Geschichte

Holocaust: Bilder und Worte zeigen dunkle Zeit

Gerhard Busch, Vorsitzender der Stiftung des Wilhelm-Palschmann-Haus, hat ein Buch über den Holocaust geschrieben, in dem er Gedanken und Fotos zu dem bedrückenden Thema teilt. Foto: Doro Siewert
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Gerhard Busch, Vorsitzender der Stiftung des Wilhelm-Palschmann-Haus, hat ein Buch über den Holocaust geschrieben, in dem er Gedanken und Fotos zu dem bedrückenden Thema teilt.

Remscheider Gerhard Busch schreibt in „Dort. Hier. Jetzt“ über den Holocaust.

Von Peter Klohs

Remscheid. An einem sonnendurchfluteten Frühlingsnachmittag über ein Buch zum dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zu sprechen, hat etwas Surreales. Alle Bücher, die sich ernsthaft mit dem Zustandekommen und den Auswüchsen des Holocaust beschäftigen, sind wichtig. Der Remscheider Gerhard Busch hat in seinem Buch „Dort. Hier. Jetzt.“ seine Gedanken und Ansichten zum Thema in Fotografien und Texten festgehalten.

Am Anfang steht sein Großvater, der seinerzeit als Binnenschiffer die brandenburgischen Kanäle befuhr und über einen „merkwürdigen Geruch“ berichtete, der in der Gegend um Sachsenhausen zuweilen vorherrschte. Auch prägend für Busch war die Erinnerung seines Vaters, der als einer von sechs Männern zu einem Erschießungskommando befohlen wurde. Nur bei dreien der Schießenden, so der Vater, habe sich scharfe Munition in ihren Gewehren befunden. Die Frage: „Welches Gewehr hatte ich?“ verfolgte seinen Vater das ganze Leben. Die Verantwortung einer möglichen Schuld habe ihn nie mehr losgelassen.

Ich war zunächst zum Fotografieren nicht fähig.

Gerhard Busch über einen Besuch in Auschwitz

Gerhard Busch bezieht in seine Gedanken und Fotos viele Zitate ein – und braucht sie auch für seinen Denk- und Schaffensprozess. So Luthers „Hier stehe ich – ich kann nicht anders“. Das Wahrnehmen ist ihm wichtig, oder besser: das wahr nehmen, es annehmen. „Über die Frage, wie so etwas wie der Holocaust überhaupt möglich ist und war, komme ich zu dem Gedanken, dass auch meine eigene Geschichte Teil davon ist. Die Grausamkeiten des Holocaust sind letzten Endes nicht zu fassen, aber auch nicht loszulassen. Auschwitz wird so nicht zu einer politischen Frage, sondern zu einer Beziehungsfrage. Ich gebe dem Grauen Raum und lasse mich davon berühren.“ Seine zehnseitigen Gedanken zum Buch sind voll von erhellenden und klärenden Zitaten: Nietzsche, Georges Didi-Hubermann und Albert Camus werden neben anderen wichtigen Beiträgen zitiert.

Fotos standen am Anfang seines künstlerischen Prozesses. Gerhard Busch besuchte in den Jahren 2012 und 2013 zweimal Auschwitz. „Ich hatte die Kamera als Begleiter dabei“, erzählt er, „war aber zunächst zum Fotografieren nicht fähig.“ Mit Mühen entstanden Fotos von Barackenmauern, morbide und drohend, von Behältern, in denen Gas gelagert war, von der Aufschrift „Arbeit macht frei“, von Verbrennungsöfen. Ein Blick auf die grundsätzlich in Schwarz und Weiß gehaltenen Bilder erzeugt einen dunklen Punkt irgendwo im Magen, der das Atmen erschwert. Die Bilder sind erst weit später angesehen und bearbeitet worden.

Die Worte zu den Fotos und seinen Beweggründen, dieses Buch zu verfassen, kamen noch später, ausgelöst durch Gedanken zum Schweigen der Täter und der Opfer. „Die an den Gräueltaten im Dritten Reich beteiligten, egal ob als Opfer oder als Täter, waren sich aus unterschiedlichen Motiven heraus unausgesprochen einig: Darüber reden wir nicht.“ Gerhard Busch erinnert sich an eine Klasse jüdischer Schüler, die zeitgleich in Auschwitz war und die er gerne fotografiert hätte, dazu aber nicht fähig war. Er selbst beschreibt seine Gefühle beim Besuch in Auschwitz als „Demut“.

Nun ist das Buch „Dort. Hier. Jetzt.“ nach gut zehnjähriger Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust als Privatdruck da. „Ich habe nicht die Absicht, es professionell veröffentlichen zu lassen. Ich habe darüber nachgedacht, es der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall zur Verfügung zu stellen. Und nach diesem Gespräch bin ich entschlossen dazu. Das wird jetzt in die Wege geleitet.“

Zur Person

Gerhard Busch wurde 1950 in Coesfeld geboren, lebt seit 1979 in Remscheid. Als gelernter Betriebsschlosser wandte er sich in den 80er Jahren der Sozialarbeit zu. Heute ist er Vorstand der Stiftung Wilhelm-Paschmann-Haus in Lennep, einer Einrichtung, in der nichtsesshafte Männer mit einer Alkoholproblematik aufgenommen werden. Er war politisch aktiv und hat im Wahlkampf für Willy Brandt gekämpft. Wichtig sei ihm, „die Spuren von gestern zu sehen. Auch die eigenen.“

Lesen Sie auch: Im Pferdestall wurde im Januar der Befreiung des KZ Auschwitz vor 77 Jahren gedacht.

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