Pandemie

Impftermine: Annabelle Hoppe tauscht Museum gegen Feuerwehr

Annabelle Hoppe schiebt aktuell Telefondienst bei der Feuerwehr. Michael Hill, Abteilungsleiter Rettungsdienst, ist dankbar für die Hilfe. Foto: Doro Siewert
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Annabelle Hoppe schiebt aktuell Telefondienst bei der Feuerwehr. Michael Hill, Abteilungsleiter Rettungsdienst, ist dankbar für die Hilfe.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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29-jährige Museumsmitarbeiterin verwaltet derzeit die Impfterminverlegung – Freiwillig in der Pandemie gemeldet.

Remscheid. Das rhythmische Schnauben der riesigen Dampfmaschine hat Annabelle Hoppe eingetauscht gegen Martinshorn und Telefonklingeln: Die 29-jährige Mitarbeiterin des Deutschen Werkzeugmuseums hilft aktuell bei der Feuerwehr aus. Dort koordiniert sie die Impfterminverlegung. Auch im Remscheider Impfzentrum schiebt sie freiwillige Dienste.

„Letztes Jahr schon habe ich mich so hilflos und ausgeliefert gefühlt in der Pandemie. Ich hatte ein richtig schlechtes Gewissen“, betont Annabelle Hoppe. Sie wollte helfen, wusste aber nicht so recht, wo und wie. Die verwaltungsinterne Rundfrage im November, mit der freiwillige städtische Helfer im Kampf gegen das Coronavirus gesucht wurden, kam da gerade richtig. Annabelle Hoppe fragte ihren Fachdienstleiter, Dr. Andreas Wallbrecht, Direktor des Deutschen Werkzeugmuseums – er gab grünes Licht. „Natürlich wird sie hier im Haus schmerzlich vermisst“, gibt er zu, zumal er eigentlich gemeinsam mit Annabelle Hoppe die neue Museums-Internetseite vorantreiben wollte. „Aber da gibt es kein Vertun: Man unterstützt sich gegenseitig, und diese Aufgabe ist aktuell wichtig.“

Die 29-Jährige ist nicht die einzige Museumsmitarbeiterin, die an anderer Stelle eingesetzt wurde: Volontärin Annette Babetzki half bereits im Gesundheitsamt aus. Die Aufgaben im Museum wurden dann anders verteilt, sagt Dr. Wallbrecht. Auch wenn das Museum in Hasten trotz Lockdowns gut zu tun hat. Denn die Arbeit geht hinter verschlossenen Türen weiter.

„Sie schenken mir die Freiheit.“

Aussage eines 80-jährigen Impflings zu Annabelle Hoppe

Den Notruf der Feuerwehr, Annabelle Hoppe für die Impfterminkoordinierung „ausleihen“ zu dürfen, nahm Dr. Andreas Wallbrecht selbstverständlich auf. Eigentlich war erst mal nur eine Woche geplant, nun sind es schon drei. Der Museumsleiter ist jedoch überzeugt, dass seine Mitarbeiterin auch den „Aushilfsjob“ am Feuerwehr-Telefon gewissenhaft erledigt: „Annabelle Hoppe hat den richtigen Umgangston. Bis da jemand nölig wird, das dauert schon“, sagt der Museumsdirektor lachend.

Recht hat er: Acht Stunden Freundlichkeit erschallen momentan täglich aus dem Container auf dem Feuerwehr-Gelände Auf dem Knapp. Annabelle Hoppe teilt sich das Büro mit Denise Hofmann, ebenfalls eine freiwillige Helferin. Sie arbeitet sonst im Büro des Oberbürgermeisters. Die dritte Frau im Bunde ist Karin Ittermann aus dem Sportamt. Gemeinsam verwalten und koordinieren sie die Impfterminverschiebung. „Aus eigener Kraft hätten wir das niemals schaffen können“, bekennt Michael Hill, Abteilungsleiter Rettungsdienst bei der Feuerwehr, der dankbar ist über sein neues Administratorinnenteam. „Ich würde sie gerne behalten.“

Denn nach dem Erlass der Bundesregierung, Astrazeneca nicht mehr an Personen unter 60 verimpfen zu dürfen und die Zweitimpfung von neun auf zwölf Wochen nach hinten zu verschieben, begann die Sisyphusarbeit bei der Feuerwehr, die für die Koordination des Impfzentrums zuständig ist. 1400 Personen mussten benachrichtigt, alle Daten ins System eingepflegt, neue Impftermine mit dem Vakzin Biontech vereinbart werden. Neben den anderen Aufgaben in der Pandemiebekämpfung.

„Wir hatten größte Sorge, dass wir nicht alle erwischen. Es hat sehr viel Arbeit und Kraft gekostet, aber wir sind nun gut im Rennen“, sagt Michael Hill. Hinzu kommen alle anderen Anfragen rund um den Impftermin. Der Klassiker sei derzeit: „Ich bin zum zweiten Impftermin verhindert, kann ich einen neuen ausmachen?“ Dies sei mit viel Arbeit verbunden. Genauso wie die wöchentlichen Änderungen der Erlasse.

Jetzt geht es darum, die Impflinge zu informieren, deren Impfstoff sich bei der Zweitimpfung ändert. Die Administratorinnen bemühen sich, durch geschickte Terminverteilung eine optimale Auslastung der Impfstraßen zu erreichen. „Wir versuchen, eine volle Auslastung der fünf Impfstraßen hinzubekommen“, erklärt Hill. „Die allermeisten sind froh, dass sie für die Zweitimpfung nun Biontech erhalten, einige möchten aber auch bei Astrazeneca bleiben“, berichtet Annabelle Hoppe aus den Gesprächen. Bei medizinischen Fragen verweist das Telefon-Team an den Hausarzt.

Oft sind die Frauen aber auch einfach nur freundliche Zuhörerinnen. „Die meisten sind einfach dankbar für ihre Impfung“, erzählt Hoppe. Vor allem von vielen älteren Remscheidern gebe es schon mal ein herzliches Dankeschön – oder „haufenweise Schokolade“. Eine Situation ist Annabelle Hoppe im Gedächtnis geblieben. „Im Impfzentrum hat mir ein über 80-Jähriger mit Tränen in den Augen gesagt: ,Sie schenken mir die Freiheit‘“, erzählt die 29-Jährige, die dort den Wartebereich koordiniert, Impflinge den Impfstraßen zuweist und prüft, ob alle Formulare richtig ausgefüllt wurden. In dem Moment wusste sie, dass sie dort genau richtig ist.

Freiwillige Helfer

Auf den internen Aufruf Mitte Dezember 2020 haben sich über 100 Freiwillige aus der städtischen Belegschaft gemeldet und ihre Unterstützung im Impfzentrum in Reinshagen angeboten, erklärt Stadtsprecherin Viola Juric. Die Helferinnen und Helfer sind seit Inbetriebnahme des Remscheider Impfzentrums regelmäßig im Einsatz – auch an Wochenenden und Feiertagen.

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