Jede Menge Ruhe zum Arbeiten

Im Dorint werden Hotelzimmer zu Büros auf Zeit

Marco Klij zeigt, wie es geht: Im Remscheider Dorint werden die Hotelzimmer zu Büros auf Zeit. Foto: Roland Keusch
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Marco Klij zeigt, wie es geht: Im Remscheider Dorint werden die Hotelzimmer zu Büros auf Zeit.

Hotelzimmer statt Homeoffice im Dorint am Jägerwald.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Hotelzimmer statt Homeoffice – mit diesem Angebot versucht das Dorint-Hotel am Jägerwald, dem Einbruch bei den Übernachtungszahlen zu begegnen. Direktor Marco Klij und sein Team vermieten ihre Zimmer nun auch tagsüber. Für 59 Euro gibt es Kaffee, Obst und ein Mittagessen, vor allem aber jede Menge Ruhe und eine stabile Internetverbindung.

„Sechs Stunden Arbeit hier im Hotelzimmer sind wahrscheinlich effektiver als zwei oder drei Tage zuhause“, wirbt der Hoteldirektor. Nach jeder Ablenkung brauche man rund zehn Minuten, um sich wieder in die Arbeit reinzudenken. „Und genau diese Ablenkungen gibt es hier nicht.“ Gedacht sei das Angebot nicht zuletzt für Eltern, deren Kinder zuhause sind: „Das verstehen die Kleinen doch auch nicht, dass Papi zwar da ist, aber trotzdem auch wieder nicht“, sagt Marco Klij, selbst Vater von vier Kindern. Auch wem daheim die Räumlichkeiten fehlen, sei willkommen.

„Für den Infektionsschutz ist das sicherlich auch besser als zuhause.“

Hoteldirektor Marco Klij

Die meisten Nutzer kämen derzeit aus Remscheid und der näheren Umgebung, berichtet Klij. Viele würden sich einmal pro Woche einen Arbeitstag im Hotel „gönnen“, sagt er. Manche auch alle zwei Wochen. „Um besonders große Arbeitspakete abzuarbeiten.“ Andere hätten offensichtlich das Bedürfnis, mal „aus den eigenen vier Wänden rauszukommen“.

Remscheid: Homeoffice-Angebot kann Loch nicht schließen

Hinzu komme der eine oder andere Außendienstler. Viele Vertriebler zum Beispiel haben ihren wöchentlichen Büro-Tag bisher mangels Arbeitszimmers in Coworking-Spaces erledigt. „Die sind aber fast alle geschlossen“, sagt Marco Klij. So dass einige Nutzer nun ins Hotel ausweichen. „Für den Infektionsschutz ist das sicherlich auch besser als zuhause.“

Das Loch, das Corona in die Kasse reißt, könne das Homeoffice-Angebot aber nicht annähernd schließen, macht Marco Klij deutlich. Die Auslastung der Zimmer sei auf etwa 15 Prozent gefallen, ein Großteil der 34 Mitarbeiter befinde sich in Kurzarbeit. „Das ist vor allem die Message von Dorint, dass wir auch in der Krise weiterhin für unsere Gäste da sind.“ Zudem brauche man Aufgaben für die derzeit vier Auszubildenden, sagt der Direktor. Denn deren Lehre solle auf keinen Fall unter der aktuellen Situation leiden.

In normalen Zeiten hätten die Auszubildenden und ihre Kollegen im Dorint gut zu tun. 116 Zimmer hat das Hotel, an guten Tagen kämen noch einmal 50 bis 70 Tagungsgäste hinzu. „Auf diesen Tagungsbereich sind wir spezialisiert“, sagt Klijt. So stelle man zum Beispiel in den Pausen Joghurt mit Honig, Nüsse und Smoothies zur Verfügung – alles Nahrungsmittel, die das Gehirn bei der Aufnahme von Informationen unterstützen sollen.

Während das Tagungsgeschäft derzeit ganz darnieder liegt, laufen die Übernachtungen auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau. „Wir haben zurzeit vor allem Monteure zu Gast“, sagt Marco Klij. Geschäftsreisende, die sonst regelmäßig in der Industriestadt Remscheid zu Besuch sind, blieben hingegen seit bald einem Jahr aus: „Der Corporate-Markt ist komplett leer.“

Doch für die Zukunft sieht der Direktor keineswegs schwarz. Nach der Pandemie würden viele erst mit digitalen Formaten weitermachen, vermutet er: „Damit hat man ja Kosten gespart.“ Doch bald darauf werde man festellen, dass die Mitarbeiter das nicht wollen. Und es solchen Veranstaltungen an Effizienz fehle.

Auch um die großen Messen, traditionell Garant für viele Hotel-Übernachtungen in der Region, macht sich Klij keine Sorgen: „Viele Unternehmen haben Corona genutzt, um Innovationen zu schaffen.“ Die müsse man nun den Kunden näher bringen. „Gerade bei Produkten mit hohem Qualitätsstandard wie Remscheider Werkzeuge ist es ja wichtig, sie auch haptisch zu erfassen.“ Und das sei auch in Zukunft nur vor Ort möglich. „Wir sind halt soziale Wesen“, sagt Marco Klij. „Und persönlicher Kontakt schafft immer auch Vertrauen.“

Hintergrund

Übernachtungsbetriebe gehören sicherlich zu den Branchen, die besonders stark unter Corona leiden. Wie sich das in Remscheid 2020 ausgewirkt hat, hat IT.NRW berechnet. Danach sank die Auslastung der Betten in Hotels mit zehn oder mehr Betten von über 30 Prozent im Jahr 2019 auf nur noch 17,2 Prozent.

Für welchen Zeitraum gilt die neue Homeoffice-Pauschale von maximal 600 Euro im Jahr? Und was müssen Betroffene bei der Steuererklärung berücksichtigen? 

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