RGA vor Ort - die Stadtteilserie

Hochwasserschutz im Eschbachtal rückt in den Fokus

Sportamtsleiter Martin Sternkopf freut sich auf den Umbau (l.). „Wir schaffen hier Werte“, sagt er. Das Gebäude im Hintergrund soll weichen. Stattdessen wird es ein neues, zentrales Hauptgebäude geben.
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Sportamtsleiter Martin Sternkopf freut sich auf den Umbau (l.). „Wir schaffen hier Werte“, sagt er. Das Gebäude im Hintergrund soll weichen. Stattdessen wird es ein neues, zentrales Hauptgebäude geben.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Nach der Überflutung des Freibads am 14. Juli wird eine Eschbach-Offenlegung in die Umbaupläne einbezogen

Remscheid. Es ist die Perle des Südens: das Freibad Eschbachtal, das älteste Binnenfreibad Deutschlands, eine Idylle auf 30 000 Quadratmetern. Hier kann jeder für kleines Geld einen Urlaubstag direkt vor der Haustür genießen. „Insofern erfüllt das Freibad auch eine wichtige soziale Komponente“, sagt Hausherr Martin Sternkopf, Leiter des Sportamtes.

Nur kann die bergische Perle ihrer Bestimmung aktuell nicht nachkommen: Bei der Überschwemmung am 14. Juli sind Schäden in Höhe von rund 25 000 Euro entstanden. Unter anderem wurde der Kanal unterspült. „Wir müssen nun bei jedem Regen fürchten, dass das Babybecken und die Wiese überschwemmt werden.“ Die Jahrtausend-Flut hat nicht nur Spuren hinterlassen, sondern auch die Saison begraben. Nur um die 1000 Besucher zählte das Team diesen Sommer. 2020 waren es, trotz Corona, knapp über 10 000. Die Stadt versucht nun alles, die Betriebsfähigkeit zumindest für das 3. Eschtival am 11. September und das Hundeschwimmen herzustellen.

Die Planung übernehmen Velberter Experten.

Eins hat die Flutwelle am 14. Juli auf jeden Fall aufgewühlt: dass die Verantwortlichen den Hochwasserschutz im Freibad stärker in den Blick nehmen. Schon drei Mal ist das älteste Binnenfreibads Deutschlands überflutet worden: 2007, 2013 und eben vor drei Wochen. Der Stau im Kanal sei das Kernproblem, sagt Sternkopf. „Wir müssen den Eschbach neu denken“, sagt Martin Sternkopf.

Es gebe Stimmen beim Umweltamt und beim Förderverein, die sagen: Wir legen den Eschbach wieder frei, quer durchs Bad, damit er nicht mehr über die Ufer treten kann. Für solch eine Renaturierung gebe es Fördermittel. Der Geschäftsführer von Krieger Architekten habe eine mögliche Offenlegung des Baches bereits ins Konzept aufgenommen. Die Experten aus Velbert, die laut Sternkopf „Platzhirsche“ auf dem Gebiet der Bade- und Wassertechnik sind, haben 2018 nicht nur die Machbarkeitsstudie durchgeführt, sondern auch den Zuschlag für die Freiraumplanung erhalten. Und die sieht sie vor:

Becken: Die Lage der Becken aus den 60er-Jahren soll nicht verändert werden. Die Betonqualität ist gut. Aber: Künftig soll es nur noch vier 50-Meter-Bahnen im Schwimmerbecken geben. „Hier gibt es übrigens die einzige 50-Meter-Bahn in Remscheid“. Sein Wunsch wären Edelstahlbecken, da ohne Fliesen wartungsfreundlicher – und damit kostensparender.

Wir müssen den Eschbach neu denken.

Martin Sternkopf, Sportamtleiter

Zuwegung: Wie es bereits zu früheren Zeiten einmal üblich war, soll die Zuwegung ins Bad künftig barrierefrei sein.

