Veterinäre warnen

Illegaler Tierhandel: Amt verzeichnet mehr Anzeigen

Baby-Boom im Tierheim für Remscheid und Radevormwald: Bettina Zeibig und Dustin Strechow zeigen Raquel und Gabriel, zwei der vielen Katzenbabys. Das Tierheim vermittelt seriös. Foto: Roland Keusch
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Baby-Boom im Tierheim für Remscheid und Radevormwald: Bettina Zeibig und Dustin Strechow zeigen Raquel und Gabriel, zwei der vielen Katzenbabys. Das Tierheim vermittelt seriös.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Ein verlässlicher Ansprechpartner ist das Remscheider Tierheim.

Remscheid. Niedliche Französische-Bulldoggen-Welpen gucken frech und mit großen Ohren in die Kamera. Auf den Fotos der Internet-Anzeige macht alles einen ordentlichen Eindruck. Zum vereinbarten Kauftermin rückt die ganze Familie zur genannten Adresse an. Doch statt einem liebevoll eingerichteten Wohnhaus zeigt das Navi einen Parkplatz an – im Kofferraum eines Transporters sitzen viel zu viele krank aussehende Welpen zusammengepfercht in einer Transportbox. Französische-Bulldoggen-Welpen sind übrigens keine dabei.

Vor solchen dubiosen Kofferraum- und Internetverkäufen warnen das Bergische Veterinäramt und das Tierheim für Remscheid und Radevormwald. Denn gerade in Coronazeiten mit Homeoffice und Kurzarbeit sind viele Familien aufs Tier gekommen. Vor allem Hundewelpen sind gefragt. In Remscheid wurden dieses Jahr bislang 6982 Hunde gemeldet – bislang sind das bereits 80 mehr als 2020. In Solingen ist der Anstieg größer: Dort wurden bislang 10 445 Hunde 2021 gemeldet, das sind bereits 415 mehr als 2020.

Das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt (BVLA) mit Sitz in Solingen bestätigt auf RGA-Nachfrage, dass die Zahl von Anzeigen mit Verdacht auf illegalen Hundehandel/Zucht in der letzten Zeit im Städtedreieck deutlich zugenommen hat, was erheblich Personal binde. Gibt es gar Anzeichen für eine „Hunde-Mafia“ im Bergischen? „Inwieweit ,mafiöse‘ Strukturen bei dem Hundehandel vorkommen, ist vonseiten des BVLA nicht beurteilbar. Es ist aber festzustellen, dass es Familienverbunde gibt, die gezielt Hunde aus ihren ausländischen Herkunftsregionen verbringen“, teilen die Veterinäre mit. Meistens stammten die Tiere aus dem EU-Ausland, aus Bulgarien und Rumänien. Aber auch aus anderen EU-Ländern und Drittländern – hier aus der russischen Föderation oder aus Serbien.

Das Veterinäramt verzeichnet vermehrt Anzeigen zur Welpenvermehrung – wobei die Welpen sowohl aus Deutschland als auch aus dem Ausland von unseriösen sogenannten „Vermehrern“ stammen können. Das BVLA stellt zudem eine Steigerung der Anzeigen und Vorgänge bezüglich Tieren fest, die illegal aus dem Ausland nach Deutschland gebracht werden. 2021 sind es (Stand 18. Mai) 19 Vorgänge, 2020 waren es 22.

„Sobald ein neues Tier auf unserer Seite erscheint, bekommen wir zig E-Mails.“

Andrea Reitzig, Tierheim-Leiterin

Tipps vom Veterinäramt: „Wer sich einen Hund anschaffen möchte, sollte auf keinen Fall Welpen aus irgendwelchen merkwürdigen Verbindungen oder auf Parkplätzen kaufen“, sagt Sabine Rische, Sprecherin der Stadt Solingen, stellvertretend für das BVLA. Wer Zeuge einer solchen Situation werde, sollte dies dem Veterinäramt melden. Generell sollte nicht über „Tierbörsen“ oder „Internetforen“ gekauft werden, sagt das BVLA. Worauf sollten neue Besitzer also achten? Wenn Hunde von Züchtern oder privat erworben werden, sollten die Elterntiere – insbesondere das Muttertier – und Geschwister vor Ort sein und besichtigt werden können. Die Hunde sollten mittels Transponderchip gekennzeichnet und geimpft sein und über einen deutschen EU-Heimtierausweis verfügen. Es sollte ein Kaufvertrag abgeschlossen werden. Das BVLA empfiehlt, sich vor dem Hundekauf ausführlich zu informieren und diesen Link:

www.bmel.de/DE/themen/tiere/haus-und-zootiere/illegaler-welpenhandel.html

Ein verlässlicher Ansprechpartner sind anerkannte, seriöse Züchter – bei Hunden zum Beispiel der VDH – oder das Tierheim. Die Einrichtung an der Schwelmer Straße erhält derzeit viele E-Mails. „Das ist gigantisch“, sagt Leiterin Andrea Reitzig. Vor allem glichen die Anfragen eher Bewerbungen. „Sobald ein neues Tier auf unserer Internetseite erscheint, bekommen wir zig E-Mails.“ Hundewelpen hat das Tierheim derzeit keine. Aber Katzenbabys. Diese sind allerdings noch nicht abgabebereit, weil sie noch zu klein sind. „Aber zurzeit werden auch viele ältere Tiere vermittelt“, sagt Reitzig. Aktuell würden weniger Hunde nachgefragt, sondern eher Katzen und Kaninchen.

Nicht nur in Coronazeiten legt das Tierheim-Team Wert darauf, dass seine Schützlinge in gute Hände kommen. Nach der ersten Kontaktaufnahme per E-Mail oder Telefon besuchen die Interessenten das Tier mehrfach, und Tierheim-Mitarbeiter schauen sich im potenziellen neuen Zuhause um. „Wir hinterfragen immer: Sind Sie berufstätig, wie lange bleibt das Tier allein?“, erklärt Reitzig. Die Tierheim-Leiterin befürchtet, dass nach dem Lockdown, wenn sich Lebensgewohnheiten wieder ändern, einige Tiere an der Schwelmer Straße stranden werden.

Kontakt: 6 42 52 oder: kontakt@tierheim-remscheid.de

Anzeige

Das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt überprüft jede Anzeige. Da die Anzeigen zunehmen, steigt auch die Zahl der Kontrollen. Die Anzeige muss schriftlich samt Namen und Kontaktdaten erfolgen. Per Post: BVLA, Dorper Straße 26, 42651 Solingen, oder per E-Mail: Beschwerden-BVLA@solingen.de

2021 startet der Tierschutzverein für Remscheid und Radevormwald wieder ein Projekt, um die Population verwilderter Hauskatzen in den beiden Städten einzudämmen.

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