Gedenken an die Opfer

Holocaust: Dem Wahnsinn mit Mut begegnen

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus anlässlich des 77. Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz: (v.l.) Antje Menn, Andrea Blesius, Markus Röhrl, Nick Schmeißer und OB Burkhard Mast-Weisz. Foto: Roland Keusch
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Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus anlässlich des 77. Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz: (v.l.) Antje Menn, Andrea Blesius, Markus Röhrl, Nick Schmeißer und OB Burkhard Mast-Weisz.

Im Pferdestall wurde am Donnerstag der Befreiung des KZ Auschwitz vor 77 Jahren gedacht.

Von Andreas Weber

Remscheid. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit, 1996 der Jahrestag auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum offiziellen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt, 2005 von der UN zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Am Donnerstag Mittag wurden ihnen zu Ehren auch in der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall am Quimperplatz Kerzen angezündet und ein Kranz niedergelegt.

Auschwitz sei der Ausdruck des Rassenwahns gewesen, ein Kainsmal der deutschen Geschichte, meinte Pferdestall-Vorstandsmitglied Andrea Blesius. Vor einem Dutzend Gästen erinnerte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz an den Wahnsinn mehrerer Weltkriege und forderte dazu auf, sich der „Verantwortung aus unserer Geschichte“ zu stellen.

Eigentümer in der Büchelstraße stellen sich der Verantwortung

Zukunft ohne Geschichte sei bodenlos. Mast-Weisz ermutigte junge Menschen, sich für unsere Demokratie einzusetzen und dachte ganz aktuell an den Riss, der in Pandemiezeiten durch unsere Gesellschaft gehe. „Da marschieren auch Menschen als Querdenker durch Remscheid, die nicht auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen.“

Was es auch heute brauche, sei Mut, forderte Klaus Blumberg, ebenfalls Vorstand im Verein. Mut, wie ihn einst die Unternehmerfamilie Reh in Hasten bewies, die kurz vor Ende des 2. Weltkriegs den zum Christentum konvertierten Juden und angeheirateten Familienangehörigen Oskar Pollitz in ihrem Patrizierhaus in der heutigen Büchelstraße 19 ein halbes Jahr in einer Dachkammer versteckte, bevor Pollitz im März 1945 eines natürlichen Todes starb.

Andrea Blesius hatte den Fall nach 72 Jahren recherchiert und im RGA öffentlich gemacht. Im Zuge ihrer Geschichtsforschung hatte sie das heutige Besitzer-Ehepaar des Hauses Büchelstraße 19 kennengelernt. Andrea Jakob-Pannier war bei der Kranzniederlegung anwesend und versprach: „Wir sehen für unser Haus eine gesellschaftspolitische Verantwortung.“ Diese wolle sie mit ihrem Mann annehmen. Sie erklärte den Gästen, dass sie Kontakt zu der noch lebenden Tochter von Ferdinand Reh aufgenommen habe. Sie stimmt mit Andrea Blesius überein, dass es eine Geste wäre, wenn vor dem Haus ein Stolperstein für Pollitz verlegt werden könnte. In jedem Fall wird es im Pferdestall eine Tafel mit den Daten zum Schicksal des Oskar Pollitz geben. Eigentlich sollte sie schon zum Gedenktag präsentiert werden, war aber nicht rechtzeitig fertig geworden.
Das plant die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall 2022

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