Coronavirus

Impfstart mit gezogener Handbremse

Das Impfzentrum kommt vorläufig nicht zum Einsatz. Die ersten Dosen der Firma Biontech werden allein in den Heimen verimpft. Foto: Michael Schütz
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Das Impfzentrum kommt vorläufig nicht zum Einsatz. Die ersten Dosen der Firma Biontech werden allein in den Heimen verimpft.
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Bis Ende Januar können gerade einmal 2080  Remscheider das Serum erhalten.

Von Axel Richter

Remscheid. Die Deutschen und die Europäer impfen nicht nur später als andere; sie haben auch zu wenig Impfstoff gesichert. Das bekommen nun auch die Remscheider zu spüren, denn der für den 27. Dezember mit Freude erwartete Impfstart erfolgt eher mit angezogener Handbremse.

Gerade einmal 180 Dosen werden die Stadt am ersten Weihnachtsfeiertag erreichen. Am 28. und 30. Dezember sollen jeweils 430 weitere Dosen folgen und am nächsten Tag verimpft werden. Danach ist dann erst mal Pause. Bis zum 17. Januar. Dann folgt die erste Charge der zweiten Lieferung. Erneut sollen zunächst 180 Dosen und am 19. und 21. Januar jeweils 430 Dosen geliefert werden.  Zur gleichen Zeit wird die gleiche Menge außerhalb Remscheids eingelagert, denn der Impfstoff muss nach drei Wochen erneut verabreicht werden.

„Natürlich hätten wir uns über eine rasche Lieferung vieler Dosen gefreut.“
Thomas Neuhaus, Krisenstab

Bis Ende Januar können mithin 2080 Remscheiderinnen und Remscheider mit dem Impfstoff der Hersteller Biontech und Pfizer immunisiert werden. Es sind die ersten von 7944 Menschen über 80 Jahren, die vor allen anderen gegen Sars-CoV-2 immunisiert werden sollen.

Bei den 2080 Remscheidern handelt es sich um Bewohnerinnen und Bewohner in den Alten- und Pflegeeinrichtungen. Sie werden von Impfteams aufgesucht, die das Serum bei sich führen. Das am 15. Dezember fertiggestellte Impfzentrum kommt damit bis Ende Januar gar nicht zum Einsatz. Das, erklärt der Krisenstab, werde erst dann der Fall sein, wenn weitere Impfdosen in Remscheid eintreffen.

„Ich war auch zunächst ernüchtert“, erklärte Thomas Neuhaus (Grüne), Gesundheitsdezernent und Chef des Krisenstabes, im Gespräch mit dem RGA. „Natürlich hätten wir uns über eine rasche Lieferung möglichst vieler Dosen gefreut.“ Nun freue er sich darüber, dass es überhaupt losgeht.

Remscheid habe seine Hausaufgaben gemacht, betont Neuhaus zugleich. Auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern, die die Arbeit im Impfzentrum unterstützen, meldeten sich 60 Freiwillige in der Verwaltung. „Das zeigt, dass die Menschen hier im Kampf gegen die Pandemie weiterhin hoch motiviert sind.“

Unterdessen vermeldete die Stadt am Dienstag drei weitere Todesopfer. Zwei Remscheiderinnen im Alter von 95 und 97 Jahren sowie ein 88-jähriger Remscheider sind mit einer Coronainfektion verstorben. Die Zahl der Covid-Toten stieg damit auf 78. Von den 26 Covid-Patienten, die sich im Krankenhaus befinden, liegen sieben auf der Intensivstation. Drei müssen beatmet werden.

Die Stadt Remscheid will öffentlich alle Zielgruppen, die im Impfzentrum geimpft werden sollen, darüber informieren, wann sie an der Reihe sind. Angesichts der geringen Zahl von Dosen, die in der ersten Auslieferungswelle Remscheid erreichen, dürfte es allerdings so sein, dass, wie prognostiziert, die meisten Remscheider erst im Verlauf des Sommers bei ihrem Hausarzt geimpft werden können.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Impfbetrüger

Polizei und Corona-Krisenstab warnen vor Impfstoffbetrügern. Anrufer melden sich bei älteren Menschen und verlangen mehrere Tausend Euro pro Dosis. Die Stadt Remscheid weist darauf hin, dass die Impfung gegen das Coronavirus kostenfrei sein wird.

Standpunkt

axel.richter@rga-online.de

Ein Kommentar von Axel Richter

Es ist der Anfang vom Ende der Pandemie. Doch die Freude über den Impfbeginn am Sonntag erhält einen satten Dämpfer. So wenig Impfstoff steht in der ersten Auslieferungswelle zur Verfügung, dass das NRW-Gesundheitsministerium entschieden hat, allen Kreisen und kreisfreien Städten unabhängig von der jeweiligen Bevölkerungszahl für den 27. Dezember genau 180 Impfdosen zuzuweisen. Die danach folgenden Liefermengen werden anhand des Bevölkerungsschlüssels der Personen ab 80 Jahren verteilt. 

Für Remscheid, aber auch für andere Städte und Kreise heißt das, dass sie noch lange auf eine Immunisierung nennenswerter Teile der Bevölkerung warten müssen. Briten, Amerikaner und Kanadier haben nämlich nicht nur früher mit dem Impfen begonnen; sie haben auch vorausschauender eingekauft. Das ist umso ärgerlicher, als dass seitens der Wissenschaft alles getan wurde, um den Prozess zu beschleunigen. Zur Erinnerung: Ursprünglich sollte in Remscheid erst am 15. Januar mit dem Impfen begonnen werden. Jetzt können die Ärzte früher beginnen, doch fehlt ihnen der Impfstoff. Es ist nicht zu fassen.

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