Angespannte Lage

Hoher Krankenstand: Sommerwelle trifft auf Sommergrippe

Der hohe Krankenstand sorgt für eine angespannte Lage unter anderem im Sana-Klinikum und bei den Stadtwerken. Die TBR greifen derweil für die Müllabfuhr auf Leiharbeiter zurück, um die entstandenen Lücken zu stopfen.
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Der hohe Krankenstand sorgt für eine angespannte Lage unter anderem im Sana-Klinikum.

Ein hoher Krankenstand bei der Stadt, im Sana-Klinikum und anderen Einrichtungen sorgt für Einschränkungen.

Von Michelle Jünger, Frank Michalczak und Sven Schlickowey

Remscheid. Bei den Stadtwerken fallen wieder Fahrten aus, das Sana-Klinikum verschiebt weiterhin planbare Operationen und die Müllabfuhr greift auf Leiharbeiter zurück - Corona und andere Krankheiten sorgen für Einschränkungen im öffentlichen Leben in Remscheid.

Die TBR greifen derweil für die Müllabfuhr auf Leiharbeiter zurück, um die entstandenen Lücken zu stopfen.

So meldet die Stadtverwaltung einen vergleichsweise hohen Krankenstand: Zum Stichtag in der vergangenen Woche zählte man 51 Mitarbeitende, die sich in Quarantäne befanden, Tendenz steigend. „Es kann momentan in Einzelfällen zu längeren Wartezeiten kommen“, berichtet Viola Juric, Sprecherin der Stadt Remscheid. „Wir werden alles tun, dass es nicht zu Leistungseinschränkungen kommt. Ausschließen können wir das aber nicht, wenn die Zahl der Fälle weiter steigt.“

Für Personalchef Jörg Biermann kommt noch ein zweiter Faktor dazu. „Wir haben zusätzlich noch eine typische Sommergrippenwelle.“ Auch dies schlage sich bei der Zahl der erkrankten Mitarbeiter nieder. Sorgen bereitet ihm, dass zahlreiche Kollegen in den nächsten Wochen mit einer Corona-Infektion aus dem Urlaub zurückkehren könnten. „Die allermeisten Ansteckungen erfolgen ihn privaten Umfeld und nicht am Arbeitsplatz“, erklärt er.

Zu Einschränkungen kommt es längst auch im Busverkehr. Die Belegschaft der Stadtwerke ist so ausgedünnt, dass der Betrieb an den meisten Tagen nur eingeschränkt aufrecht erhalten wird.

„Es kann momentan zu längeren Wartezeiten kommen.“

Stadtsprecherin Viola Juric

Auch im Servicecenter der EWR im Allee-Center kam es in den vergangenen Wochen zu Einschränkungen und langen Wartezeiten. Zwischendurch war ein Drittel der Mitarbeiter in Quarantäne und der Kundenandrang durch die Schreiben zur Gaspreis-Erhöhung hoch. „Das sind mittlerweile ganz andere Gespräche, die wir führen, die dauern viel länger“, fügt Servicecenter-Leiterin Sabine Papendick hinzu. Mittlerweile sei es aber wieder entspannter, es fehlten nur noch zwei Angestellte.

Im Sana-Klinikum müssen aufgrund der hohen Infektionszahlen weiterhin nicht dringliche und planbare Operationen verschoben werden. Nach Auskunft einer Sprecherin der Klinik sei die Patientenversorgung aber weiterhin voll gewährleistet.

Etwas besser haben es da die Technischen Betriebe (TBR), die für die Müllabfuhr auf externe Hilfe in Form von Leiharbeitern zurückgreifen können. „Das ist für uns nichts Ungewöhnliches“, erklärt der zuständige Geschäftsbereichsleiter Michael Sauer. „Das machen wir in der Urlaubszeit häufiger oder wenn gerade mal wieder eine Welle über uns schwappt.“ So habe man es in den vergangenen Jahren meist ohne Ausfälle ganzer Touren geschafft.

Der hohe Krankenstand ist kein reines Remscheider Phänomen. Das Solinger Klinikum bittet um Verständnis für längere Wartezeiten - weil statt wie sonst üblich 20 bis 40 Beschäftigte derzeit etwa 180 fehlen. Die Wuppertaler Sparkasse schließt ganze Filialen, im Kreis Viersen bleibt der Müll teilweise stehen, in Gütersloh schränkt ein Hallenbad seine Öffnungszeiten ein und die Leipziger Verkehrsbetriebe dünnen den Fahrplan aus.

Auch die Zahlen der Krankenversicherungen spreche eine eindeutige Sprache, selbst wenn ganz aktuelle Daten noch nicht vorliegen: Die Techniker vermeldete für das erste Quartal 2022 den höchsten Krankenstand unter ihren Versicherten seit Erfassung der Werte. Und der Bundesverband der Betriebskrankenkassen hat von Januar bis Mai für jeden Monat des aktuellen Jahres einen Wert ausgewiesen, der deutlich über dem des Vorjahres lag. Experten gehen davon aus, dass sich in den nächsten Monaten fortsetzt.

Hintergrund

Die Statistiker errechnen den Krankenstand indem sie zu bestimmten Stichtagen den Anteil der krankgeschriebenen Arbeitnehmer unter den gesetzlich Krankenversicherten erfassen und daraus einen Jahresmittelwert bestimmen. 2007 erreichte der Wert mit 3,22 ein historisches Tief, 2017 lag er bei 4,25 Prozent, 2021 bei 4,34. Im Jahr 2022 liegt der Krankenstand bisher bei 5,46. Bestätigt sich das, wäre das der höchste Wert seit über 30 Jahren.

Alle weiteren Nachrichten zur Corona-Lage in Remscheid finden Sie in unserem Live-Blog.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Kann, muss aber nicht

sven.schlickowey@rga.de

Es nicht nur Corona, aber zu einem großen Teil, das derzeit dafür sorgt, dass Busfahrer, Pfleger, Verwaltungsmitarbeiter und Erzieher fehlen. Auch wenn dreistellige Inzidenzen heute kaum noch jemanden schocken, ein Wert von 714 heißt, dass sich jeden Tag mehr als 100 Remscheider neu anstecken. Und das sind nur die, von denen wir wissen. In dieser Phase hat die Bundesregierung beschlossen, den Anspruch auf Corona-Tests deutlich einzuschränken. Weil, wie man hört, die FDP das so wollte.

Die hat zwar Geld, um den Spitzensteuersatz und die Unternehmenssteuer zu senken, nicht aber um ein paar Tests zu bezahlen , die helfen könnten, Infektionen zu entdecken bevor Symptome auftreten. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Wenn Anfang August die Ferien rum sind und alle samt Corona-Mitbringsel aus dem Urlaub zurück sind, wissen wir, ob's geklappt hat. Unter Umständen ist es dann aber zu spät.

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