Hauptgebäude: Das aktuelle Hauptgebäude am Eingang soll abgerissen werden. So auch der linke Komplex, in dem eine Dienstwohnung, ein Gaststättenbereich, der nie genutzt wird, und der Kiosk untergebracht sind. Dafür soll es ein zentrales neues Hauptgebäude rechts geben – mit Kasse, Kiosk, Duschen und Dienstwohnung. Auch die Solaranlage soll wieder aufs Dach. Das Technikhäuschen bleibt.

Einen Sandstrand, wie auf dem Bild von 1920, wird es allerdings nicht geben

Beachvolleyballfeld: Dieses bleibt, wird aber in einen vernünftigen Zustand gebracht.

Strand: Auch wenn es ihn früher mal gab – einen Sandstrand wird das Freibad nicht mehr erhalten, wohl aber barrierefreie Strandeinstiege.

Bauzeit: Die Planung hat im Juli begonnen. Bislang ging man von sechs Monaten aus, vermutlich wird es aber nun länger dauern. Die reine Bauzeit beträgt 2,5 bis 2,75 Jahre – wenn alles glattläuft.

Aus dem Strandbad wurde das Freibad

Das Freibad in den Anfängen des 20. Jahrhunderts
Das Freibad in den Anfängen des 20. Jahrhunderts. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad in den Anfängen des 20. Jahrhunderts.
Das Strandbad in den Anfängen des 20. Jahrhunderts. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad in den Anfängen des 20. Jahrhunderts..
Das Strandbad in den Anfängen des 20. Jahrhunderts.. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad Eschbachtal, 1912.
Das Strandbad Eschbachtal, 1912. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad um 1912.
Das Strandbad um 1912. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad 1913.
Das Strandbad 1913. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad 1915.
Das Strandbad 1915. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad im Jahr 1918.
Das Strandbad im Jahr 1918. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad, vermutlich im Jahr 1920.
Das Strandbad, vermutlich im Jahr 1920. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad Eschbachtal, 1920er Jahre.
Das Strandbad Eschbachtal, 1920er Jahre. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad 1929.
Das Strandbad 1929. © Archiv Stadt Remscheid
Das Strandbad um 1940.
Das Strandbad um 1940. © Archiv Stadt Remscheid

Aktuell: Das Team muss den Planern nun Zahlen, Daten und Ansprechpartner liefern. Die Becken wurden bereits vermessen. Der Kampfmittelräumdienst ist angefragt, um Luftbilder auszuwerten. Denn im Zweiten Weltkrieg gingen Bomben im Freibad runter.

Kosten: Aktuell gehen die Planer von 14,5 Millionen Euro aus – diese Summe sei bereits im Haushalt der Stadt eingepreist. Weil Remscheid aber überschuldet ist, musste vorab die Bezirksregierung Düsseldorf als Genehmigungsbehörde grünes Licht geben. Eine genaue Kostenermittlung gebe es im Laufe der nächsten Monate. Der Bund habe zudem zugesagt, für die überalterte Technik – sie stammt aus 1961/1962 – 2,6 Millionen Euro zuzuschießen. „Es hilft uns sehr, dass wir reinbuttern können. Der Umbau ist eine Investition in die Zukunft. Wir schaffen hier Werte“, bringt es Martin Sternkopf auf den Punkt.

Die Historie / Ende der Stadtteilserie

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Geschichte: Die Idee, ein Freibad zu errichten, geht auf die Initiative der Wassersportler zurück. Diese wandten sich an Ehrenbürger Robert Böker. Er kaufte die benötigten Grundstücke von seinem Geld und stellte die Pläne für ein Freibad vor. Der damalige Oberbürgermeister Karl Jarres war begeistert. Nach mehrjährigem Bau wurde das städtische Strandbad am 29. Juni 1912 in Betrieb genommen – übrigens bei strömendem Regen. Es gab einen aufgeschütteten Sandstrand, ein Restaurant mit Terrasse, und das Wasser für die drei Becken wurde von der Pumpstation im Eschbachtal zugeführt – dies war einzigartig in Deutschland. Die Straßenbahn hielt vor dem Bad. Im ersten Jahr kamen 116 960 Besucher.

Serie: Mit diesem Teil endet unsere große RGA-Stadtteilserie. Alle Teile und alle Podcasts gibt es hier: rga.de/vor-ort

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