Fahrzeugmanufaktur und Holzkramerei

Remscheider Südbezirk hat auch sein Künstlerdorf

David Gehler (37) ist Kfz-Meister und hat sich auf die Restaurierung, Rekonstruktion sowie die Sonderanfertigung von Motorrädern und Autos spezialisiert. Hier baut er gerade eine Harley Davidson in Handarbeit neu auf. Das brachte ihm einst den Spitznamen „Da Vinci“ ein. Foto:
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David Gehler (37) ist Kfz-Meister und hat sich auf die Restaurierung, Rekonstruktion sowie die Sonderanfertigung von Motorrädern und Autos spezialisiert. Hier baut er gerade eine Harley Davidson in Handarbeit neu auf. Das brachte ihm einst den Spitznamen „Da Vinci“ ein.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Im Südbezirk bilden David Gehler und sein Nachbarn Gunnar Paffrath-Löltgen mit Fahrzeugmanufaktur und Holzkramerei das Klein-Worpswede Remscheids.

Remscheid. Was die niedersächsische Gemeinde Worpswede mit ihrem Künstlerdorf kann, kann der Südbezirk auch – finden zumindest Gunnar Paffrath-Löltgen und David Gehler. Sie bilden das Klein-Worpswede Remscheids, wie sie es liebevoll nennen. Denn am Papenberg vereinen sich die Fahrzeugmanufaktur Gehler und die Holzkramerei.

Mitten in der Pandemie hat sich der 37-jährige Ronsdorfer David Gehler dort vor einem Jahr selbstständig gemacht, vorher war er 13 Jahre lang Zeitsoldat. Nun startet er in Klein-Worpswede neu durch. Der Kfz-Meister und Fachkraft für die Restaurierung historischer Fahrzeugkarosserien hat sich am Papenberg auf die Restaurierung, Rekonstruktion und Sonderanfertigung von Autos und Motorrädern spezialisiert. Sein Metier ist die Blechbearbeitung. „Der Geruch von Metall löst was in mir aus“, sagt er. Sein Berufswunsch stand bereits mit 15 fest.

Gunnar Paffrath-Löltgen (63) vor seiner Holzkramerei.

In Handarbeit dengelt und formt er nicht nur die Anbauteile wie Spoiler und Schweller, sondern er modelliert auch von Grund auf neu. „Ich wurde früher schon in der Werkstatt in Essen, in der ich gearbeitet habe, immer dann gerufen, wenn es um den Friemelkram ging“, erzählt Gehler, der sich dadurch den Beinamen „Da Vinci“ eingehandelt hat. Denn für die Rekonstruktion eines Fahrzeuges braucht man nicht nur ein ruhiges Händchen, sondern auch eine Vorliebe für Design, ein Auge für die Optik. Ob er ein Perfektionist ist? „Ja, ganz schlimm“, gibt der 37-Jährige zu. Sein Nachbar Gunnar Paffrath-Löltgen nennt David Gehler daher auch Künstler statt Kfz-Mechaniker.

„Meine Kinder meinen, ich kann alles reparieren.“

David Gehler

Gerade hat David Gehler einen Prototypen vor der Brust: Er baut eine Harley Davidson neu auf. Das Heckblech hat er per Hand gedengelt und gleich LED-Leuchten eingebaut. Das Oberrohr ist auch schon fertig. Nun will er noch die beiden Tankhälften anbauen. Dafür modelliert er aber erst einmal millimeterweise die Grundform.

Das Blech bearbeitet er händisch am english weel, einer Rollenstreckmaschine. Zudem schweißt Gehler mit kleiner Flamme autogen. „Das machen nicht mehr viele, nur noch ein paar alte Hasen.“

In dem Teil der ehemaligen Halle von Max Klein gibt es genügend Platz für die Fahrzeuge, die der Ein-Mann-Betrieb in mühevoller Kleinarbeit wieder aufbaut. So wartet auch ein VW Käfer von ‘79 („Das war ein Erstbesitz, das Auto enthält noch Omas Seele“) darauf, dass David Gehler weiter an ihm Hand anlegt.

Die Leidenschaft für zwei und vier Räder machte David Gehler zu seinem Beruf, schließlich fuhr er selbst schon immer alles mit zwei Rädern. Erst BMX, dann Motorrad. „Mit 14 habe ich mir eine 80er für 80 Mark gekauft, habe alles zerlegt und selbst wieder zusammengebaut. Meine Kinder meinen, ich kann alles reparieren“, erzählt er lachend. Das Auge für das Schöne hat er dabei offenbar von seinem Großvater geerbt. Und das, ohne ihn jemals gekannt zu haben. Denn Opa war Schmied.

Die Leidenschaft für die Arbeit mit den eigenen Händen teilt David Gehler mit seinem Nachbarn Gunnar Paffrath-Löltgen (63). In seiner kleinen Holzkramerei fertigt er alles aus Holz – von Deko über Kinderbettchen und Wildentenkojen bis zur Urne. Die Holzbearbeitung hat er sich selbst angeeignet. „Ich habe eigentlich schon immer etwas gebaut. Kindermöbel für den Kindergarten oder eine Kutsche für meine Tochter“, erzählt der Rentner. Dabei kauft er jedoch kein Holz, sondern nutzt Vorhandenes – Stichwort: Upcycling. Zum Beispiel aus dem eigenen Garten oder aus geschenkten Paletten. Als der benachbarte Bauer auszog, durfte Paffrath-Löltgen die Zaunpfähle haben. Nun bilden sie die natürliche Einrahmung für eine Urne.

Auch Krippen oder einen Zwei-Meter-Weidenring hat der gebürtige Hückeswagener bereits angefertigt, vieles läuft auf Kundenwunsch. Seit 36 Jahren lebt er in Papenberg. Wenn er da ist, ist auch die Holzkramerei geöffnet. Aktuell läuft seine Aktion „Sterntaler“: Den Erlös seiner kleinen Holzsterne spendet er den Flutopfern.

Kontakte

Fahrzeugmanufaktur Gehler: Papenberg 24, Tel. (01 76) 64 47 70 47;

fahrzeugmanufaktur.gehler @gmail.com, auch bei Facebook und Instagram vertreten.

Holzkramerei: Papenberg 26, E-Mail: Holzkramerei@gmx.de

Internet: holzkramerei.de

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