Polizei und Ordnungsdienst sind im Einsatz

Die Parkplätze sind überfüllt, die Hänge sind voll

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Die Polizei und der Kommunale Ordnungsdienst sind aktuell wieder vor Ort und kontrollieren, ob die Abstände in Coronazeiten eingehalten werden.

Die Stadt bittet alle Remscheider, die bekannten Rodelgebiete zu meiden.

+++Update 13.30 Uhr+++ Remscheid. Nachdem es bereits am Freitag zu chaotischen Zuständen am Hohenhagen gekommen war, ziehen auch aktuell wieder massenweise Rodeltouristen zum höchsten Punkt Remscheids. Daher ließ Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) landesweit über die Medien den Appell verbreiten:

Die Stadt bittet alle Remscheider, die bekannten Rodelgebiete zu meiden.

Bitte kommt nicht zum Rodeln nach Remscheid! Auch die eigenen Bürger werden aktuell gebeten, die entsprechenden Gebiete nicht aufzusuchen. „Die Parkplätze sind überfüllt, die Hänge sehr voll. Mit Blick auf die pandemische Lage ist es unverantwortlich, wenn noch mehr Menschen dort zusammenkommen“, warnt der Stadtchef. Während die beliebten Schneegebiete im Sauerland und in der Eifel weniger Andrang verspüren als in den vergangenen Tagen, fahren derzeit vor allem zahlreiche Auswärtige nach Remscheid. Die Kennzeichen weisen Kölner, Düsseldorfer und weitere Touristen aus, die in ihren flachen Städten keinen Schnee haben. 

In den sozialen Netzwerken posten die Rodler Fotos vom Hohenhagen – der höchste Punkt wird als Geheimtipp verbreitet. Was auch dem Bezirksbürgermeister übel aufstößt. Stefan Grote (SPD) hatte bereits am Freitagmorgen, als die ersten Flocken liegen blieben, im Rathaus Alarm geschlagen. Er befürchtete einen regelrechten Schneetourismus – und behielt Recht.

Die Polizei und der Kommunale Ordnungsdienst sind aktuell wieder vor Ort und kontrollieren, ob die Abstände in Coronazeiten eingehalten werden. Auch der Krisenstab ist informiert. Denn abermals herrschen chaotische Zustände in den Straße rings um den Fernsehturm, am Aldi, in den Wohngebieten. Autos werden einfach rücksichtslos abgestellt. „Wir tun alles, um das in den Griff zu bekommen“, betont der Oberbürgermeister. Eine Sperrung komme allerdings nicht infrage, sagt Burkhard Mast-Weisz auf RGA-Nachfrage. „Wie sollen wir den Hohenhagen sperren? Er hat zahlreiche Zugänge.“ Man wolle den Menschen ihr Schneevergnügen gar nicht verbieten, sagt der Stadtchef. „Im Gegenteil, sie sollen ja raus an die frische Luft. Aber bitte nicht in Massen.“ Selbst wenn man die Flächen rund um den Fernsehturm sperren würde, würden die Rodler nur auf andere Bereiche ausweichen, zum Beispiel den Kuckuck oder die Erdbeerfelder, vermutet Burkhard Mast-Weisz. Daher der landesweite Appell, den Schlitten nicht auf die Dachbox zu schnallen und nach Remscheid zu fahren. 

In den sozialen Netzwerken diskutierten die Remscheider heftig über den Schneetourismus in ihrer Stadt. Viele sind sauer. „Hohenhagen, neues Winterberg, morgen kommen noch die ganzen Influencer“ hieß es da, oder „So kriegen wir die Pandemie nie in den Griff!“ Andere wiederum sagen: „Es ist doch alles geschlossen, man kann doch sonst nichts machen. Lasst den Menschen doch ihren Spaß!“-mw-


+++Update 13 Uhr+++
Die Stadt Remscheid bittet dringend darum, dass niemand zum Rodeln und Wintersport nach Remscheid kommt. Auch alle Remscheider werden gebeten, die entsprechenden Gebiete nicht aufzusuchen.

Die Parkplätze sind überfüllt, die Hänge sind voll.

Mit Blick auf die pandemische Lage wäre es unverantwortlich, wenn noch mehr Menschen dort zusammenkommen, meldet die Stadt in einer aktuellen Pressemeldung. Polizei und Ordnungsdienst sind bereits im Einsatz.

