Coronavirus

Impfzentrum schließt, Halle West wird saniert

An Spitzentagen erhielten im Impfzentrum in der Halle West täglich 1000 Impfwillige ihre Spritze, momentan sind es noch um die 200. Foto: Roland Keusch
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An Spitzentagen erhielten im Impfzentrum in der Halle West täglich 1000 Impfwillige ihre Spritze, momentan sind es noch um die 200.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Stadt setzt Beschluss des Landes NRW zum 30. September um – Sportler können jedoch noch nicht zurückkehren.

Remscheid. Am 30. September wird das Impfzentrum in der Sporthalle West schließen. In den letzten Wochen hat die Bereitschaft im noch nicht geimpften Teil der Bevölkerung so stark nachgelassen, dass der Betrieb nach 285 Tagen Öffnung überflüssig wird. Aufatmen können die Sportler dennoch nicht. Die durch den Vereins- und Schulsport stark frequentierte Halle wird bis Mitte 2022 saniert. Das Sportamt ist deshalb auf der Suche nach Ersatzlösungen und wird sich mit den Sportvereinen am 23. September darüber austauschen.

Am 15. Dezember 2020 war das Impfzentrum einsatzbereit, am Nachmittag des 8. Februar dieses Jahres wurden die ersten Spritzen gesetzt. 84 589 Erst- und Zweitimpfungen (Stand: 1. September) wurden dort mit Biontech, Johnson/Johnson, Moderna und AstraZeneca verabreicht, in der Spitze an sieben Tagen die Woche, bis 22 Uhr abends. Jetzt, wo 62 693 Remscheider Vollschutz besitzen, pegeln sich die Besucherzahlen des Impfzentrums auf niedrigem Niveau ein bei um die 200 am Tag. Nur noch zwei Impfstraßen sind deshalb von 14 bis 19 Uhr auf, eine Anmeldung ist nicht mehr erforderlich. Hauptsächlich bei den niedergelassenen Ärzten wird die Schutzkampagne im Herbst fortgesetzt. Aber auch neue Strukturen sollen entstehen, bei denen die Mobilität eine große Rolle spielen wird.

Das Land NRW, das alle stationären Zentren Ende des Monats dichtmacht, sieht dabei die Kommunen weiter in der Pflicht. Wie deren Part genau aussehen wird, ist noch nicht in Düsseldorf entschieden. Dennoch ist die Stadt bereits aktiv. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Konzeption für die Zeit danach“, erklärt Remscheids Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus.

Drittimpfungen werden in den Senioreneinrichtungen in Remscheid starten

Fest steht, dass nach dem Abbau der fünf Impfstraßen in Reinshagen die Koordinationsleitung von Feuerwehr und Kassenärztlicher Vereinigung an das Gesundheitsamt übergehen wird. Wenn die Drittimpfungen kommen, werden sie in den Senioreneinrichtungen losgehen. Die müssen aber nun ihre Impftermine selbst in die Hand nehmen. Auch Jugendliche ab 12 Jahren erhalten mittlerweile ihr Vakzin. Bis zur Schließung am 30. September möchte Neuhaus so viele junge Remscheider wie möglich nach Reinshagen bringen. „Der Standort ist zentral und für Eltern und deren Kinder zumutbar“, erklärt Neuhaus.

Über die Schulen soll dafür geworben werden. Die Stadt verzichtet darauf, zu den Schulen mit mobilen Impfzentren zu gehen, hat stattdessen ein Schreiben in mehreren Sprachen verfasst und mit der Unterstützung der Stadtschulpflegschaft vorbereitet. Der Appell wird über Schulleitungen an die Schüler und deren Eltern verteilt, sich nach Reinshagen zu begeben. Thomas Neuhaus hofft, dass auch eine Freigabe für Unter-Zwölfjährige und Lockerungen durch die 3G- oder 2G-Regeln die Impfbereitschaft ankurbelt.

„Das Thema Impfen wird uns noch viele Jahre beschäftigen.“

Thomas Neuhaus, Krisenstab

Ein Ende von Corona sei freilich nicht in Sicht. „Das Thema Impfen wird uns noch viele Jahre beschäftigen“, meint Neuhaus. Die Materialien, die für das Impfzentrum benötigt werden, lagern die Verantwortlichen ein. Das Zentrum könnte wieder aufgebaut werden – falls es benötigt würde. Remscheid ruft für die Kontaktnachverfolgung die Soldaten zurück. Mehr dazu lesen Sie in unserem Corona-Live-Blog.

Die Sportvereine müssen sich weiter gedulden. Denn danach bleibt die Halle gesperrt. Nahtlos schließt sich eine Generalinstandsetzung an. Die Elektrik wird komplett erneuert, die Duschen saniert, das Dach aufgebessert und der Brandschutz nachgearbeitet. Der Zeitrahmen beträgt neun Monate. Der städtische Gebäudemanager Thomas Judt geht davon aus, dass die Halle im Sommer 2022 wieder zur Verfügung stehen wird. Fast vier Millionen Euro steckt die Stadt in die Ertüchtigung. Die ist dringend nötig. „Denn die Halle ist momentan nicht verkehrssicher“, erklärt Judt. Für das Impfzentrum darf sie nur deshalb aufbleiben, weil die Feuerwehr ständig präsent und nachts ein Sicherheitsdienst vor Ort ist. |Standpunkt

Coronafälle in den Schulen

Weitere Corona-Infektionen und dadurch Quarantänen gibt es in folgenden Remscheider Schulen: Albert-Schweitzer-Realschule (8c), Nelson-Mandela-Schule (8b), Röntgengymnasium (8a und EF), Albert-Einstein-Gesamtschule (8c), Alexander-von-Humboldt-Realschule (7c) und Grundschule Reinshagen (2b). In der Kindertagesstätte Paulstraße ist die Gruppe Pusteblume von Quarantänemaßnahmen betroffen. Außerdem stehen 1074 Remscheiderinnen und Remscheider als Verdachtsfälle aktuell unter Quarantäne.

Standpunkt: Sich überflüssig gemacht

andreas.weber@rga.de

Kommentar von Andreas Weber

Über fast sieben Monate war das Impfzentrum hiesiger Dreh- und Angelpunkt in der Pandemiebekämpfung. Fast 85 000 Impfungen wurden verabreicht. Je mehr Remscheider ihren Vollschutz erhielten, desto weniger gefragt war es. Und das ist gut so. Schließlich musste es das Ziel sein, dass sich das vorbildlich organisierte Impfzentrum in der Halle West überflüssig macht. Dieser Zeitpunkt ist jetzt erreicht. Der Run auf die begehrten Vakzine, die anfangs Mangelware waren, ist längst vorbei. Andere Strategien sind gefragt, um den zögerlichen Rest der Bevölkerung zu piksen. Mobile Teams gehen auf die Menschen zu. Anfangs gab es lange Wartezeiten für einen Termin, heute wird mühselige Überzeugungsarbeit auf der Allee oder vor einem türkischen Supermarkt geleistet. Die Feuerwehr wird ab Oktober raus aus der Koordination sein. Sie wird nicht unglücklich sein, sich wieder ihren eigentlichen Aufgaben zu widmen. Denn das Impfzentrum kam für die Kameraden ohne Personalaufstockung zu ihrem Alltag obendrauf. Das Hochwasser hat gezeigt, dass die Feuerwehr eigentlich an anderen Brennpunkten ihren Platz hat.

Im Impfzentrum in Remscheid gab es eine Verwechslung: Ärzte spritzten den falschen Impfstoff.

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