Nikolausaktion der Schlawiner

In Lüttringhausen ist der Nikolaus ein Schlawiner

Einige der Schlawiner-Helfer um Julia Rozalska (5. v. l.) und Kim Obrikat (3. v. r.) mit den Kalendern.
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Einige der Schlawiner-Helfer um Julia Rozalska (5. v. l.) und Kim Obrikat (3. v. r.) mit den Kalendern.

Zwei Dutzend Helfer der offenen Jugendarbeit verteilen im Schneetreiben Grüße an mehr als 1600 Haushalte.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Um kurz vor 18 Uhr bricht Hektik aus. Klar. Auch Weihnachtselfen und Nikolaus-Helfer haben einen engen Terminplan. An den wollen sie sich halten. „Wo sind die Beutel?“, ruft einer. Im Büro werden sie schnell gefunden. Befüllt sind sie schon. Zwei Beutel in die Hand und raus. Raus ins Schneetreiben. Das Wetter wirkt fast wie bestellt. Der stundenlange Schneefall hat für weiße Straßen und Siedlungen gesorgt.

Es ist Montagabend, nur noch wenige Stunden bis Nikolaus. Im Haus der Schlawiner in Lüttringhausen herrscht wildes Treiben. Alle sind gekommen, Mitarbeiter, Ehrenamtliche, Ehemalige – und vor allem Kinder und Jugendliche. Sie alle wollen der Nachbarschaft in Klausen eine Freude machen. Sie alle setzen ihre rote Weihnachtsmütze auf. Sie alle stapfen gut gelaunt in den Schnee.

Die Nikolausaktion der Schlawiner ist eine Tradition. So recht weiß niemand, die wievielte Auflage in diesem Jahr stattfindet. Vermutlich ist es die 25. Verteilaktion, verrät ein Blick ins Archiv. „Der Kern der Aktion ist, in den Stadtteil auszusenden: ‚Wir, die Schlawiner, sind immer noch da‘“, erklären Geschäftsführerin Stefanie Hosters und Anja Westfal, die die Stadtteilarbeit leitet. Ihre Arbeit werde gut angenommen. Durch alle Altersschichten.

Auf den Nikolaus-Gruß haben sich die Nachbarn über die Jahre eingestellt. Einige warten abends schon. Zu erkennen sind die Schlawiner aufgrund ihrer Mützen gut. Das stärkt den Zusammenhalt. Und strahle eine gewisse Autorität aus, wie ein Helfer zu berichten weiß: Er habe mit dieser Kopfbedeckung schon einen Familienstreit schlichten können.

„Es ist schön, anderen eine Freude zu machen“

Jetzt aber los. Die Nachbarn warten sicher schon. Eilig greifen die Jugendlichen und ihre Begleiter die Beutel. Julia Rozalska und Kim Obrikat ziehen nicht zum ersten Mal mit um die Häuser. Die beiden 14-jährigen Mädchen genießen den gemeinsamen Ausflug. Die gute Aktion. Dass sie bereits erwartet werden. „Es ist schön, anderen eine Freude zu machen“, sagen sie. Den Gruppenzusammenhalt der Schlawiner-Kids stärkt es auch. Julia hat für unterwegs noch eine besondere Überraschung. „Auf dem Weg will ich eine kleine Schneeballschlacht veranstalten“, flüstert sie.

Draußen ziehen sie in kleinen Gruppen umher. Die Straßenzüge haben sie aufgeteilt. Einige sind schon um kurz nach Vier los, bei Einbruch der Dunkelheit. Auch etwas weiter entfernte Teile von Klausen sollen angesteuert werden. Die Beutel sind voll bepackt. Müssen sie auch sein. Rund um das Heim der Schlawiner stehen große Häuser. 12 Schlitze, 18 Schlitze, mehr als 20 Schlitze. Die Briefkästen hier sind groß, viele Menschen wohnen auf engem Raum. Entsprechend schnell leeren sich die Beutel.

Eine halbe Stunde, eine Stunde – wie lange die Gruppen unterwegs sind, hängt vom Umfang ihrer Route ab. Oder in wie viele Gespräche sie verwickelt werden. Einige sitzen danach noch bei Tee zusammen. Der ist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eine willkommene Belohnung.

Julia und Kim jedenfalls sind alle Geschenke losgeworden. Jetzt blicken sie selbst aufgeregt in die Weihnachtszeit. Sie freuen sich aufs Fest. „Weil man sich viel mit der Familie trifft“, sagt Julia. Sie ist richtiger Weihnachtsfan. Das Beste sei natürlich, dass keine Schule ist.

Und dann ist da ja noch die Hoffnung, an Heiligabend von der Schenkenden zur Beschenkten zu werden. Julia sagt, sie hoffe auf ein Tablet. „Und auf ein Buch von meinem Lieblingsautor.“ Ein Fantasyroman soll es sein. Der Draht von Nikolaus zu Christkind sollte ja recht kurz sein.

Hintergrund

Geschenk: Statt kleiner Tütchen mit Leckereien oder Schoko-Nikoläusen gab es diesmal 1652 Kalender fürs kommende Jahr im Taschenformat.

Schlawiner: Das hat mit dem engen finanziellen Korsett zu tun, so die Verantwortlichen. In den Kalendern gibt es einen Weihnachtsgruß der Schlawiner.

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