Historisches Foto

Wo stand dieser Gebäudekomplex?

Wo stand dieser Gebäudekomplex? Und was ist heute dort zu finden?
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Wo stand dieser Gebäudekomplex? Und was ist heute dort zu finden?
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Das RGA-Rätselfoto der vergangenen Woche führte in die Lenneper Kammgarnsiedlung – Spinnerei Wülfing bot Mädchen für 60 Pfennig Bett und Logis.

Remscheid. Diesen großen Gebäudekomplex haben viele Remscheider von innen kennengelernt oder besser gesagt: kennenlernen müssen. Wo stand dieser Gebäudekomplex? Und was ist heute dort zu finden? Schicken Sie die Lösung, gerne verbunden mit ihren Erinnerungen, bis zum kommenden Donnerstag, 5. Januar, an den Remscheider General-Anzeiger (RGA), Alleestraße 77-81, 42853 Remscheid, E-Mail: redaktion@rga.de

Das Rätselbild der vergangenen Woche: Arbeiterinnen fühlten sich im Heim sehr wohl

Der Blick in die Kammgarnsiedlung in Lennep mit dem Mädchenheim im Vordergrund, in dem heute Flüchtlinge und die Tafel untergebracht sind, weckte bei Heinz-Jürgen Schmitz große Erinnerungen. Er schreibt: „Die Aufnahme muss aus Richtung Kimmenauer Weg aufgenommen worden sein. Meine Frau wurde in der Augustenstraße, nach der Ehefrau des Kommerzienrates Hardt Augusta Fuhrmann benannt, groß. 1674 wurde ausschließlich von Familienmitgliedern Hardt die Tuchfabrikation Wülfing gegründet. Das Mädchenheim der Firma Johann Wülfing und Sohn entstand im Zusammenhang mit dem Aufbau der Kammgarnspinnerei ab 1880.“

Aufgenommen im Jahr 1936: das Mädchenheim der Firma Wülfing an der Ecke Wülfing-/Arnold-Wilhelm-Straße.

Und weiter: „Die sozialen Anlagen der Firma waren damalig sehr modern und vorbildlich. Das Heim wurde von dem 1932 verstorbenen Architekten der Gründerzeit Albert Schmidt 1886 erbaut. Schmidt war auch federführend für die Fabrik und die Wohngebäude der Kammgarnspinnerei. Der 1884 geborene Fritz Hardt, Sohn von Friedrich Hardt, war einer der Erbauer der Spinnerei.“

Er fährt fort: „Leider ging eine uralte harsche Dynastie mit dem Konkurs 1998 zu Ende. 2004 erfolgte dann ein kompletter Umbau mit Hallenneubau. Gut zu erkennen im Vordergrund ist die nach dem geheimen Kommerzienrat Arnold Wilhelm Hardt benannte Siedlungsstraße Arnold-Wilhelm.“

Heute sind in dem riesigen Eckgebäude eine Flüchtlingsunterkunft sowie die Remscheider Tafel untergebracht.

Das gesuchte Haus ist für Ingo Münch Arbeitsplatz oder sogar etwas mehr: „Für mich ist die Wülfingstraße 1 wie mein zweites Zuhause. Denn ich bin seit über 30 Jahren als Unterkunftshausmeister tätig. In der Wülfingstraße arbeite ich seit über zehn Jahren und helfe dort Geflüchteten, ihren Alltag so gut wie möglich zu bewältigen, damit sie sich in unserer Gesellschaft zurechtfinden.“ Auch Daniel Berg kennt die Ecke genau: „Ich bin in der Kammgarnsiedlung aufgewachsen. Das Gebäude ist zweimal abgebrannt und wieder aufgebaut worden.“

Melanie Sczensy erkannte das Haus rechts im Bild: „Hier habe ich mit meiner Familie als Kind gelebt.“

Fließendes Wasser, Gaslicht und Zentralheizung waren besonders

Helmut Schucht teilt mit: „Der abgebildete Gebäudekomplex gehört zur Kammgarn-Spinnerei Johann Wülfing. Im Gebäudekomplex waren Personen untergebracht, die im Unternehmen beschäftigt waren. Hier wurde gespeist, gefeiert und geschlafen. Die Menschen fühlten sich hier sehr wohl, ihnen fehlte es an nichts.“

In einem RGA-Bericht, in dem der Geschichtsverein auf fast 130 Jahre Mädchenheim zurückblickte, wird präzisiert: „Bett und Logis für 60 Pfennige am Tag gab es gegen Ende des 19. Jahrhunderts für unverheiratete, auswärtige Arbeiterinnen der Kammgarn-Spinnerei im Mädchenwohnheim an der Wülfingstraße. Der Lenneper Baumeister Albert Schmidt hatte das Haus 1886 errichtet. Die Firma Wülfing gab Mädchen aus ganz Deutschland die Möglichkeit, hier zu wohnen. Schon damals gab es im Haus fließendes Wasser, eine Zentralheizung und Gaslicht. Das war für die Mädchen, die größtenteils vom Land kamen, etwas Besonderes, erzählte Daniela Krein vom Verein BAF, der das Mädchenheim lange für die Flüchtlingsbetreuung nutzte. Im Ersten Weltkrieg diente das Haus als Lazarett. Nach einem Brand Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der gesamte vordere Teil des Hauses zerstört.“

Und weiter: „Hatten vorher 86 Mädchen hier gewohnt, fanden nach dem Wiederaufbau 130 Arbeiterinnen eine Unterkunft. Der große Saal im Erdgeschoss, der heute zweimal pro Woche Ausgabe für Lebensmittel der Tafel ist, wurde damals als Speisesaal genutzt.“ In dem RGA-Bericht denkt Christel Orlowski an eine „wunderschöne Zeit“ zurück. Sie arbeitete von 1957 bis 1962 in der Kammgarnspinnerei und lebte im Wohnheim: „Ich kam aus dem Osten, bin hier geblieben und wohne in Lennep.“

Das Flüchtlingsheim in der Wülfingstraße, 1988 von der Stadt angemietet, ist eines von sechs in Remscheid plus einer Wohnanlage.

Weitere richtige Antworten sandten Professor Dr. Martin Ohst, Ulrich Hager, Bernd Kandzia.

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