Artikel vom 9.1.2021

Hohenhagen wird von Rodlern überrannt

Nächtlicher Wintereinbruch bescherte TBR viel Arbeit – Es gab keine Verkehrsbeeinträchtigungen, aber...

Von Andreas Weber und Sven Schlickowey

Remscheid. Es hatte sich am Donnerstag angekündigt, in der Nacht auf Freitag wurde es wahr: In Remscheid schneite es. Diesmal blieben die Flocken liegen.

Voll wurde es am Hohenhagen ab dem frühen Freitagnachmittag. Die Rodler kamen auch aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland.

Rund zehn Zentimeter Neuschnee waren mancherorts gefallen. Das reichte zum Rodeln und für Schneemänner, sorgte bei den Technischen Betrieben (TBR) aber für jede Menge Arbeit und am Hohenhagen für den Ausnahmezustand.

Anders als letzten Februar, als ähnliche Mengen fielen, blieb das Verkehrschaos aus. „Es hat relativ gut geklappt“, zog Michael Sauer, zuständiger Geschäftsbereichsleiter bei den TBR, Freitagvormittag ein Zwischenfazit. Bereits am Donnerstag habe man mit mehr Schnee gerechnet – entsprechend gut sei man vorbereitet gewesen:

Der Winterdienst war ab drei Uhr in der Früh unterwegs – und kam auf den Hauptstraßen dank wenig Berufsverkehr gut durch.

„Wir hatten die Pflüge drauf und haben sie abends nicht abmontiert.“ So habe man den Donnerstag nutzen können, um neue Fahrer in den Betrieb mit Pflug einweisen zu können. Sauer: „Wir waren gut im Training. Das hat sich ausgezahlt.“

„Wir waren gut im Training. Das hat sich ausgezahlt.“
Michael Sauer, TBR

Ab drei Uhr in der Früh seien die TBR-Mitarbeiter unterwegs gewesen, berichtet Michael Sauer: „Wir hatten keine großen Ausfälle.“ Dass es wegen Ferien und Pandemie verhältnismäßig wenig Berufsverkehr gab, habe auf der einen Seite, bei den Hauptstraßen, geholfen, so Sauer. Sorgte aber in Nebenstraßen für Probleme:

Über Nacht knapp zehn Zentimeter Neuschnee. Das lud gestern viele auch zu einem winterlichen Spaziergang in den Wäldern ein.

„Die sind teilweise so zugeparkt, dass wir mit den großen Fahrzeugen nicht durchkommen.“ Für solche Fälle verfügen die TBR über kleinere Räumfahrzeuge, die auf Zuruf ausrücken – was allerdings bis in den Nachmittag dauerte.

Sorgte der Schnee bei den TBR für nächtliche Zusatzschichten, hatten Kinder und Jugendlichen Freude. Schon vormittags wuchsen Schneemänner unterschiedlicher Größe empor. An den bekannten Rodelhängen, wie dem höchsten Punkt der Stadt (378 Meter), dem Hohenhagen, ging es rund. Das rief Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) bereits morgens auf den Plan: Er befürchtete einen Schneetourismus - und schlug bei Stadtchef Burkhard Mast-Weisz Alarm. „Ich bitte daher, Vorkehrungen wegen Corona zu treffen, damit wir dort kein zweites Winterberg erleben“, schrieb er dem OB. Und sollte Recht behalten: In Massen strömten die Menschen zur Piste. Der Appell kam an. Oberbürgermeister Mast-Weisz bat die Ordnungsbehörden, am Hohenhagen zu kontrollieren. Niemand habe etwas gegen einzelne Rodler, sagte Mast-Weisz: „Wir müssen aber darauf achten, dass es nicht zu chaotischen Verhältnissen kommt.“

Remscheid: Rund um den Fernsehturm trudelten Winterfreizeitsportler an

Die traten am frühen Nachmittag tatsächlich ein. An den Hängen rund um den Fernsehturm trudelten die Winterfreizeitsportler an. „Als würden Busladungen ausgespuckt“, bemerkte ein genervter Anwohner kopfschüttelnd. Bilder aus Winterberg und Hellenthal wurden schnell lebendig.

