Erhebliche Folgen für Pendler

In Lennep fährt wochenlang kein Zug

Wenig gastlich ist das Entree zur Wülfingstraße. Auch hier wird die betagte Brücke neu gebaut. Es entsteht als Nebeneffekt eine neue Durchfahrt.
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Wenig gastlich ist das Entree zur Wülfingstraße. Auch hier wird die betagte Brücke neu gebaut. Es entsteht als Nebeneffekt eine neue Durchfahrt.
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Brückenneubauten führen zu Einschränkungen im Fahrplan und zu Sorgen bei Anwohnern.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Der Abriss und Neubau von zwei Eisenbahnbrücken in Lennep werden 2023 erhebliche Folgen für Pendler und Anwohner haben. Betroffen sind die Bauwerke in der Nähe der Wülfing- und an der Schlachthofstraße, die in die Jahre gekommen sind. Vertreter der Deutschen Bahn (DB) stellten nun in der zuständigen Bezirksvertretung die Pläne vor.

So viel steht fest: Es wird Einschränkungen im Fahrplan geben. Und: „Vom 22. Juni bis zum 7. August wird hier kein Zug fahren“, kündigte die Sprecherin von DB Netz an. Bereits in den kommenden Wochen laufen die Vorarbeiten an.

Mehr als 100 Jahre hat die Brücke an der Schlachthofstraße auf dem Buckel. 2023 wird sie abgerissen und neu gebaut.

Das Ganze führt zu Sorgen in der Nachbarschaft, die Anwohnerin Gabi Marx bei der Sitzung am Mittwochabend vortrug. „Die Wülfingstraße wird zur Arbeitsstraße. Auch das Materiallager wird in diesem Bereich liegen. Das bedeutet Lärm, Schmutz und Emissionen.“ Ihre Forderung: Mögliche Schäden durch die Bauarbeiten auf der ohnehin maroden Straße müssten dokumentiert und behoben werden. Besonders am Herzen liegt der Nachbarschaft der Erhalt einer Baumreihe mit zwanzig Rosskastanien, die einen wesentlichen Beitrag zum Klima im Wülfing-Viertel und zum Lärmschutz vor dem Zugverkehr leiste. Dabei konnten die Anwohner zuletzt offenbar einen Erfolg erzielen. Nach einer Ortsbesichtigung stellte sich heraus, dass nur ein Baum im Zuge der Baustelle beseitigt werden müsse – statt zwei. Dieser werde an Ort und Stelle nach Abschluss des Projekts ersetzt, versicherten die Vertreter von DB Netz.

„Davon wusste man nichts bei der Tafel“

Bettina Stamm über die Baustelle

Allein an der Wülfingstraße will das Unternehmen rund sechs Millionen Euro investieren: „Die Brücke stammt aus dem Jahr 1910 und hat 112 Jahre Zugverkehr getragen. Jetzt wird sie rundum erneuert und der Streckenabschnitt fit für das nächste Jahrhundert gemacht“, erklärt eine Bahnsprecherin auf RGA-Anfrage. Ähnliches gilt für das Bauwerk an der Schlachthofstraße. Beide Brücken werden nacheinander abgebrochen und neu gebaut, wobei dann jeweils die Wülfing- bzw. die Schlachthofstraße als Umleitung dienen sollen.

Bettina Stamm (echt Remscheid) monierte, dass darüber die Anwohner informiert werden müssten – vor allem gelte es, die Mitarbeiter der Tafel auf dem Laufenden zu halten, deren Zentrale an der Wülfingstraße liegt. Diese hätten sich verwundert gezeigt, dass dort zuletzt Halteverbotsschilder aufgestellt wurden – offenbar ein Vorbote der Baumaßnahme: „Davon wusste man nichts bei der Tafel“, kritisierte sie. Jürgen Kucharczyk (SPD) hob hervor, dass die Pendler erfahren müssten, wie sie während der Bauzeit von A nach B gelangen können – zum Beispiel, indem sie statt in die Linie S 7 in den Bus umsteigen. Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) zeigte sich überrascht, dass die Brückenneubauten so kurzfristig anstehen. „Davon habe ich erst bei der Ortsbesichtigung mit den Anwohnern erfahren“, erklärte er.

Diese sollen nicht zu sehr unter den Belastungen durch die Baustelle leiden, bekundeten die Vertreter von DB Netz. Das gelte insbesondere für die Bewahrung der Nachtruhe. „Lärmintensive Arbeiten“ sollen tagsüber erfolgen. Der neu gepflanzte Baum werde drei Jahre lang gehegt und gepflegt. Dies wünschen sich die Anwohner auch für die übrigen Rosskastanien, die durch einen fachgerechten Schnitt verkehrssicher werden sollen. Die Kosten dafür hielten sich angesichts der Millioneninvestition in überschaubaren Grenzen.

Forderungen der Anwohner

Die Anwohnenden an der Wülfingstraße fordern, dass es im Zuge der Rodung einer Rosskastanie nicht nur zu einer Neupflanzungen kommt. Von einem Nachbar-Baum sei zum Beispiel nur noch ein Stumpf vorhanden. Zudem müsse ein Stabilisierungs- und Pflegeschnitt an allen Rosskastanien erfolgen, um sie langfristig für die Nachwelt erhalten zu können.

Zusätzlich wünschen sich die Anwohner bei Problemen einen festen Ansprechpartner bei der Stadt, bei dem die Fäden bei der künftigen Baustelle zusammenlaufen.

Standpunkt von Frank Michalczak: Tafel-Betrieb schützen

frank.michalczak@rga.de

Die Vertreter von DB Netz ließen durchblicken, dass es sich bei den Brückenneubauten in Lennep um eine eher kleinere Maßnahme für das Unternehmen handele. Das Projekt hat aber erhebliche Folgen für Pendler und Anwohner, die sich bei allen Belastungen darüber freuen können, dass der Tunnel an der Wülfingstraße verschwindet und von einer helleren Durchfahrt ersetzt wird. Eines muss aber den Verantwortlichen klar sein: Der Betrieb der Tafel im Nadelöhr darf nicht lahmgelegt werden.

Hier befindet sich nicht nur eine Ausgabestelle für Menschen, die auf Lebensmittel angewiesen sind. Hier hat die Initiative auch ihre Zentrale mit Kühlräumen. Von hier aus werden auch die übrigen Anlaufstellen im Stadtgebiet versorgt. Dass es mit der Kommunikation nicht zum Besten steht, zeigt, dass die Mitarbeiter der Initiative vom Halteverbot vor der Eingangstür überrascht wurden. Das ist sicherlich kein optimaler Startschuss für das kleine Großprojekt in Lennep.

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