Helft uns helfen

Hier finden Frauen und Kinder Schutz vor Gewalt

SkF-Geschäftsführerin Magdalena Weber (l.) und Frauenhaus-Leiterin Karin Heier im Gespräch mit einer Bewohnerin.
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SkF-Geschäftsführerin Magdalena Weber (l.) und Frauenhaus-Leiterin Karin Heier im Gespräch mit einer Bewohnerin.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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RGA-Hilfsaktion unterstützt dieses Jahr das Frauenhaus Remscheid. Die Plätze sind immer voll belegt, das Team hat alle Hände voll zu tun.

Remscheid. Sie haben Gewalt erlebt, mussten aus ihrem Zuhause flüchten, der Mann und Vater hat sich als Gefahr für sie entpuppt: Die Frauen und ihre Kinder, die im Frauenhaus Remscheid Schutz erhalten, haben schon viel erlebt. Und gerade seit Corona spitzt sich die Lage immer mehr zu. „Der Bedarf ist riesig“, sagt Magdalena Weber, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) e.V., der das Frauenhaus trägt. Das Haus ist immer voll. „Wir erleben veränderte Kinder, veränderte Frauen und ein starkes Gewaltpotenzial.“

Ein Frauenhaus sei enorm wichtig für eine Stadt. Denn wo sollten sie sonst hin? Notschlafstelle oder Obdachlosenhilfe böten zwar ein Dach über dem Kopf – aber keinen Schutz vor der Gewalt. Und das sei gerade in Bezug auf die Kinder wichtig. Denn Gewalt reproduziert Gewalt – und hier sei das Frauenhaus ein wichtiger Ort der Prävention. „Und das kann in jeder gesellschaftlichen Schicht passieren“, betont Weber.

„Helft uns helfen“ Remscheid

Umso froher ist die SkF-Geschäftsführerin, dass die RGA-Hilfsaktion Helft uns helfen in den nächsten Wochen Aufklärungsarbeit leistet – natürlich freut sich das Team auch über die Spenden der Leserinnen und Leser zugunsten der Einrichtung. Denn es gibt keine Regelfinanzierung. „Jeder Cent ermöglicht uns mehr Aktivitäten, vor allem für die Kinder.“

Die Geschichte: Das Frauenhaus Remscheid gibt es in Trägerschaft des SkF seit 40 Jahren. Damals hatte sich eine Gruppe engagierter Frauen zusammengetan, um anderen Frauen in der Not zu helfen – ehrenamtlich. In anderen Städten gab es zu der Zeit schon Frauenhäuser. 1982 war es so weit: Start war in einer alten Jugendstilvilla in Bergisch Born, 20 Jahre später zogen die Frauen zum Markt um.

Nachteil: Es gab kein Außengelände. „Wenn man weiß, was häusliche Gewalt für Auswirkungen hat, auch für die Kinder, weiß man, dass es ganz wichtig ist, dass sich beide bewegen können“, erklärt Karin Heier, Leiterin des Frauenhauses. Ab 2013 entstand so die Idee eines neuen Frauenhauses mit mehr Platz – für einen Verein ein großer Kostenfaktor. 2019 wurde die neue Immobilie in Alt-Remscheid bezogen: Der SkF ließ hier einen modernen Neubau samt Außengelände errichten.

Das Konzept: Das Frauenhaus hat ein halboffenes Konzept. „Das heißt, wir bewerben den Standort nicht offensiv, er wird aber auch nicht mit allen Mitteln geheim gehalten“, erklärt Heier, die sich freut, dass die Nachbarschaft so verständnisvoll ist. Es gibt natürlich ein spezielles Sicherheitskonzept – hier kommt niemand einfach so rein. Schließlich sollen Kinder und Frauen, die hier Zuflucht vor ihren gewalttätigen Peinigern gefunden haben, bestmöglich geschützt werden. Die Bewohnerinnen und deren Kinder können das Frauenhaus jedoch, je nach Gefährdungslage, auch verlassen, um Erledigungen zu machen und Termine wahrzunehmen, die Kinder können Schule und Kita besuchen.

