7120 angemeldete Hunde

Haustier-Boom: Hundesteuer übersteigt eine Million Euro

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Auch Tierheim-Leiterin Andrea Reitzig ist auf den Hund gekommen – hier mit Chihuahua-Mops-Mix Piccolina.

Die Stadtkasse verbucht Rekordeinnahmen. Das Tierheim verknüpft die Vermittlung von Hunde und Katzen an Bedingungen.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Die Zahl der Remscheiderinnen und Remscheider, die einen vierbeinigen Gefährten an ihrer Seite wissen, wächst weiter. Ende November zählte die Stadtverwaltung 7120 angemeldete Hunde. Zum Vergleich: Vor einem Jahrzehnt waren es 5395. „2012 wurde auch letztmals die Hundesteuer erhöht, damals um zehn Prozent“, berichtet Stadtdirektor Sven Wiertz, der angesichts der vielen zusätzlichen Tiere einen Rekord vermelden kann: Erstmals werden 2021 die Hundesteuer-Einnahmen auf über eine Million Euro steigen.

Der Boom hat Folgen für die Personalplanung im Rathaus. Die wöchentliche Stundenzahl in der Sachbearbeitung soll aufgestockt werden. Bislang waren für das Aufgabenspektrum 19,5 Stunden bei der Stadtverwaltung vorgesehen. „Aber dies ist in dieser Zeit nicht mehr zu schaffen“, erklärt der Stadtdirektor. Wiertz empfiehlt den Ortspolitikern daher, die Arbeitszeit aufzustocken – um 5,5 Wochenstunden. Ansonsten drohten Rückstände bei der Bearbeitung, was zu Einnahmeverlusten führen würde.

Den Trend zum Hund gab es bereits vor Corona, hat aber in den letzten Jahren noch einmal an Fahrt aufgenommen. So stieg die Zahl der angemeldeten Tiere seit 2019 um fast 450 an. Sie wurden zum Wegbegleiter in der Pandemie, die von Kontaktbeschränkungen, Isolation und Einsamkeit im Homeoffice geprägt war.

Serie: Unser Leben mit Hund

Remscheid: Tierbesitzer sollten genügend Zeit für den Vierbeiner haben

Manche Interessierte wandten an das Tierheim, um einem Vierbeiner ein Zuhause zu geben – allerdings nicht immer mit Erfolg. „Wir fragen natürlich danach, was nach dem Homeoffice kommt, ob sie denn auch im regulären Arbeitsalltag genug Zeit für ein Haustier haben“, erklärt Mitarbeiterin Angelika Hemmerling-Schier. Wenn dies nicht der Fall sei, verzichte das Team auf die Vermittlung.

Derzeit leben lediglich zehn Hunde in der Lenneper Einrichtung an der Schwelmer Straße, die auch für Radevormwald zuständig ist. Das Zuhause der Tiere wird derzeit renoviert. „Im Hundehaus muss jetzt noch der Estrich verlegt werden. Wir warten auf das entsprechende Wetter“, berichtet Angelika Hemmerling-Schier.

Die Nachfrage nach Katzen ist groß

Doch nicht nur Hunde seien gefragt – zuletzt waren es vor allem Katzen. Vor einigen Monaten sprach Einrichtungsleiterin Andrea Reitzig von einer „gigantischen Nachfrage.“ Aktuell leben 90 Stubentiger im Heim an der Schwelmer Straße. „Weiterhin werden viele bei uns abgegeben, nachdem sie gefunden wurden. Die Besitzer machen sich oft nicht die Mühe, sie kastrieren oder chippen zu lassen“, bedauert Angelika Hemmerling-Schier. Remscheider Tierschutzverein bietet Katzen-Projekt.

Aber auch bei Katzen-Interessenten schauen die Mitarbeiter hin: Passt das Tier zum neuen Zuhause? Wie reagiert es auf den Bewerber? Denn nicht immer müsse die Chemie zwischen Tier und dem Menschen stimmen. „Außerdem ist es uns wichtig, dass es nicht nur bei einem Besuch im Tierheim bleibt“, erläutert die Mitarbeiterin. Wer sich mehrfach auf den Weg in das Haus macht, unterstreicht die Ernsthaftigkeit seines Wunschs, ein Tier zu übernehmen.

Tierheim ist derzeit geschlossen

Allerdings ist das Heim derzeit wegen der Pandemie für den regulären Publikumsverkehr geschlossen. Es gelte, die Mitarbeitenden vor Ansteckungsrisiken zu schützen. Denn: Es wäre nicht auszudenken, wenn das Haus wegen Infektions- oder Quarantänefällen seinen Betrieb einstellen müsste. „In diesem Fall wären wir gezwungen, die Tiere auf andere Einrichtungen zu verteilen“, fügt die Verwaltungsmitarbeiterin hinzu. Einzelvermittlungsgespräche seien aber möglich. Kontakt, Tel. (02 1 91) 64 2 52.

Standpunkt: Hunde brauchen Zeit

Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak @rga.de

Wer einem Tier ein Zuhause bieten will, muss sich klarmachen, dass dies kein uneingeschränktes Vergnügen ist: Ein Hund muss bei Wind und Wetter an die frische Luft – ob es stürmt oder schneit, ob es regnet oder die Sonne scheint. Vor allem benötigt er Zuwendung und Zeit. Das Lenneper Tierheim vermittelt daher Vierbeiner nur, wenn die Bewerber glaubhaft versprechen, diese Bedingungen zu erfüllen. Und genau dies sollten sich auch alle fragen, die von einem Züchter ein Tier erwerben wollen. Von den 7120 Hunden, die mittlerweile in Remscheid registriert sind, werden die meisten ein schönes Zuhause mit fürsorglichen Besitzern haben. Manche aber haben es weniger gut und werden vernachlässigt – oft, weil dann doch die Zeit fehlt. In Fällen wie diesen muss dann immer wieder das Tierheim einspringen. Dies aber muss nicht sein, wenn sich Frauchen und Herrchen vor dem Kauf eines Tieres ganz genau überlegen, ob sie der Verantwortung gerecht werden wollen – oder es überhaupt können. Denn auch die treueste Seele kann sich schnell als Quälgeist entpuppen.

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