Er starb am 29. Dezember in Israel

Holocaust-Zeitzeuge Gad Frank: Seine Skulptur wird auch nach seinem Tod realisiert

Gad Frank (2.v.r.) bei einem Besuch in der Hindenburgstraße 81, wo die Familie Frank von 1931 bis 1934 vor ihrer Auswanderung lebte. Neben Frank stehen sein Sohn Aaron (2.v.l.), Klaus Bilstein (links) und Hans Heinz Schumacher.
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Gad Frank (2.v.r.) bei einem Besuch in der Hindenburgstraße 81, wo die Familie Frank von 1931 bis 1934 vor ihrer Auswanderung lebte. Neben Frank stehen sein Sohn Aaron (2.v.l.), Klaus Bilstein (links) und Hans Heinz Schumacher.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Einer der letzten jüdischen Zeitzeugen aus Remscheid ist verstorben - Israelischer Künstler arbeitete an Skulptur für Remscheid.

Remscheid. Gad Frank ist tot. Einer der letzten jüdischen Holocaust-Zeitzeugen aus Remscheid starb am 29. Dezember mit 92 Jahren im Kibbuz Yiftah im Norden Israels. Seine Geschichte in Remscheid ist aber nicht zu Ende geschrieben. Denn der Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall plant, eine Skulptur des Künstlers Frank als Denkmal gegen Diskriminierung aufzustellen.

1934 war Klaus, der sich später Gad nannte, mit seinen Eltern Kurt und Erna Frank sowie seinem älteren Bruder Pinchas nach Palästina geflohen. Über Jahrzehnte wollte er mit Deutschland, dem Land, dass seine Großeltern im KZ Theresienstadt in den Tod geschickt hatte, nichts zu tun haben. Gad verdrängte die Vergangenheit.

Gad Frank wurde für Hans Heinz Schumacher zu einem Freund

2018 kehrte er dann doch zu den Wurzeln seiner frühen Kindheit zurück. Im Haus von Hans Heinz Schumacher, dem Vorsitzenden des Vereins Gedenk- und Bildungsstätte, kam es in Lüttringhausen zu einer schicksalhaften Begegnung. Der Hausherr erinnert sich, wie der Gast grollte: „Damit das klar ist, ich will mit Deutschland nichts zu tun haben“, waren Gad Franks erste Worte. Dem RGA erklärte er später, in Kopf und Körper eine Anti-Deutschland- und Anti-Nazi-Haltung gehabt zu haben.

Doch sein Feindbild drehte sich total. Mit der Zeit und weiteren Besuchen schloss Frank Frieden, weil er sah, wie engagiert sich viele Menschen hier mit der dunklen Vergangenheit auseinandersetzen, nicht zuletzt in Form der Gedenkstätte. Gad Frank besuchte EMA-Schüler, sah sich die Stolpersteine an, die der Kölner Künstler Gunter Demnig 2008 an der Alleestraße 20 für Gads Großeltern Emmy Stern und Siegmund Frank gelegt hatte.

Das jüdische Paar hatte dort 1903 eine Immobilie erworben und das Seidenhaus Frank und C. eröffnet. Auch der Baum für die jüdischen Mitschüler am Eingang des EMA-Gymnasiums beeindruckte den Israeli. Sein Feindbild vom großen, blauäugigen Deutschen, dem Nazi, gab es nicht mehr. Für Hans Heinz Schumacher wurde Gad Frank zu einem Freund. Regelmäßig stand der ehemalige EMA-Schulleiter mit ihm im Austausch. „Einmal die Woche haben wir per WhatsApp-Video telefoniert“, sagt Schumacher. Und für den 29. Januar hatte Schumacher einen Flug nach Israel gebucht. Schumacher wollte Frank im Kibbuz Yiftah besuchen. In der Gemeinschaftssiedlung nahe der libanesischen Grenze wurde der Auswanderer groß.

Hier begann er als Hirte, betrieb einen Steinbruch, entwickelte Bewässerungssysteme und wurde später zum Künstler. In 40 Jahren schuf er eine Vielzahl beeindruckender Werke, die den einstigen Lebenskünstler in Israel zu einem bekannten Kulturtreibenden werden ließ. Er zeichnete, schuf aber auch Skulpturen, zunächst aus Stein, als diese körperlich zu schwer wurden aus Holz und Papier.

Mit dem Pferdestall-Verein war vereinbart, dass Gad etwas Bleibendes für seine alte Heimat schafft. Eine Modell-Idee aus Papier und Pappe gibt es, sie besteht aus drei Teilen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft symbolisieren. Auch nach seinem Tod soll das Denkmal umgesetzt werden. Als Hans Heinz Schumacher mit Eyal, einem von Gads Söhnen, telefonierte, um seine Anteilnahme auszudrücken, machte dieser ihm klar, dass das Projekt zu Ende geführt wird: „We have a job to do.“ Schumacher will nun von seinem Besuch in Israel das Modell mitbringen. In Remscheid soll es dann in Stahl für die Ewigkeit gefertigt werden. Schumacher hat mit dem Verein Überlegungen angestellt, wo es hinkommen könnte. Zwei Optionen gibt es.

Die eine wäre, das Denkmal auf der unteren Allee in Höhe des ehemaligen Seidenhauses zu platzieren, die andere, es vor dem Pferdestall im Hof des Polizeikomplexes am Quimper-Platz aufzustellen. Mit der Einweihung des Denkmals für deportierte Sinti und Roma in einem Waldstück am Blaffertsberg hat der Verein dieses Jahr erste Erfahrungen gesammelt. Schumacher will diese bei der Sponsorensuche nutzen und hofft zügig auf die nötigen Genehmigungen, wo immer das Denkmal auch hinkommen mag.

Blaffertsberg als Mutmacher

Hans Heinz Schumacher ist ein Mann, der auf schnelle Fortschritte setzt. Die Realisierung des Denkmals am Blaffertsberg, das fast 40 000 Euro kostete, mit wenig städtischer Beteiligung und viel ehrenamtlichem Einsatz realisiert wurde, machtdem Pferdestall-Verein Mut, bei Gad Franks Denkmal gegen Diskriminierung die nötigen Genehmigungen und Mittel zu erhalten.

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