Krieg in der Ukraine

Hilfskonvoi aus Remscheid sendet Zeichen der Solidarität

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Am Donnerstag wurden die Hilfsgüter abgeladen. Am Freitag soll es weitere Gespräche geben, bevor sich der Konvoi auf den Heimweg macht.

Unterstützung aus Remscheid erfährt viel Aufmerksamkeit in der polnischen Parnterstadt Mragowo.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der Remscheider Hilfskonvoi ist gut im polnischen Partner-Landkreis Mragowo angekommen. Und hat für ordentlich Aufsehen gesorgt. „Das Presseecho hier vor Ort ist riesig“, berichtet Sozialdezernent Thomas Neuhaus als Teil der Delegation aus dem Bergischen. Sogar das polnische Fernsehen berichte landesweit über die Hilfe aus Remscheid, die als „besonderes Zeichen aus Deutschland“ wahrgenommen werde: „Das ist wohl etwas sehr ungewöhnliches, was man hier so noch nicht gesehen hat.“ Drei Lkw voll Hilfsgüter fahren von Remscheid nach Polen.

Deutlich mehr als 2000 Menschen aus der Ukraine suchen inzwischen Zuflucht in der Region, in einem Brief an den Oberbürgermeister hatte Landrätin Barbara Kuzmicka-Rogala um Hilfe bei der Versorgung der Flüchtlinge gebeten. Viele hätten nur wenige Habseligkeiten dabei, erklärte die Landrätin in einer Videokonferenz mit den Remscheider Partnern.

Die Situation vor Ort sei ausgesprochen bedrückend, berichtet Thomas Neuhaus am Donnerstag im RGA-Gespräch, nachdem die Remscheider eine der Flüchtlingsunterkünfte besucht hatte: „Man blickt da schon in sehr traurige Augen“, so der Sozialdezernent. „Ich habe dabei sehr mit mir gerungen.“

Das Wichtigste, das wir mitgebracht haben, ist Solidarität.

Thomas Neuhaus
Die Remscheider wurden von Landrätin Barbara Kuzmicka-Rogala empfangen und besuchten eine Unterkunft für Flüchtlinge.

Ganz ähnlich die Eindrücke, die Joachim Weber, der Vorsitzende der SG Hackenberg, schildert: „Es ist traurig, vor allem, wenn man die Kinder sieht.“ Der Bedarf an Hilfe sei groß, vieles für die Flüchtlinge noch ungeklärt. „Da hat man schon einen Kloß im Hals“.

Webers Sportverein alleine hatte rund 1,5 Tonnen Hilfsmaterial beigesteuert, darunter 30 Feldbetten. Als er gefragt wurde, ob er den Konvoi begleiten wolle, habe er keine Sekunde gezögert, sagt Weber: „Da braucht man ja nicht zu überlegen.“ Und auch sein Chef habe sofort zugestimmt und ihn für die Fahrt freigestellt: „Das Gespräch dauerte keine zehn Sekunden.“

Die Flüchtlinge in der Gegend von Mragowo seien fast ausschließlich Frauen mit Kindern, sagt Thomas Neuhaus: „Männer habe ich noch keine gesehen.“ Untergebracht seien sie überwiegend in Hotels: „Das ist eine strukturschwache, eher landwirtschaftlich geprägte Region, der einzige Wirtschaftszweig, der hier Wachstum verspricht, ist der Tourismus.“ So habe der polnische Staat vorübergehend auf die Hotel-Betten zurückgreifen können. „Noch sind wir vor der Saison“, sagt Neuhaus. „Wenn die beginnt, geht das nicht mehr.“

Landrätin Barbara Kuzmicka-Rogala (links).

Am Donnerstag wurden die Hilfsgüter abgeladen. Die Verteilung übernehmen Ortskräfte. „Die sind gerade dabei, unsere Ladelisten zu studieren“, berichtet Neuhaus am Donnerstagmittag. Ein Teil der Lieferung werde in die ukrainisch-polnische Grenzregion weitergeleitet. Einige Dinge, darunter vor allem die Stromerzeuger, sogar direkt ins Kriegsgebiet. „Das machen unsere polnischen Partner, die kennen sich damit aus.“

Es gehe aber ohnehin nicht nur um die Hilfsgüter, ist der Sozialdezernent überzeugt, was zähle, sei auch die Geste: „Das Wichtigste, das wir mitgebracht haben, ist Solidarität.“ Es gehe darum, zu zeigen, was man in einer solchen Situation bewegen kann, ergänzt Weber: „Eigene Hilfe ist schneller als Hilfe vom Amt“, fasst er das zusammen: „Vielleicht macht das ja Schule.“

Hintergrund

Der Konvoi besteht aus drei Fahrzeugen: einem 40-Tonnen-Sattelzug der Spedition Langescheid, einem 7,5-Tonnen-Lkw der Feuerwehr und einem Transporter der Stadt. Alle drei starteten in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Man sei gut durchgekommen, sagt Thomas Neuhaus. Nur der Feuerwehr-Lkw habe beinah schlappgemacht. Jedes Auto war für sich unterwegs, erst kurz vor der Ankunft gegen 20 Uhr am Mittwochabend bildeten sie eine Kolonne und fuhren zusammen nach Mragowo ein.

Lesen Sie auch: 100 Teilnehmer kamen zur Friedensdemo.

Ein Wunsch macht Jan Podolski sprachlos - Ehemaliger Handball-Trainer organisierte privaten Hilfstransport

Von Timo Lemmer

Remscheid. Jan Podolski ist nicht gerade auf den Mund gefallen. Was er aber bei seinem privaten Hilfstransport für die Ukraine aus Remscheid nach Polen erlebte, macht ihn bisweilen sprachlos. Vor allem eine Begebenheit: „Ich wurde gefragt, ob ich auch Leichensäcke besorgen kann. Da war ich so platt, ich konnte kein Wort sagen.“

Der 70-Jährige machte sich zunächst auf ins polnische Mielec im Karpatenvorland, eine Fahrt von etwa 1200 Kilometern. Dort wohnen nun zwei ukrainische Frauen mit ihren fünf Kindern bei Bekannten von ihm, wie er berichtet. „Deren Männer sind jetzt im Krieg.“ Für die Familien hatte er vor allem Kindersachen und Spielzeug geladen.

Doch für den Ex-Handballtrainer (unter anderem Güldenwerth und WTV) war die Aufgabe noch nicht erledigt: Etwa 60 Kilometer vor dem Übergang in die Ukraine gebe es einen Sammelpunkt für Hilfsgüter, erklärt Podolski, der von allen nur Janek gerufen wird. „Nach Lwiw sind es von dort rund 120 Kilometer. Dort konnte ich aber nicht hin, weil in Lwiw die ersten Raketen gefallen waren.“

Er hatte vor allem Hilfsgüter für ein ukrainisches Kinderheim geladen. „Es liegt Richtung Osten 200 Kilometer hinter Lwiw in der Ukraine.“ Dort hätten 50 Betreuer mit 500 teilweise traumatisierten Kindern viel zu viel Arbeit und viel zu wenig Material, berichtet er. Er habe vor allem Hygieneartikel und Medikamente mitgebracht: „Ich muss mich bei vielen Spendern bedanken, allen voran meiner Firma City Consult in der Wiesenstraße 4, die unter anderem den Transporter gestellt und die Spritkosten übernommen hat.“ Darüber hinaus seien unter anderem auch die Adler-Apotheke von der Alleestraße, Woolworth sowie viele Privatpersonen involviert gewesen.

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