Aktionstag im Sozialpsychiatrischen Zentrum

Hier gibt es Hilfe für die Seele

Der Verein Seele in Not verzeichnet einen hohen Zulauf von Familien. Hier: Daniel Henkel, Monika Erdmeier, Markus Pickhardt (v. l.).
+
Der Verein Seele in Not verzeichnet einen hohen Zulauf von Familien. Hier: Daniel Henkel, Monika Erdmeier, Markus Pickhardt (v. l.).
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
    schließen

Fälle nehmen auch durch Corona immer mehr zu.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Corona, Ukraine-Krieg, Energiekrise – täglich gibt es neue Horrormeldungen. „Die Frage ist: Wie gehe ich damit um, wie lasse ich all das an mich heran?“, sagt Werner Mütherig, Geschäftsführer des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) Remscheid, der in Wuppertal auch am Krisentelefon aushilft. „Und es wird nicht weniger.“ Alle Beratungsstellen und Hilfsdienste verzeichnen einen hohen Zulauf. Ärzte und Jugendpsychiater führen lange Wartelisten. Psychosomatische Erkrankungen stehen mittlerweile ganz oben auf den Listen der Fehltage, die die Krankenkassen regelmäßig veröffentlichen. Um all diejenigen, die keine Hoffnung mehr sehen oder mit ihrer Krise allein dastehen, möchten sich zahlreiche Stellen in Remscheid kümmern. Denn immer noch seien psychische Erkrankungen ein Tabuthema, sagt auch SPZ-Geschäftsführerin Annemarie Ihlow. „Und wenn einer aus der Familie erkrankt, ist plötzlich schnell die ganze Familie betroffen.“

Mit einem „Bunten Fest zum Tag der seelischen Gesundheit“ im SPZ machten 18 Institutionen gestern auf ihre Hilfsangebote aufmerksam. Dieses Mal war auch die Jugendhilfe dabei. Dazu gab es Vorträge, Livemusik und künstlerische Aktionen. Damit sollte vor allem ein leichter Zugang für Betroffene und Angehörige geschaffen werden. Wir geben einen kleinen Überblick über das Hilfsnetzwerk.

SPZ: Remscheiderinnen und Remscheider mit psychischen Schwierigkeiten wie Depressionen, Ängsten und seelischen Krisen finden Rat und Hilfe im Sozialpsychiatrischen Zentrum, Konrad-Adenauer-Straße 6. Es gibt eine Kontakt- und Beratungsstelle für alle ab 18 Jahre. Auch Angehörige, Freunde, Nachbarn werden beraten. Neben tagesstrukturierenden Beschäftigungsangeboten gibt es auch eine Selbsthilfegruppe Borderline (Anmeldung: Tel. (0 15 78) 0 58 87 41. Kontakt zum SPZ: Tel. 93 34 10.

Simone Ortwein-Marotz, Carlotta Jahnke, Birgit Tosch (v. l.) vom SPZ.

Augusta-Hardt-Horizonte: Die AHH bietet nicht nur betreutes Wohnen und besondere Wohnformen, sondern unterhält neben einer Beratungsstelle an der Rotdornallee auch eine ergotherapeutische Praxis. Einen großen Bereich nimmt auch der arbeits- und tagesstrukturierende Dienst ein. Im AHH-Backhaus werden so nicht nur Brot und Plätzchen gebacken, sondern in der Serviceküche auch Kräutersalze oder Konfitüren hergestellt. In der Werkstatt entstehen Nistkästen, Halterungen für Öle. „Über diese sinnvolle tägliche Beschäftigung, die Betroffenen wieder eine Struktur gibt, erhalten sie wieder Selbstwertgefühl“, erklärt Fachberater Jens Heckmann. Neu ist die Medien-AG. „Hier wollen wir zeigen, was kreativ möglich ist“, erklärt Phillip Staraschek. Eine Doku über die AHH zeigt die AG am 4. November, 14.30 Uhr, im Backhaus, Sauerbronnstraße 8.

Stiftung Tannenhof: Die Evangelische Stiftung Tannenhof ist ein Fachkrankenhaus in Lüttringhausen für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie. Behandelt werden Erwachsene. Zu den Schwerpunkten zählen Depressionen, manisch-depressive Erkrankungen, schizophrene Psychosen, Sucht, psychosomatische Erkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Psychotraumatologie, Schmerztherapie, Essstörungen. Kontakt: Tel. 12-0;

www.stiftung-tannenhof.de

Jens Heckmann, Lena Heer, Phillip Staraschek, Martin Freund und Tanja Degenhardt (v.l.) von Augusta-Hardt-Horizonte mit den Produkten, die psychisch Beeinträchtigte hergestellt haben.

Seele in Not: Der Verein wurde 2001 von Betroffenen und Angehörigen gegründet. Hier arbeiten Fachkräfte und Betroffene als Experten. Es gibt nicht nur eine Selbsthilfegruppe bei Depressionen, sondern auch eine für Betroffene von einer Bipolaren Störung. Hierbei wechseln sich Depression und Manie ab. Zudem gibt es eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe. Neben Kreativkursen unterhält der Verein in der Hindenburgstraße 10 das Café MoccaSin. Hier gibt es am Sonntag, 4. September, 10 bis 14 Uhr, wieder einen Brunch (9,50 Euro) und am 25. September, 15 bis 18 Uhr, eine Bergische Kaffeetafel, gefördert durch das Land NRW. Für alles ist eine Anmeldung erforderlich. „Der Bedarf in den Familien nimmt aktuell zu“, sagt Monika Erdmeier. Daniel Henkel ergänzt: „Oft handelt es sich um komplexe Fälle. Es ist viel Präventionsarbeit nötig.“ Kontakt: Tel. 29 19 90 oder
Tel. (0170) 7 61 73 45;

www.seele-in-not-ev.de

Netzwerk Frühe Hilfen: „Kleine Helden“ bietet Unterstützung, wenn Eltern psychisch erkrankt sind. Hier engagieren sich Institutionen und Träger aus der Kinder- und Jugendhilfe, dem sozialpsychiatrischen Hilfesystem, aus Schulen und OGS, Beratungsstellen und sozialen Diensten. Das Netzwerk vermittelt Beratungen und Hilfe für Familien und führt für betroffene Kinder und Jugendliche Projekte durch. Es gibt auch eine Gruppe für Jugendliche: „Komm klar“. Kontakt: Stadt Remscheid, Soziale Dienste: Tel. 16 39 44;

kleine.helden@remscheid.de

Frauenberatungsstelle: Indigo - Frauenberatungsstelle, Theodorstraße 8, hat die Schwerpunkte sexualisierte Gewalt, häusliche Gewalt und allgemeine Frauenberatung, auch bei queeren Themen. Kontakt: Tel. 69 66 00;

indigo.fachberatung@skf-bergischland.de

Aktionswoche

Bundesweit wird die „Woche der seelischen Gesundheit“ ab 10. Oktober unter dem Motto „Reden hebt die Stimmung – Seelisch gesund in unserer Gesellschaft” begangen. Bewusst entschied man sich in Remscheid zu einem Aktionstag im Sommer - auch aus Pandemiegründen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
3. Oktober: Bäcker, Blumen, Tankstelle - Wer darf öffnen?
3. Oktober: Bäcker, Blumen, Tankstelle - Wer darf öffnen?
3. Oktober: Bäcker, Blumen, Tankstelle - Wer darf öffnen?
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“

Kommentare