Winter in Remscheid

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Autos von überall trafen ein - vom Ruhrgebiet bis zum Rheinland. Es hatte sich offensichtlich in den sozialen Medien herumgesprochen, dass die Höhenlage in unmittelbarer Nähe der A 1 gute Voraussetzungen zum Rodeln verspricht. Es gab dann auch bald ein Parkproblem, nicht nur, weil der Aldi-Parkplatz am Hohenhagen zum Abstellen der Fahrzeuge ausgesucht wurde. Etwas weiter an der Hohenhanener Straße ging auch nichts mehr. Selbst ohne die Wintergäste ist es für die Anwohner zum Parken schon sehr eng.

Eine der beliebtesten Rodelwiesen in Remscheid gehört Rosemarie und Dieter Paulusch. Das Landwirte-Ehepaar von der Tackermühle hat prinzipiell keine Probleme, wenn Familien auf den Schlitten den Hang vor der traumhaften Kulisse im Grünen runterrutschen. Wer sich an die Corona-Spielregeln halte, sei eingeladen. „Die Wiese ist freigegeben. Es ist schön, wenn Kinder in diesen Zeiten eine Abwechselung haben“, findet Rosemarie Paulusch, Eine klare Einschränkung schickt sie hinterher: „Wer dort rodelt, muss das, was er mitgebracht hat wieder mitnehmen. Müll darf nicht hinterlassen werden.“ Schlitten sind zwar gern gesehen auf dem verpachteten Weideland, das der Heugewinnung dient und nicht eingezäunt ist, aber: „Die Natur sollte sauber gehalten werden.“

Am Wochenende sind weniger Niederschläge vorhergesagt. Trotzdem bleiben die TBR in Alarmbereitschaft. „Wir erwarten tiefen Frost, Temperaturen bis Minus sieben Grad“, sagt Michael Sauer. Gleichzeitig gebe es auf Straßen und Gehwegen viel Feuchtigkeit. Vorsicht sei geboten: „Es kann glatt werden.“ 

Rodelstrecken bitte meiden

Elf Rodelstraßen weist die Verwaltung im Stadtgebiet Remscheid aus, wenn es der Winter zulässt.

Schlittenrennen im Lenneper Hardtpark: Nadine Figueiredo mit Sohn Eloy (9) gegen Sohn Luis (7) und Tochter Alba (5).

Momentan hält sich die Stadt mit der Bekanntgabe dieser Orte jedoch zurück, wohlwissend, dass der Andrang so groß werden könnte, dass die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden. Selbst wenn Rodeln an der frischen Luft stattfindet, so bitten Stadt und Polizei eindringlich, die Rodelstrecken, vor allem den Hohenhagen, in dieser Ausnahmesituation zu meiden. Polizei und Ordnungsamt würden diese Bereiche von nun an regelmäßig kontrollieren „und Verstöße gegen Abstandsregeln und Maskenpflicht konsequent ahnden“.

Standpunkt: Schlicht unverantwortlich

Von Sven Schlickowey

Man kann einen Fehler nicht zweimal machen, heißt es in einem Sprichwort. Denn beim zweiten Mal ist es kein Fehler mehr – sondern eine bewusste Entscheidung. Diesen Vorwurf müssen sich ohne Zweifel auch die Eltern machen lassen, die am Freitagnachmittag mit ihren Kindern zum Hohenhagen zogen, obwohl schon die Zufahrtswege erkennen ließen, dass dort für Corona-Zeiten viel zu viel los war.

sven.schlickowey@rga-online.de

Das wäre schon ohne die Ereignisse im Sauerland nicht sonderlich clever gewesen. Aber mit dieser Vorgeschichte war es schlicht dumm und unverantwortlich. 

Bei allem Verständnis dafür, dass man sich über Schnee freut und einfach mal raus will, mit Corona ist eben nicht alles möglich. Angesichts ihres teils planlosen Auftretens, der verspäteten Impfstoffbestellungen und der zum Teil immer noch nicht ausgezahlten Wirtschaftshilfen wirft man der Regierung ja gelegentlich vor, in der Krise versagt zu haben. Vielleicht sind es aber ja auch die Leute, die versagt haben. Zumindest ein Teil von ihnen. Aber der reicht in der Pandemie leider schon aus.

Vorsicht auf den Straßen im gesamten Bergischen Land. Es hat geschneit - manchem Remscheider bescherte die weiße Pracht bereits gestern Abend Rutschpartien.

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