Warnstreik

Hydro-Mitarbeiter streiken in Lennep

Die Demo startete am Betriebsgelände von Hydro.
+
Die Demo startete am Betriebsgelände von Hydro.

Das norwegische Unternehmen will seinen Standort an der Leverkuser Straße Ende 2020 schließen. Es geht um rund 130 Arbeitsplätze.

Remscheid. Mit einem Warnstreik durch Lennep haben am Dienstag Mitarbeiter der Hydro Precision Tubing GmbH auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Der Standort des norwegischen Unternehmens an der Leverkuser Straße schließt Ende 2020. Alle rund 130 Mitarbeiter wurden gekündigt. Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag zwischen Hydro und IG Metall endeten ergebnislos. böh

Unser Bericht vom 13.07.2020: Hydro schließt Standort Remscheid

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Das norwegische Unternehmen Hydro kündigt an, seinen Standort an der Leverkuser Straße Ende 2020 zu schließen. Von der Entscheidung betroffen sind rund 130 Arbeitnehmer. Sie erhielten Ende Mai die Kündigung. Die Gewerkschaft IG Metall plant für Dienstag einen Warnstreik.

Hydro ist in der Aluminiumbranche tätig. Laut eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen 35 000 Menschen in mehr als 40 Ländern. Der Grund für die Schließung der Hydro Precision Tubing GmbH Remscheid seien Verluste in den letzten zwei Jahren. Auch 2020 zeichnen sich laut einer Mitteilung rote Zahlen ab. Die langfristigen Marktaussichten seien negativ. Der Standort Remscheid produziere hauptsächlich für Verbrennungsmotoren. In diesem Segment sinke die Nachfrage. Die Sparte Heizung, Lüftung, Klimatechnik sei allein nicht stark genug, um den Standort rentabel zu führen.

Cemal Cetins Einschätzung nach haben Management-Entscheidungen zu dieser Lage geführt. Er ist Verhandlungsführer für die IG Metall. Die Gewerkschaft wurde von Arbeitnehmern beauftragt, einen Sozial-Tarifvertrag mit Hydro auszuhandeln. Einen Betriebsrat gibt es nicht. Ende Juni fand die erste Verhandlungsrunde statt. Darin forderte die IG Metall Cetin zufolge die Gründung einer einjährigen Transfergesellschaft ab dem 1. Januar 2021, eine Abfindungsregelung von einem Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr sowie die Vermittlung der Lehrlinge in andere Betriebe.

Gewerkschaft: Es herrscht Streit über Höhe der Abfindungen

Auf letztgenannten Punkt wollte sich Hydro einlassen. Gleichzeitig bot das Unternehmen laut Cetin eine Abfindung mit dem Faktor 0,25 des Monatsgehalts sowie eine dreimonatige Transfergesellschaft an, die für einige Arbeitnehmer bereits im November beginnen sollte. „Das ist aus unserer Sicht kein Angebot“, sagt Cetin. Hydro wiederum hält die IG-Metall-Forderungen nicht für angemessen und sieht laut Angaben der Gewerkschaft keine Veranlassung, weiter zu verhandeln.

Es gibt aber Hoffnung für die Beschäftigten: Ein österreichisches Unternehmen, das bislang Hydro-Kunde war, zeige Interesse am Standort. „Es ist aber noch nichts spruchreif“, sagt Cetin. Unabhängig davon findet der Warnstreik ab 10 Uhr statt – der Protestzug soll vom Betrieb zum Alten Markt ziehen.

Standpunkt

frank.michalczak@rga-online.de

Ein Kommentar von Frank Michalczak

Der drohende Verlust von über 100 Arbeitsplätzen in Lennep wirft ein weiteres Schlaglicht darauf, dass sich Remscheid auf harte Zeiten einstellen muss. Darüber kann auch nicht die Momentaufnahme aus dem vergangenen Monat hinwegtäuschen, als die Zahl der Menschen ohne Job überraschenderweise leicht zurückgegangen war. Der Jahresvergleich zeigt hingegen an, dass sich durch Probleme in der Automobilzuliefererbranche und durch die Pandemie längst die Lage verschärft hat. 

Im Juni 2020 waren 4965 Remscheiderinnen und Remscheider arbeitslos gemeldet – 835 mehr als zwölf Monate zuvor. Es könnten noch viel mehr sein, gäbe es die Kurzarbeit nicht. Dieses Instrument weiterhin zielführend zu nutzen, ist die Aufgabe der Politik. Denn es ist geboten, in bestehende Jobs zu investieren. Das ist allemal besser, als immer mehr Mittel für die Arbeitslosigkeit aufzubringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

200 Tonnen Sand sind schon da: Hier entsteht der Eventgarten
200 Tonnen Sand sind schon da: Hier entsteht der Eventgarten
200 Tonnen Sand sind schon da: Hier entsteht der Eventgarten
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Lena Drabits zaubert Kunstwerke auf den Babybauch
Lena Drabits zaubert Kunstwerke auf den Babybauch
Lena Drabits zaubert Kunstwerke auf den Babybauch
Jugendfeuerwehr befreit die Becken des Freibads vom Schlamm
Jugendfeuerwehr befreit die Becken des Freibads vom Schlamm
Jugendfeuerwehr befreit die Becken des Freibads vom Schlamm

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare