Ehrenamt

Mit 90 denkt sie noch nicht ans Aufhören

„Dieses Ehrenamt hier hat sich wirklich gelohnt“, sagt Helga Pfleger. Ende November wurde sie 90 Jahre alt.
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„Dieses Ehrenamt hier hat sich wirklich gelohnt“, sagt Helga Pfleger. Ende November wurde sie 90 Jahre alt.

Helga Pfleger arbeitet seit 16 Jahren ehrenamtlich im Kleiderladen am Honsberg.

Von Peter Klohs

Remscheid. Den Kleiderladen der Stadtkirchengemeinde am Honsberg, der gute Kleidung für sehr wenig Geld an Bedürftige weitergibt, gibt es seit 16 Jahren. Von Anfang an ist Helga Pfleger dabei. „Das macht immer noch unheimlich Spaß“, sagt sie, „das ist für mich wie ein Jungbrunnen.“ Das nimmt man ihr sofort ab, denn Helga Pfleger ist Ende November 90 Jahre jung geworden, was man ihr nun wirklich nicht ansieht. Des Weiteren prägt ihre Herkunft ihre Ausstrahlung: Recht schnell bemerkt man einen halb schnoddrigen, halb weisen Unterton in ihren Worten. „Jaja“, schmunzelt sie, „ich komme aus Neuruppin, der Fontanestadt, und die ist nicht sehr weit von Berlin entfernt. Die Berliner Art zu reden ist mir schon nahe.“

Helga Pfleger kommt mit ihren Kunden gut aus. „Es ist mir völlig egal, woher die Leute kommen und welche Hautfarbe sie haben“, sagt sie. „Armleuchter gibt es überall.“ Fast hat man den Eindruck, sie hätte lieber ein anderes Wort mit A gesagt.

„Die Truppe“ wurde in den vergangenen Jahren kleiner

Ihr Mann hatte in der ehemaligen DDR einen Auto-Zubehörladen, der von einer Urlaubsvertretung zugrunde gerichtet wurde. „Der Bruder meines Mannes wohnte in Remscheid“, erinnert sie sich. „Das war dann unsere erste Anlaufstelle, bevor wir 1965 an den Honsberg zogen. Ich hatte damals schon drei Kinder.“ Insgesamt hat sie sieben Kindern das Leben geschenkt, fünf Mädchen und zwei Jungen, ihre sieben Enkel setzen sich ebenfalls genauso zusammen, dazu gibt es elf Urenkel und einen Ururenkel. „Eine große Familie ist schon schön“, sagt die rüstige Seniorin, „aber auch anstrengend.“ Sie hat im Übrigen kein Handy. „Aber es geht alles“, sagt sie, „ich bin doch nicht aus Dummsdorf.“

Im Kleiderladen hat sich eine feste Truppe zusammengefunden. „Vor vier Jahren waren wir noch acht Frauen. Die Truppe ist etwas geschrumpft, aber immer noch intakt.“ Sie zeigt alte Fotos der „Truppe“, wie sie die Frauen im Kleiderladen nennt. „Das da bin ich“, deutet sie mit einem Finger auf eine Frau. „Früher war ich mal jung und schön. Inzwischen bin ich nur noch ‚und‘.“ Sie ist bei ihren Kolleginnen und den Kunden äußerst beliebt, was vielleicht auch daran liegt, dass sie keine Vorurteile gegen andere Menschen pflegt. „Ich bin ein Kind dieser Welt“, sagt sie, „und zufällig in Deutschland geboren.“

Neben ihrem Engagement im Kleiderladen hat Helga Pfleger einen Spielenachmittag ins Leben gerufen, der an jedem zweiten Freitag von 13 Uhr bis 16.30 Uhr im Gemeindehaus stattfindet. „Beim ersten Spielenachmittag habe ich unseren Oberbürgermeister eingeladen“, berichtet sie. „Er ist natürlich gekommen und hat sich amüsiert wie Bolle auf dem Bollerwagen. Und etwas später Pfarrer Rogalla ebenso.“

Apropos Pfarrer: Mit dem ehemaligen Pfarrer Martin Korb ist und bleibt sie freundschaftlich verbunden. „Der ist jetzt 73“, sagt Helga Pfleger, und der Schalk in ihren Augen verrät, dass da noch was kommt. „Er könnte mein Sohn sein“, sagt sie. „Und ich behandle ihn auch so.“

Zurück zum Kleiderladen. „Dieses Ehrenamt hier hat sich wirklich gelohnt“, meint Helga Pfleger. „Die Kunden kommen nicht nur zum Kaufen, sondern auch zum Erzählen, zum Lachen und zum Weinen. Alles, was wir hier verdienen, wird an gemeinnützige Organisationen gespendet. Und wir fühlen uns sauwohl dabei. Für mich ist es wie ein Geschenk, anderen Menschen Gutes zu tun. Und solange ich das kann, mache ich weiter, ist doch klar.“

Über den Kleiderladen

Der Kleiderladen an der Honsberger Straße 48 ist jeden Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Alle Mitarbeitenden sind ehrenamtlich tätig. Der Kleiderladen wird von Helga Pfleger geleitet. Sie hat zu allen – Mitarbeitenden und Kunden – ein gutes Verhältnis. „Und wenn mal ein ganz armes Schwein kommt, dann drücke ich auch schon mal ein Auge zu“, sagt sie.

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