Bäder

Im H2O geht es hinter den Kulissen weiter

Die Duschen müssen alle 48 Stunden eingeschaltet werden, um Keimbildung zu verhindern, erklärt Betriebsleiter Christian Liese. Foto: Roland Keusch
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Die Duschen müssen alle 48 Stunden eingeschaltet werden, um Keimbildung zu verhindern, erklärt Betriebsleiter Christian Liese.

Betriebsleiter Christian Liese über Vorbereitungen, mögliche Öffnungen und den gegenwärtigen Betrieb

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Der Badebetrieb im Remscheider H2O und im Sportbad am Park steht seit Monaten still. Doch hinter den Kulissen ist einiges an Arbeit nötig, um die Zeit bis zur Öffnung zu überbrücken. Vorweg – wann die Bäder ihre Pforten wieder öffnen dürfen, ist noch unklar, berichtet Betriebsleiter Christian Liese. Erst, wenn sicher sei, dass und wann die Bäder wieder öffnen dürfen, könne das Team mit den Vorbereitungen beginnen.

„Das Wiederhochfahren der Anlagen ist sehr komplex. Wir brauchen mindestens vier Wochen Anlaufzeit“, berichtet Liese. Beginnen müssten die Planungen mit der Frage, wie viele Mitarbeiter benötigt würden, wo sie eingesetzt werden und wie der Dienstplan aussehen kann. Denn 90 Prozent der Mitarbeiter befinden sich zurzeit in Kurzarbeit.

„Dann müssen wir unsere Partner informieren“ – Pächter der Gastronomie, Lieferanten von Aufgussmitteln und Chemikalien für die Wasseraufbereitung, Schulen und Vereine. Viele Gespräche seien zu führen, darüber, wie Vereinssport aussehen könne oder in welchem Rhythmus die Gruppen das Sportbad besuchen dürften.

„Seit Monaten sind wir in einem Schwebezustand.“

Christian Liese, Betriebsleiter

Nachdem die Becken gereinigt und wieder gefüllt sind, müssen Wasserproben dem Labor zugeschickt werden, das etwa zehn Tage für die Auswertung braucht. „Wir müssen uns mit dem Gesundheitsamt abstimmen und gegebenenfalls nachjustieren. Wir bekommen erst die Freigabe, wenn das Wasser unbedenklich ist.“ Das alles brauche seine Zeit.

Zusätzlich müsse ein Hygienekonzept erarbeitet beziehungsweise das vom letzten Jahr gegebenenfalls modifiziert werden. „Bäder haben per se erhöhte Anforderungen an den Infektionsschutz. Jetzt sind wir noch stärker sensibilisiert“, sagt Christian Liese. Das Infektionsrisiko halte er in Bädern deshalb für sehr gering: „Viele Branchen haben gezeigt, dass die Schutzkonzepte greifen.“ Deswegen würde er sich die Erlaubnis zur Öffnung zeitnah wünschen. Je früher, desto besser, denn er werde beinahe täglich gefragt, wann es wieder losgehe. „Seit Monaten sind wir in einem Schwebezustand, der unzufrieden macht.“

Wie etwaige Auflagen beispielsweise mit vorherigem Schnell- oder Selbsttest aussehen könnten, kann er sich allerdings noch nicht vorstellen: „Da gibt es sehr viele Fragen, die ich spontan hätte: Wer macht den Test? Wie alt ist er? Der Nachweis ist nur eine Momentaufnahme. Da fehlt mir der rote Faden“, erklärt der Betriebsleiter.

Trotz Lockdowns steht der Betrieb hinter den Kulissen des H2O und des Sportbads aber nicht still. „Wir haben unsere Wasseraufbereitungsanlagen heruntergefahren, die brauchen sehr viel Energie. Wir müssen allerdings darauf achten, dass das Trinkwassernetz in Bewegung bleibt“, so Liese. Alle 48 Stunden müssten sämtliche Duschen, Waschbecken und andere Trinkwasseranlagen gespült werden, damit sich keine Keime bildeten.

Auch die Ausbildung der Azubis zu Fachangestellten für Bäderbetriebe laufe weiter. Zwar falle die Wasseraufsicht weg – der Kontakt mit Badegästen mache einen Großteil der Ausbildung aus – den Umgang mit Gefahrstoffen, Reinigungskonzentraten und entsprechender Schutzausrüstung müsse dennoch erlernt werden. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, erklärt der Badleiter. Erste-Hilfe-Übungen an Puppen und Technikführungen können dafür nun in Ruhe stattfinden.

Wenn das Signal zur Öffnung einmal kommen sollte, wünscht Christian Liese sich Verständnis dafür, dass es dauert, bis der Betrieb wieder hochgefahren ist. „Der Stillstand ist ein Novum, da gibt es viele Unwägbarkeiten.“

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Hintergrund

Der Freizeit- und Amateursport auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Fitnessstudios, Schwimmbädern und ähnlichen Einrichtungen ist unzulässig, heißt es in der aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW. Ausgenommen ist auf Sportanlagen unter freiem Himmel der Sport beispielsweise von Gruppen von höchstens 20 Kindern bis zum Alter von einschließlich 14 Jahren. Zur Verordnung.

Standpunkt

alexandra.dulinski@rga.de

Ein Kommentar von Alexandra Dulinski

Dass die Sportstätten nun schon seit Monaten geschlossen bleiben müssen, ist unverständlich. Sport und ausreichende Bewegung sind wichtig für die Menschen, gerade in einer Zeit, in der viel im Homeoffice gearbeitet wird und oft selbst der Weg zur Arbeit ausfällt. Alternative Freizeitbeschäftigungen finden ebenfalls nicht statt, das Wetter war in den letzten Monaten wenig einladend, Sport im Freien zu treiben. Dass es noch immer keine Öffnungsstrategie für Schwimmbäder gibt, ist daher sehr schade. Denn viel Kontakt zu anderen Schwimmern gibt es beim Bahnenziehen nicht. In einem Freizeitbad wie dem H2O, in dem sich Kinder auf den Rutschen tummeln, mag das anders aussehen. Aber auch hier hat das letzte Jahr gezeigt, dass die Hygienekonzepte greifen. Denn ein weiterer Punkt muss beachtet werden: Die Betriebskosten laufen weiter. Eine langfristige Öffnungsstrategie muss her, denn die Betreiber der Bäder müssen planen können. Vier Wochen Vorlaufzeit sind vier Wochen, in denen wieder kein Geld verdient wird und Kinder und Schwimmer noch länger zu Hause ausharren müssen.

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