Jugendprojekt

Hinterhof an der Allee wird zur „Bühne der Stille“

„Tune the June“ hieß es im Juni im Teo Otto Theater: #5630 lieferte dort mit 30 statt 300 Akteuren ein abgespecktes Pogramm. Archivfoto: Doro Siewert
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„Tune the June“ hieß es im Juni im Teo Otto Theater: #5630 lieferte dort mit 30 statt 300 Akteuren ein abgespecktes Pogramm.

Das Jugendprojekt #5630 verabschiedet sich in der Corona-Zeit von einer Großveranstaltung und setzt auf virtuelle Performance.

Von Andreas Weber

Remscheid. #5630 gibt nicht auf. Das Jugendprojekt, das nach zweijähriger Vorbereitung im November vergangenen Jahres seinen Höhepunkt in mehreren Multimedia-Shows in der Halle Neuenkamp finden sollte, voll in den Corona-Stillstand reinlief und alles absagen musste, trotzt der Pandemie nun auf einer anderen Präsentationsebene: Statt physischer Präsenz setzen die Macher Jochen Peitz und Marcel Haupt mit ihren vielen jugendlichen Hauptakteuren auf die virtuelle Welt. Als Schauplatz für ihre neue Idee haben sie einen riesigen Hinterhof in der Daniel-Schürmann-Straße auserkoren, im Rücken der Alleestraße.

#5630 leistet seinen kulturellen Beitrag zur Revitalisierung der Haupteinkaufszone. Als „ein Experiment und außergewöhnliches Projekt“ loben Christina Kutschaty (Planungsamt) und Joachim Karp (Wirtschaftsförderung), mit deren Unterstützung die Idee realisiert wird, das Vorhaben. Nachdem #5630 im Teo Otto Theater mit einem reduzierten Ensemble eine Werkschau aus ihrem Showprogramm abgeliefert, einen Pop-up-Store im Allee-Center eröffnet und einen Flashmob am Hauptbahnhof organisiert hatte, gehen die Initiatoren spannende neue Wege. Mehrere Überlegungen wurden für die Allee angestellt, Nummer 5 kommt schließlich zum Tragen.

Der Gedanke, ins leerstehende SinnLeffers-Gebäude zu gehen, musste verworfen werden, weil die Gespräche mit dem Eigentümer zu keinem Ergebnis führten. Auch einen der vielen Leerstände zu nutzen, schied aus. „Wir haben uns für den öffentlichen Raum entschieden“, erläuterte Jochen Peitz gestern Morgen auf einer Pressekonferenz im Sportzentrum von Artistic Jumpers/LTV in Lüttringhausen.

Ein ungenutzter 2000 Quadratmeter Hinterhof wird zur digitalen Spielstätte, zur „Bühne der Stille“ (Haupt), bei der sich die Besucher mit einer Virtual-Reality-Brille und interaktiven Touchpoints filmische Präsentationen von #5630 anschauen können. „Wir werden ein urbanes Umfeld künstlerisch in Szene setzen“, verspricht Marcel Haupt. Sich dort mit VR-Brillen unterhalten zu lassen, wird jedoch erst möglich sein, wenn die Corona-Bestimmungen gelockert werden. Geplant ist dann auch, in Geschäften auf der Allee Hinweise (in Form von QR-Codes) zu geben, die Neugierige über ihr Handy zum Hinterhof leitet. Eine erste Performance dort wird am 12. Februar (19.30 Uhr) live auf der Homepage „www.5630.eu“ gestreamt.

An drei Drehtagen entstand ein experimenteller Film

Auf die angrenzenden Fassaden gestalten Künstler Licht- und Video-Projektionen, untermalt von Musik. Dazu werden zwei Musiker ein „Balkonkonzert“ geben. Als Premiere wird ein Film gezeigt bzw. gestreamt, der vom Bergischen Kulturfonds gefördert wurde. Unter Mitwirkung von Tänzern und Künstlern, die sich mit Sounds und computergenerierten, interaktiven Animationen beschäftigen, entstand an drei Drehtagen ein experimenteller Film über Verwirrung, Wut und psychische Erschöpfung in Zeiten von Corona.

#5630 kündigt ein „exklusives Spektakel“ an. „Es wird für zwei Stunden etwas laut werden, wir hoffen auf die Toleranz der Anwohner“, bittet Jochen Peitz. #5630 will auf diese Weise jungen Remscheidern aus Sport, Kunst, Kultur und Wissenschaft ein Forum geben. „Die Talente in Remscheid sind vorhanden, aber sie sind alle in ihrer Blase und wenn sie auftreten und Erfolge feiern, dann oft außerhalb, wie die Verve Dance Company“, meint Peitz.

Eines dieser Talente ist Theodora Tu, die als Physik-Preisträgerin das Projekt von Anfang an intensiv begleitet hat. #5630 hat ihr viel gegeben. „Remscheid ist eigentlich super-unattraktiv für Jugendliche. Viele wollen hier so schnell wie möglich weg. Dabei muss Remscheid kein Beispiel für öde Langeweile sein. Unser Projekt gibt Jugendlichen den Raum zur Entfaltung“, meint die Absolventin des EMA-Gymnasiums.

Buchgeschenk

#5630 schaffte es trotz enorm viel Herzblut nie ganz auf die große Bühne. Erst kam die Finanzierung dazwischen, dann Corona. Leer gehen die 300 Akteure dennoch nicht aus. Denn es gibt für jeden ein hochwertiges Buch „#5630“ (Auflage: 350 Stück) als Geschenk, das die über zwei Jahre dauernde Vorbereitungen und Ergebnisse mit vielen Bildern und Texten aufarbeitet. Möglich wurde die Realisierung des 208 Seiten starken Buches durch den Fonds Soziokultur.

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