Plätze: Das Frauenhaus hat acht Plätze plus einen Notplatz für Frauen und kann bis zu 13 Kinder aufnehmen, insgesamt also bis zu 20 Personen. Es gibt auch Zimmer mit Familienbetten, weil die Kinder gerade nachts die Nähe suchen. „So ist es für die Mamas auch am einfachsten, die Kinder zu beruhigen“, erklärt Erzieherin Anna Weber. Denn die Kinder, die hier mit einziehen, haben schon viel erlebt.

Team: Zwei Sozialpädagoginnenstellen, eine Erzieherinnenstelle und eine Hilfskraftstelle, die verteilt ist auf Verwaltung und Hauswirtschaft.

Die Kinder: „Oberste Priorität haben bei uns immer die Kinder. Wenn eine Mutter aus der Gewalt heraus anruft, reagieren wir schnell. Wir müssen die Kinder aus der Gewalt holen“, betont Karin Heier. Aber: Das Frauenhaus ist keine Einrichtung der Jugendhilfe. „Trotzdem sind die Kinder bei uns sehr wohl im Fokus wegen der Kindeswohlgefährdung.“ Man entschärfe „die tickenden Zeitbomben von morgen“, vor allem bei den Jungs, sagt Heier. „Denn je länger sie in der Gewalt sind, desto eher reproduzieren sie Gewalt.“

Bei den Mädchen ist es oft eher der Rückzug. Viele leiden auch an Depressionen. „Wir haben aber auch immer mehr Mädchen, die vermehrt in die Aggression gehen“, sagt Sozialpädagogin Katrin Buchholz. Jungs bis 13 Jahre werden im Frauenhaus aufgenommen, Mädchen bis 18. „Aber wir haben überwiegend jüngere Kinder, weil gerade die Frauen mit kleinen Kindern stark in der Abhängigkeit sind“, erklärt Heier.

Wie das Team hilft: Eine Frau, die Zuflucht im Frauenhaus sucht, wird liebevoll aufgefangen. Heier: „Wir stabilisieren sie durch Clearing, durch Sozialberatung, durch Einzelgespräche, durch Gruppenangebote.“ Das Frauenhaus kooperiert mit dem Opferschutz der Kripo, mit Rechtsanwältinnen, mit Behörden und Institutionen, Sprachkursträgern, Ärzten, und der Frauenberatungsstelle Indigo. „Das ist sehr wichtig, weil wir weiterführende Beratungen nicht schaffen.“ Das Team ist voll ausgelastet, kommt an seine Grenzen.

Für die Kinder gibt es auch Angebote wie eine naturpädagogische Gruppe – deren Fortbestand ist aus finanziellen Gründen jedoch nicht gesichert. Hier könnte Helft uns helfen helfen. Die Spenden könnte das Team zudem für Fortbildungen gebrauchen. „Eine Kollegin würde gerne Selbstbehauptungskurse für die Frauen anbieten“, sagt Heier.

Probleme: „Die Frauen kommen alle in der Krise, es herrscht sehr viel Unterstützungsbedarf. Wir müssen aber täglich sehr genau sehen, wie wir diese Unterstützung überhaupt gewährleisten können“, betont Karin Heier. Denn das Frauenhaus unterliegt keiner Regelfinanzierung, und das Team hat alle Hände voll zu tun mit der Stabilisierung von Mamas und Kindern. Die vier Stellen werden nur zu 60 Prozent vom Land bezuschusst. Den Rest muss der Verein selbst aufbringen. Mit der Stadt gibt es zwar eine gute Kooperationsvereinbarung, dennoch decke diese nicht alles ab.

Zudem hat das Team Schwierigkeiten, die Frauen im Anschluss in Wohnungen zu vermitteln – das einstige, vom Land geförderte Projekt „Second stage“ gibt es nicht mehr. „Wenn die Frauen nach den drei Monaten längerer Suche keine Wohnung finden, landen sie oft wieder in der Krise“, sagt Buchholz. Damit schließt sich dann ein trauriger Kreis.

Helft uns helfen

Sie, liebe RGA-Leserinnen und RGA-Leser, können dem Frauenhaus Remscheid, den Frauen und den Kindern helfen – mit einer Spende an die RGA-Hilfsaktion „Helft uns helfen“. Die Kontonummer finden Sie im Logo. Die Spenden gehen abzugsfrei an das Frauenhaus und die Tafel. Wir danken für jede Spende.

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