NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl

Sophie Scholls Mut rüttelt die Menschen heute noch wach

Pflanzensymbolik im Schulgarten der Sophie-Scholl-Gesamtschule: Die Schüler (v.l.) Anton Schmid, Feli Reichert (13), Beren Cimen (13) und Sofia Fazio (14) präsentierten Vergissmeinnicht und setzten mit dem Betreuer des Schulgartens, dem Lehrer Jürgen Palmer, weiße Kletterrosen ein. Foto: Roland Keusch
+
Pflanzensymbolik im Schulgarten der Sophie-Scholl-Gesamtschule: Die Schüler (v.l.) Anton Schmid, Feli Reichert (13), Beren Cimen (13) und Sofia Fazio (14) präsentierten Vergissmeinnicht und setzten mit dem Betreuer des Schulgartens, dem Lehrer Jürgen Palmer, weiße Kletterrosen ein.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
    schließen

Gesamtschule am Hohenhagen gedachte ihrer Namenspatronin – NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl wäre 100 Jahre alt geworden – Festakt nicht möglich

Remscheid. Die weiße Rose. Jeder Sophie-Scholl-Schüler erhält sie als Geste und Erinnerung: zur Einschulung, zum 10er-Abschluss und zum Abitur. Die weiße Rose steht für die gleichnamige, kleine Widerstandsgruppe im 2. Weltkrieg. Und sie ist mit ihrem prominentesten Mitglied untrennbar verbunden: Sophia Magdalena Scholl. Am 9. Mai wäre die Münchenerin 100 Jahre alt geworden.

In anderen Zeiten hätte die Schulleitung den Geburtstag der Namenspatronin mit einem Festakt in der Aula gefeiert. „Mit einem abgespeckten Programm haben wir an drei Aktionstagen aus den gegebenen Möglichkeiten das Beste gemacht“, erklärte Schulleiter Michael Pötters gestern Mittag in einer kleinen Ansprache vor dem Schulgarten.

Gesamtschüler gedenken Widerstandskämpferin mit weißen Kletterrosen

Sophie Scholl zum Gedenken wurden am Zaun weiße Kletterrosen und Strauchrosen gepflanzt, Vergissmeinnicht an die Anwesenden verteilt. Die Widerstandskämpferin war am 18. Februar 1943 bei einer Flugblattaktion an der Münchener Uni verhaftet worden, von einem Nazi-Gericht in einem Schnellverfahren verurteilt und mit ihrem Bruder Hans und einem Studienkollegen vier Tage später auf dem Schafott hingerichtet worden.

„So ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von Menschen aufzurütteln und wachzurütteln.“ Dieses letzte Zitat der mutigen und kompromisslosen Studentin hängt in einem Bilderrahmen im Foyer der Gesamtschule. Michael Pötters fügte diesem Satz gestern hinzu: „Dass wir hier heute stehen, ist der Beweis, dass es Sophie Scholl geschafft hat.“ In der Gesamtschule am Hohenhagen ist die Namensgeberin fest im Curriculum verankert. Sophie Scholl ist nicht nur Teil des Geschichtsunterrichts, sondern auch eines Projektkurses der Q 1.

Schüler laufen insgesamt 10 115 Kilometer zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl

Zu ihrem 100. Geburtstag hatte sich ein Team um die didaktische Leiterin Annette Terwellen eine breitgefächerte Würdigung überlegt. Angeregt von der Fachschaft Sport, war jeder der 1350 Schüler aufgefordert, Kilometer zu machen. „Die Idee war, dass jede Klasse zusammen 100 Kilometer beiträgt“, meint Terwellen. Am Ende stand die Lauf-App bei 10 115 Kilometern. Kurse in „Darstellen und Gestalten“ lasen Briefe der Weißen Rose und brachten deren Inhalte in eine moderne Form, Ausschnitte und Zitate der Briefe wurden in Videos umgesetzt.

Dass wir hier heute stehen, ist der Beweis, dass es Sophie Scholl geschafft hat.

