Diabetologie im Sana

Hier lernen Kinder, mit Diabetes Typ 1 zu leben

Diabetologie im Sana: die Beraterinnen Sabine Groppe (links) und Sonja Baum sowie Dr. Ansgar Thimm mit Schulungsmaterial. Foto: Andreas Weber
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Diabetologie im Sana: die Beraterinnen Sabine Groppe (links) und Sonja Baum sowie Dr. Ansgar Thimm mit Schulungsmaterial.

Das Sana-Team um Chefarzt Dr. Ansgar Thimm nimmt Ängste und schult junge Patienten für den Umgang mit der Insulinpumpe.

Von Andreas Weber

Remscheid. Der Durst nimmt zu, der Urindrang steigt, die Toilettengänge werden häufiger, Kinder nässen nachts ein, obwohl sie eigentlich trocken sind. Betroffene verlieren an Gewicht, fühlen sich schlapp. Dies können erste Zeichen für eine Diabetes Typ 1 sein. Wenn der Körper kein Insulin produziert, kann er die aufgenommene Nahrung nicht verwerten. Die chronische Stoffwechselerkrankung, die bereits Babys und Kleinkinder treffen kann, kann lebensbedrohlich werden, muss deshalb medizinisch behandelt werden. Im Remscheider Sana-Klinikum hilft und begleitet die Diabetologie, ein Schwerpunkt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Seit 2019 hat dort das Kernteam um Chefarzt Dr. Ansgar Thimm und die Diabetes-Beraterinnen Sabine Groppe und Sonja Baum einen Ruf aufgebaut, den viele Patienten aus dem weiteren Umland schätzen. Die Deutsche Diabetesgesellschaft hat es als eines von 78 Diabeteszentren in Deutschland zertifiziert, eine weitere Auszeichnung gab es durch die Initiative „Diabetes-Kids“. „Dies spricht für eine hohe Patientenzufriedenheit“, freut sich der Chefarzt.

150 Kinder und Jugendliche von knapp 2 bis 21 Jahren werden im Sana regelmäßig betreut. „Alle zwei bis drei Monate sehen wir unsere Patienten“, erklärt Ansgar Thimm. Diabetes 1 ist ein lebenslanger Begleiter. Insulin muss täglich gespritzt werden, um den Blutzuckerspiegel auf einem konstanten Niveau zu halten und Unter- oder Überzuckerung zu vermeiden. Beim Erstkontakt beschwichtigt das Team oft geschockte Eltern. „Nein, es lag nicht an der vielen Schokolade. Nein, sie haben als Eltern nichts falsch gemacht“, sind Sätze, die fallen und aufbauen.

Mittlerweile sind viele Kinder unter fünf Jahren betroffen

Es gibt keine Schuldfrage, denn Diabetes 1 kann jeden treffen. 32 000 Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre weist eine offizielle Statistik in Deutschland aus, Erwachsene eingerechnet sind es eine halbe Million. Tendenz: steigend. Waren es vorher die klassischen Teenager, die sich in Behandlung begaben, so betreut das erfahrene Diabetologie-Team, das aus seiner Zeit am Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus bestens harmoniert, mittlerweile viele Kinder, häufig jünger als 5 Jahre.

Heilbar ist Diabetes Typ 1 nicht. „Gleichwohl kann man lernen, gut damit zu leben“, betont Dr. Ansgar Thimm. Dies zu vermitteln, mit Vorurteilen aufzuräumen, ist der zweite Schritt der Behandlung. Wichtig ist die intensive Schulung in der Klinik, aber auch für Eltern und Erkrankte, sich zu Hause einzulesen, an Regeln zu halten und bereit zu sein, Therapieentscheidungen zu treffen.

„Die Patienten müssen lernen, mit Kohlenhydraten umzugehen und zu rechnen, wie viel Kohlenhydrate, welche Mahlzeit hat. Denn Insulin und Kohlenhydrate sind ein untrennbares Zwillingspaar“, erklärt Sonja Baum. Tägliche Blutzuckermessungen und der Umgang mit der Insulinpumpe müssen verinnerlicht werden. „Bei uns besonders ist, dass wir kein Pumpenmodell vorgeben, sondern die Patienten unter mehreren auswählen“, meint Ansgar Thimm. Ziel ist es, dass die jungen Menschen sich mit Hilfe ihrer Eltern selbst versorgen, die Mediziner im Hintergrund als Begleiter bleiben.

Die Diabetes-Experten wissen, dass die größte Herausforderung lautet: „Wie manage ich den Alltag?“. Deshalb gehen Baum und Groppe auch zu Schulungen in Kitas und Schulen. Dort müssen Erzieher(innen) und Lehrer(innen) mitziehen. Dabei bohren sie beim Personal dicke Bretter. Sabine Groppe weiß: „Das ist ein großes Thema und steht konträr zu unserem Wunsch, dass der Alltag weiterläuft. Da bleibt noch viel Aufklärungsarbeit.“

Diabetes Typ 1 geht mit Ängsten einher. „Denn Insulin hat immer mit Stechen zu tun“, sagt Dr. Ansgar Thimm. Auch der ständigen Technikanwendung werden die jungen Menschen überdrüssig. Es hilft, dass das Sana eine eigene psychosomatische Station hat und darüber Unterstützung anbietet.

Mit 150 Patienten stößt der Bereich an Grenzen. Thimm sieht Ausbaupotenzial im psychosozialen Bereich und das Teams wird in der zweiten Jahreshälfte mit einer dritten Diabetesberaterin verstärkt. Betroffene, die sich vernetzen wollen, können dies über den Verein Kinder und Jugendliche mit Diabetes Bergisch Land:

www.diachance.de

Weitere Risiken

Vererbung spielt bei Diabetes 1 eine Rolle: Wenn es ein Elternteil hat, haben ihre Kinder eine Chance von 5 bis 8 Prozent es zu bekommen, erklärt Dr. Ansgar Thimm. Mit Diabetes erhöht sich das Risiko auf weitere Autoimmunerkrankungen. Thimm denkt unter anderem an Hashimoto (Schilddrüse) und spricht von einem zehnfach höheren Risiko auf Zöliakie (Glutenunverträglichkeit).

Auch interessant: Stiftung Tannenhof baut Klinik für 100 Patienten

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