Wiedereröffnung

In den Friseursalons stehen die Föhne nicht still

Friseurin Petra Schirmer beim Finish der Frisur von Martina Schäfer. Sie versteckte ihre Haare im Lockdown unter einer Mütze. Foto: Roland Keusch
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Friseurin Petra Schirmer beim Finish der Frisur von Martina Schäfer. Sie versteckte ihre Haare im Lockdown unter einer Mütze.

Der erste Tag nach dem Lockdown: Für viele Kunden war ein Schnitt dringend nötig.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Laute Föhne, fliegende Haare und Haarspray in der Luft: Am Montag bot sich in den Friseursalons der Stadt ein (un)gewohntes Bild. Gewohnt, weil so der Alltag vieler Friseure aussieht, ungewohnt, weil bis zum gestrigen Stichtag die Türen der Salons seit Mitte Dezember geschlossen bleiben mussten.

Von morgens neun Uhr bis abends 20 Uhr standen die Friseure im Salon Konrad in Lennep hinter den Stühlen. „Es ist sehr aufregend, für meine Mitarbeiter und die Kunden nach zehn Wochen“, erklärte Inhaberin Cornelia Aust, die mit ihrer Schwester Kerstin Ulbrich das Geschäft führt.

Viel Mütze getragen: Der Winter rettete Martina Schäfer

Martina Schäfer hatte einen der etwa 70 Termine am Wiedereröffnungstag ergattern können. Eine Freundin hatte vor zwei Wochen erfolgreich einen Termin für sie mit ausmachen können. Denn ein Schnitt für ihre Kurzhaarfrisur sei dringend nötig gewesen. „Der Winter hat mich gerettet, ich bin viel mit Mütze herumgelaufen“, berichtete Martina Schäfer. Selbst Hand anzulegen habe sie sich aber nicht getraut.

Anders Michael Dabek, der zumindest seine Frau an seine Haare ließ. „Das ging in die Hose. Ich habe aber darüber gelacht, das wächst ja wieder“, gesteht er. Ihn persönlich habe die lange Mähne im Lockdown nicht gestört, zum Profi wollte er aber aus pragmatischen, beruflichen Gründen gehen. „Im Kundenkontakt ist der erste Eindruck entscheidend“, erklärte der Einrichtungsberater.

Auch Kaufmann Andreas Jurek, Kunde von Michaela Linden, wolle sich „wohlfühlen, wenn er beruflich tätig ist“. Im Hair Design Lookout Michaela Linden ließen die Kunden im Halbstundentakt Haare. Als „sehr dringend“ beschrieb Mitarbeiterin Bianka Gaglione den Schnitt bei allen Kunden.

Kundin Renate Richter hatte einen Termin für den 15. Februar ausgemacht – vorsorglich, falls die Friseure hätten öffnen dürfen. Nun, zwei Wochen später, freute sie sich sichtlich über ihre Kopfmassage. Sich selbst die Haare zu färben, davor hatte sie keine Scheu. „Michaela Linden hat mir meine Farbe vor die Tür gestellt mit Schälchen und Pinsel“, berichtete sie. Weil das so gut geklappt hätte – mit der Hilfe ihres Mannes –, sei auch ihre Schwester auf den Geschmack gekommen. Dennoch: Zum Färben gehe sie lieber zum Profi.

Bedenken, sich trotz der Hygienemaßnahmen mit dem Coronavirus zu infizieren, hatte keiner der Kunden, „wenn sich alle an die Reglen halten“, wie Martina Schäfer schloss. Aber nicht nur über die Kunden freute sich Inhaberin Michaela Linden. Auch, dass sie wieder mit dem Team zusammenarbeite könne, machte sie froh: „Es ist eine andere Atmosphäre.“

Einzelhandel braucht Planungssicherheit

Während sich die Friseure über die Öffnung ihrer Salons freuen, blicken die Einzelhändler weiter voller Hoffnung auf die nächste Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch. „Wir brauchen eine klare Regelung und eine klare Ansage, um Planungssicherheit haben zu können“, sagt Bärbel Beck, Geschäftsführerin des Modehauses Johann. Jeden Tag käme neue Ware für den Sommer rein, Einkauf und Planung laufen bereits für die nächste Herbstsaison. Nichts sei schlimmer, als dabei keine Richtung zu haben.

Deswegen wünscht sich Beck von der Politik Strategien, wie eine selektierte Öffnung mit Kundenterminen und zeitlicher Limitierung aussehen könnte. „Die Innenstädte werden sonst aussterben, die Stadt braucht aktive Händler.“

Auch Kosmetikstudios haben noch geschlossen. Wie der von Andrea Zils.

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