Michael Pötters, Schulleiter

Verzichten mussten Schüler der Klasse 8 darauf, Vergissmeinnicht-Blumensamen in Tüten an die Remscheider Bevölkerung zu verteilen. Corona ließ dies nicht zu. So wurde dann zumindest Samen in dem wunderschön angelegten Schulgarten der Sophie-Scholl verstreut. Auf der Schul-Homepage gestreamt wurden Lesungen, bei denen Schüler der Stufen 8, 9 und Q 1 abwechselnd mit Lehrern aus Werken von und über Sophie Scholl vortrugen. Dabei half die umfangreiche Bibliothek der Gesamtschule, die auch neuere Biografien beinhaltet, wie die gerade erschienene „Wie schwer ein Menschenleben wiegt: Sophie Scholl“ von Maren Gottschalk, die mit bislang unveröffentlichten Briefkorrespondenzen und Tagebucheinträgen dem Leben der überzeugten Christin und Freiheitskämpferin bislang unbekannte Details abgewinnt.

Schulleiter ärgert Instrumentalisierung Sophie Scholls von Corona-Querdenkern

Michael Pötters verhehlte in seinen Worten nicht, wie sehr es ihn ärgert, dass die Symbolfigur des Widerstands gerade von Querdenkern instrumentalisiert wird. Auf der Homepage bezog der Schulchef dazu klar Position: „Wir alle können unsere Meinung vertreten und veröffentlichen, Demonstrationen besuchen, mit Personen über politische Themen kontrovers streiten und so vieles mehr. Wir sind in solchen Situationen durch unser Gesetz geschützt.“

Sophie Scholl konnte dies nicht. Für die 21-Jährige bedeutete das Verteilen von Flugblättern das Todesurteil. „Die Zeiten sind glücklicherweise andere geworden. Es finden auch positive Entwicklungen statt. Junge Menschen dürfen weltoffen und kritisch sein.“ Pötters wirft dabei auch die Frage auf: Was würde Sophie sagen, wenn sie dies sehen würde? Eins legt das Kollegium den Schülern ans Herz: „Der Name unserer Schule soll uns stets daran erinnern, dieses Ziel nie aufzugeben und uns mutig kritisch zu hinterfragen“.

Zur Person

Sophia Magdalena „Sophie“ Scholl wurde am 9. Mai 1921 in Forchtenberg/Baden-Württemberg in ein liberales, protestantisches Elternhaus geboren. In ihrer Jugend war sie Mitglied im Bund Deutscher Mädels, einer Nazi-Nachwuchsorganisation. Weil ihr Freund als Soldat diente, begann sie später die Bedeutung des Vaterlandes zu hinterfragen. Aus der begeisterten Gruppenführerin der Ulmer Jungmadl entwickelte sich eine kritische Persönlichkeit, die die Nazis im Widerstand bekämpfte. Zum Verhängnis wurde ihr eine Flugblattaktion, bei der sie am 18. Februar 1943 mit Kommilitonen an der Münchener Uni 1700 Flugblätter verteilte.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gute Nachricht für das Allee-Center: Schuhe Kämpgen kommt
Gute Nachricht für das Allee-Center: Schuhe Kämpgen kommt
Gute Nachricht für das Allee-Center: Schuhe Kämpgen kommt
Führerscheine aus Papier werden schrittweise umgetauscht
Führerscheine aus Papier werden schrittweise umgetauscht
Führerscheine aus Papier werden schrittweise umgetauscht
Corona: Inzidenz steigt auf 71,7 - Temporäres Impfzentrum erhält Nachschub aus Wuppertal
Corona: Inzidenz steigt auf 71,7 - Temporäres Impfzentrum erhält Nachschub aus Wuppertal
Corona: Inzidenz steigt auf 71,7 - Temporäres Impfzentrum erhält Nachschub aus Wuppertal
Ohne Maske? Lehrer haben ungutes Gefühl
Ohne Maske? Lehrer haben ungutes Gefühl
Ohne Maske? Lehrer haben ungutes Gefühl

Kommentare