Holocaust

Konzentrationslager: Menschen waren nur noch Nummern

In einer vierstündigen Führung besichtigten die Schülerinnen und Schüler des GBG das Vernichtungslager Auschwitz.
+
In einer vierstündigen Führung besichtigten die Schülerinnen und Schüler des GBG das Vernichtungslager Auschwitz.

GBG-Projektkurs war auf Bildungsfahrt in Polen. Fahrt prägt die Schüler nachhaltig.

Von Michelle Jünger

Remscheid. Sie hatten gedacht, sie wären darauf vorbereitet, wüssten was auf sie zukommt. Doch als die Schülerinnen und Schüler des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums (GBG) dann das Konzentrationslager Auschwitz besichtigten, habe sich gleich ein ganz anderes Gefühl eingestellt.

Das erzählen die Schülerinnen Melissa Akbas und Kornelia Jakschik, beide 18 Jahre alt, und die 17-jährige Jale Üyüklüir. Sie haben im vergangenen April an der siebentägigen Exkursion des Projektkurses der Q1 zum Thema Holocaust nach Krakau und Auschwitz teilgenommen. Geschichtslehrer Peter Stanic organisierte die Fahrt des GBG.

Der Kurs, den man statt dem Schreiben einer Facharbeit wählen konnte, beschäftigte sich schon vorab mit der Judenverfolgung und den Gräueltaten, die in den Konzentrationslagern stattfanden. Zur Anschauung kam es dann mit der Reise nach Polen: inklusive Zeitzeugengespräch, Besuch des Schindler-Museums in Krakau und im ehemaligen KZ Auschwitz.

Sie waren nur noch Nummern.

Kornelia Jakschik, Schülerin

Bereits am ersten Abend konnten sie Lidia Maksimovic kennenlernen, die den Schülern des GBG auch die eintätowierte Nummer auf ihrem Arm zeigte. Sie war damals noch ein Kind. Mit dem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz sei ihr irgendwann klar geworden, dass Menschen wirklich nicht mehr behandelt worden seien wie Menschen. „Sie waren nur noch Nummern“, sagt Kornelia Jakschik.

Melissa Akbas beschreibt das Gefühl von Ungläubigkeit, mit dem sie beim Besuch im Stammlager von Auschwitz und Auschwitz-Birkenau zu kämpfen hatte. Es sei kaum vorstellbar, dass dort, wo blühende Wiesen und Rehe idyllisch erscheinen, eigentlich die Asche von unzähligen Menschen verstreut ist. Dass man im wahrsten Sinne auf ihnen steht.

Holocaust: Bilder und Worte zeigen dunkle Zeit

Sehr still sei es gewesen, ganz anders als man es sonst von Ausflügen gewohnt sei. „Es macht etwas mit einem“, sagt Jale Üyüklüir. Und das bliebe auch – selbst jetzt im Nachhinein sei ein anderes Gefühl da und ändere so manchen Blickwinkel.

Der Kurs habe den Schülerinnen vor allem vor Augen geführt, dass im Unterricht viele Themen zu kurz kämen. „Der Geschichtsunterricht deckt nicht wirklich ab, es ist eine Art Auflistung von allem, was passiert ist“, beschreibt es Kornelia Jakschik. Dadurch habe sie sich die Dimensionen dessen erst ganz anders vorgestellt. Schlimm anzusehen war für Melissa Akbas beispielsweise, dass eine Familie Bilder vor einem Stacheldrahtzaun gemacht habe. „Menschen sind dort gestorben. Da sollten keine Familienfotos gemacht werden“, fügt sie hinzu.

Gerade auf Social Media erlebten die Schülerinnen häufiger, wie unsensibel Kinder und Jugendliche seien. „Sie machen geschmacklose Witze und posten TikTok-Videos, wo sie sich über solche Themen lustig machen“, sagt Jale Üyüklüir. Dafür hat sie sichtlich wenig Verständnis. Mit Berichten, Zeitzeugengesprächen, Videos oder auch Besuchen von Orten wie Auschwitz könne man unabhängig vom Alter sensibilisieren.

Abendliche Gesprächsrunden arbeiten das Erlebte auf

Doch genau wie sie, sollte dabei jeder entscheiden können, wann es zu viel sei und wann man gehen müsse. Außerdem sollte es nicht nur Thema der Schule, sondern der Erziehung sein, so die Schülerinnen.

Auch das Erlebte und Gefühlte in Worte zu fassen sei wichtig. Darauf hätten die begleitenden Lehrkräfte Peter Stanic und Dorothee Phillips bei den abendlichen Gesprächsrunden viel Wert gelegt.

Hintergrund

Die Projektfahrt nach Krakau und Auschwitz fand zuletzt vor vier Jahren statt. Im Zuge der Pandemie waren Reisen nach Polen nicht möglich, außerdem spielten die Kosten eine Rolle. Durch die Förderungen der Sanddorf-Stiftung und des Landes war die Exkursion 2022 für 13 Schülerinnen und Schüler wieder möglich. Im Zuge des Kurses werden außerdem Projektarbeiten erstellt. Diese können fachliche Auseinandersetzungen, eine Art Tagebuch oder auch eine selbst geschriebene Geschichte sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Mordkommission ermittelt: 29-Jähriger bei Attacke schwer verletzt
Mordkommission ermittelt: 29-Jähriger bei Attacke schwer verletzt
Mordkommission ermittelt: 29-Jähriger bei Attacke schwer verletzt
Für den Standort erhält Am Stadtpark eine 1+
Für den Standort erhält Am Stadtpark eine 1+
Für den Standort erhält Am Stadtpark eine 1+
Bauernschnitzel auf Hannes-Art: Oma Ilse wäre stolz auf ihn!
Bauernschnitzel auf Hannes-Art: Oma Ilse wäre stolz auf ihn!
Bauernschnitzel auf Hannes-Art: Oma Ilse wäre stolz auf ihn!
Alt-Remscheid ist der Hotspot der Szene und Genüsse
Alt-Remscheid ist der Hotspot der Szene und Genüsse
Alt-Remscheid ist der Hotspot der Szene und Genüsse