Alter Lindenhof steht vor dem Abriss

Honsberg soll bis 2024 ein Altenheim bekommen

Die Tage des ehemaligen Treffpunkts sind gezählt: Noch im ersten Halbjahr 2022 soll der Alte Lindenhof verschwinden und Platz für ein Altenheim machen. Foto: Roland Keusch
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Die Tage des ehemaligen Treffpunkts sind gezählt: Noch im ersten Halbjahr 2022 soll der Alte Lindenhof verschwinden und Platz für ein Altenheim machen.

Es gibt Überlegungen für eine weitere Einrichtung auf dem Gelände an der Destille Frantzen.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Seit Jahren ist der Alte Lindenhof in Honsberg verwaist. Ein Neubau ersetzt den ehemaligen Stadtteil-Treffpunkt, der nun aber offenbar endgültig vor dem Abriss steht. Die Seniorendienste Rheinland der Arbeiterwohlfahrt (Awo) planen, dort ein Seniorenwohnheim einzurichten – mit 80 vollstationären Pflegeplätzen und einer Tagespflege, die sich an 16 ältere Menschen wendet. Dies bestätigt Andreas Wiemers, Sprecher des Awo-Bezirksverbands, auf RGA-Anfrage. Geplanter Eröffnungstermin sei Ende 2023.

Bis dahin gibt es noch viel zu tun für die Betreiber, die unter anderem nach Personal Ausschau halten müssen. „Insgesamt 80 Arbeitsplätze werden entstehen“, berichtet Wiemers. Auch die Einrichtungen der Awo Seniorendienste Niederrhein sähen sich mit dem seit Jahren wachsenden Fachkräftemangel in der Pflege konfrontiert. Sie hätten aktuell eine Online-Kampagne gestartet, um Fachkräfte für sich zu gewinnen und offene Stellen zu besetzen.

Die Seniorendienste Niederrhein sind eine 100-prozentige Tochter des Awo-Bezirksverbands und betreiben 13 Einrichtungen zwischen Voerde und Remscheid, wo sie die Regie im Willi-Hartkopf-Haus führen.

„Leider hat sich die Klage eines Nachbarn vor Gericht wie Gummi hingezogen.“

Abteilungsleiter Thomas Köppchen über den Heimbau in Honsberg

Dass das Projekt in Honsberg vor der Realisierung steht, findet Rathausmitarbeiter Thomas Köppchen höchst erfreulich. Der Abteilungsleiter ist für die Planung von Pflegeplätzen in Remscheid zuständig und muss darauf achten, dass der Bedarf gedeckt wird. „Das ist uns in der Vergangenheit auch immer plus/minus null gelungen“, erklärt Köppchen, der bereits vor einigen Jahren die zusätzlichen Plätze in Honsberg als festen Faktor miteinkalkulierte: „Leider hat sich die Klage eines Nachbarn vor Gericht wie Gummi hingezogen. Wir waren eigentlich 2016 mit den Planungen fertig.“ Nun aber habe das Gericht für das Bauvorhaben grünes Licht gegeben.

Aktuell halten die Remscheider Einrichtungen 1172 Pflegeplätze vor, davon nur noch 84 in Doppelzimmern. Dabei kommt der Kurzzeitpflege eine immer größere Bedeutung zu – das ist einer der vielen Aspekte, die Köppchen bei seiner Planung zu beachten hat. Die vorübergehende Aufnahme in ein Heim erfüllt mehrere Funktionen: Sie entlastet Angehörige, die für die Pflege eine Auszeit nehmen müssen. Sie überbrückt eine Phase nach einem Krankenhausaufenthalt, in der noch unklar ist, wie es mit dem alten Menschen weitergeht. Und sie gibt einige Wochen Zeit für die Suche nach einem stationären Platz in einem Heim, falls die Rückkehr in die eigenen vier Wände nicht möglich ist.

Insgesamt verzeichne er eine steigende Nachfrage für den Umzug in Wohngemeinschaften (WG), zum Beispiel für Demenzkranke, führt Köppchen aus. Angebote wie diese könnten an einem weiteren Standort in Alt-Remscheid realisiert werden, heißt es in einer Mitteilung für die Ortspolitiker. Es gebe Überlegungen, in Stachelhausen, auf dem Gelände hinter der Destille Frantzen, eine Verbund-Pflegeeinrichtung zu bauen, bestätigt Köppchen.

Sie würde unterschiedliche Angebote vereinen – mit 60 vollstationären Plätzen, eigener Kurzzeitpflegeeinrichtung mit 14 Plätzen, Demenzwohngemeinschaft, einer ambulant betreuten WG sowie acht altengerechten Servicewohnungen. Dieses Angebot wäre insbesondere für Menschen aus den umliegenden Stadtteilen eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden Wohnangeboten. „Denn viele wollen in ihrem vertrauten Umfeld bleiben, wenn sie ihre Wohnung aufgeben müssen.“

Beratung

Die Stadt Remscheid bietet umfangreiche Beratungen zum Thema Pflege an. Wer Fragen zu freien Plätzen in Heimen hat oder auch zu finanziellen Leistungen in der Pflege, kann sich an Angela Schwarz, Tel. 162740, oder Annette Mertens, Tel. 162744, wenden. Sie bieten nach Terminvereinbarung montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr im Verwaltungsgebäude Alleestraße 66 Sprechstunden an.

pflegeberatung@ remscheid.de

Standpunkt: Mehr Geld für die Pflege

Von Frank Michalczak

frank.michalczak@rga.de

Wer in ein Pflegeheim ziehen muss, um dort seine letzten Lebensjahre zu verbringen, möchte ein möglichst behagliches Zuhause bekommen – und das nicht irgendwo, sondern im persönlichen Umfeld, in dem Verwandte, Freunde oder ehemalige Nachbarn nahe sind. Daher sind die Heimpläne für die Menschen in Honsberg und Stachelhausen besonders wertvoll, die sich mit ihren jeweiligen Stadtteilen besonders stark identifizieren und eben nicht wegziehen wollen. Und erst recht nicht mit 85, 90 oder noch mehr Lebensjahren. Mit den Bauprojekten ist zudem die Schaffung von Arbeitsstellen verbunden, die allerdings erst einmal besetzt werden müssen. Und das ist kompliziert in einer Zeit, in der die Pflegebranche unter Fachkräftemangel zu leiden hat. Auf das Lippenbekenntnis vieler Politiker, Pflegeberufe müssten auch durch finanzielle Anreize attraktiver werden, müssen endlich Taten folgen. Das wäre ganz bestimmt im Sinne der Honsberger und Stachelhauser, die sich über diverse Wohn- und Betreuungsformen im Alter freuen können. Vor ihrer Haustür.

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