Sahnetörtchen

In dieser Familie wird der gute Geschmack mitvererbt

LOKKonditorin Gabriela Temper in der Backstube. Hier entstehen die kleinen Wunderwerke, die im Café verkauft werden.
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Konditorin Gabriela Temper in der Backstube. Hier entstehen die kleinen Wunderwerke, die im Café verkauft werden.

Die Jannaschs sind eine Konditoren-Familie in vierter Generation – Jürgen Jannasch übergibt die Leitung nun an seine Tochter Samantha.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. In dieser Familie haben alle einen guten Geschmack – und der wird offenbar seit Generationen weitervererbt: die Familie Jannasch. Sie betreibt eine von nur wenigen übriggebliebenen Konditoreien in Remscheid. Waren es früher einmal 10 bis 15, seien es heute maximal noch drei. „Früher waren wir zu zehnt in der Innung, heute bin ich dort allein“, sagt Jürgen Jannasch (72). „Wir sind zudem die einzigen mit einem angeschlossenen Café.“ Dem „Sahnetörtchen“ an der Scharffstraße in der Innenstadt.

Die Begeisterung für das süße Handwerk wird seit jeher weitergegeben: Jürgen Jannaschs Vater Werner war Konditor, sein Opa ebenfalls, und seine Ur-Urgroßeltern betrieben eine Mühle. Der gute Geschmack und der Blick für das Schöne liegen ihnen quasi im Blut. Jetzt setzt sich Jürgen Jannasch zur Ruhe und übergibt die Geschicke der gleichnamigen Konditorei mit zehn Mitarbeitern an seine Tochter Samantha Jannasch (40). Jedoch geht er nicht ganz: Jürgen Jannasch kümmert sich nun als Altmeister um die drei Auszubildenden. Zwei junge Frauen lernen derzeit in der Backstube, eine im Verkauf.

Konditorei Jannasch backt RGA-Törtchen und stockt Spenden für „Helft uns helfen“ auf

Ursprünglich stammt die Familie aus Bautzen in Sachsen. Als Jürgen Jannasch sechs Jahre alt war, zog man mit der traditionellen Eierschecke im Gepäck in den Westen. An der Merscheider Straße in Solingen führten Werner und Brunhild Jannasch ihre erste Konditorei. 1961 ergab sich dann für sie die Gelegenheit, gegenüber dem Krankenhaus an der Burger Straße im Südbezirk ein Café zu übernehmen. „Dort stand eine Baracke. Zunächst führten meine Eltern das Café tatsächlich in dieser Baracke“, erinnert sich Jürgen Jannasch. Dann kam der Neubau mit Café, Backstube und selbst genutztem Wohnraum. Hier ging Jürgen Jannasch bei seinem Vater in die Lehre und schloss eine Meisterausbildung an. Die Meisterprüfung legte er in Köln ab, ehe sein Vater ihn ein Jahr lang zur Konditorei Funke-Kaiser nach Düsseldorf schickte. „Er wollte, dass ich mal etwas anderes kennenlerne.“

Damals wurde sehr gradlinig gearbeitet, rational und ohne Schnörkel, erzählt er. Noch heute hat er den Leitspruch von damals im Kopf: „Der Zeitgeschmack entspricht modernen Formen.“ Gefragt waren Käse-Sahne-Torte und Schwarzwälder Kirsch. 1979 übernahmen der Konditormeister und seine Frau Danielle, eine Französin, die Jürgen Jannasch auf Mallorca kennengelernt hatte, dann die Konditorei im Südbezirk. Mit Danielle Jannasch hielt die französische Pâtisserie Einzug in Remscheid: „Meine Eltern boten schon früh Eclairs an, die man bis dato hier gar nicht kannte“, erzählt Samantha Jannasch, die natürlich genauso in der Backstube aufwuchs und dort kleine Experimente mit „einem Kilo Puderzucker und Zitronensaft“ durchführte. Opa Werner hat ihr auch schon mal gern den Rand vom Bienenstich zum Vernaschen abgeschnitten. Heute isst sie übrigens recht sehr selten Süßes. „Zum Leidwesen meiner Freundinnen“, erzählt sie lachend. Meistens aber die neuen Kreationen aus der Backstube.

An denen wird immer wieder gemeinsam gefeilt, ausprobiert und probiert. In sind derzeit Naked-Cake-Torten, kleine, fantastisch-verzierte Törtchen oder vegane Varianten. Bei den jungen Gästen beliebt. Die Älteren bevorzugten eher die traditionelle Eierschecke oder den Johannisbeer-Baiser-Kuchen und dazu gern ein Tässchen frisch gebrühten Filterkaffee, erzählt die Café-Betreiberin.

Konditorin Gabriela Temper in der Backstube. Hier entstehen die kleinen Wunderwerke, die im Café verkauft werden.

Genauso wie Samantha einst wächst auch ihre eigene Tochter (5) zwischen Mehl und Milch auf. „Sie rührt schon gern in der Schüssel“, sagt Jürgen Jannasch. Und schmecken tun ihr besonders gut die Pralinen und die kleinen, bunten Macarons. „Vor ein paar Jahren haben uns die Leute übrigens ausgelacht, als wir sie für ein Drittel des heutigen Preises verkaufen wollten. Heute gehen sie weg wie nichts“, erzählt Samantha Jannasch, die ihren Vater schon mal des Öfteren von Reisen Mürbeteigboden mitbrachte mit der Frage: „Woher kommt dieser gewisse Geschmack, Papa?“

Der Konditor verwöhnt das Volk, der Bäcker macht es satt.

Jürgen Jannasch

Auch die kleinen Törtchen, die heute so verführerisch in der Auslage im „Sahnetörtchen“ locken, gehen auf Mama Danielle zurück. Das Café wurde 2009 gebaut. „Denn eine Konditorei ist ein Kreativort, da muss ein Café dazugehören“, sagt Jürgen Jannasch. Während man früher auch Berliner Ballen, Plunder und Blechkuchen herstellte, hat sich das Angebot mittlerweile gewandelt. Zu groß ist die Konkurrenz der Bäckereien, sogar der Discounter. „Die Kunden wollen den Unterschied zwischen einem Bäcker und einem Konditor schmecken. Der Konditor verwöhnt das Volk, der Bäcker macht es satt“, bringt es Jürgen Jannasch auf den Punkt. Seit etwa zehn Jahren sei das Konditorenhandwerk nicht zuletzt durch TV- oder Netflix-Sendungen wieder im Aufwind.

Oma Brunhild Jannasch (93) lebt übrigens noch. Zu ihrem Geburtstag im August backt ihr Jürgen Jannasch immer einen Pflaumenkuchen. „Der ist ihr aber meistens nicht süß genug“, erzählt Jürgen Jannasch lachend. Diese Familie hat halt Geschmack.

Sahnetörtchen

Öffnungszeiten: Das Café Sahnetörtchen, Scharffstraße 3, ist montags bis donnerstags von 9.30 bis 17 Uhr, samstags von 9.30 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Freitag ist Ruhetag.

Kontakt: Tel. 4 64 96 95, unter anderem für Reservierungen, Anfragen und Bestellungen. Man liefert und gestaltet Hochzeitsempfänge. Das Café ist auch auf Instagram; cafe-sahnetoertchen.de

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