht der Schuldige dieser historischen Krise, müssen kaufmännisch kalkulieren, um über die Runden zu kommen.

Wer als Kunde nicht mehr mitspielen will, muss auf einen günstigeren Anbieter hoffen oder auf die angekündigte staatliche Entlastung warten.

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