Berufskolleg Technik

Hektik ist beim Schweißen fehl am Platz

Schweißwerkmeister Andreas Pechmann (l.) schaut Dominic Kienert beim Schweißen einer Kehlnaht über die Schulter. Foto: Roland Keusch
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Schweißwerkmeister Andreas Pechmann (l.) schaut Dominic Kienert beim Schweißen einer Kehlnaht über die Schulter.

In einer Ausbildungswerkstatt an der Neuenkamper Straße müssen Fachleute ihr Können zeigen

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. In den acht Schweißkabinen in einem Nebengebäude des Berufskollegs Technik an der Neuenkamper Straße zischt und blitzt es stroboskopartig bläulich. Hier hat die Bildungseinrichtung des Deutschen Verbandes für Schweißen und verwandte Verfahren (DVS) ihre Ausbildungswerkstatt. Vier Schüler erlernen aktuell zwei Mal wöchentlich nach ihrem Feierabend das Schweißen – oder wiederholen ihre Schweißerprüfung.

Dominic Kienert ist erst seit drei Wochen dabei. „Über fünf Ecken bin ich in den Metallbau gekommen“, berichtet der gelernte Nutzfahrzeugmechatroniker. Für den neuen Job muss er schweißen können. Dazu kommt er montags und mittwochs in seiner Freizeit für fünf Stunden in die Remscheider Kursstätte des DVS. Die Ausbildung wird unter anderem auch von der Arbeitsagentur finanziert, erklärt Harald Winn, ehemaliger Kursstättenleiter und pensionierter Diplom-Schweißfachingenieur.

Eine Schweißerprüfung gilt nur drei Jahre

Vier Schweißprozesse bekommt Kienert von Schweißwerkmeister Andreas Pechmann und seinen Meisterkollegen beigebracht: Das MAG-Schweißen (Metall-Aktivgasschweißen), das WIG-Schweißen (Wolfram-Inertgasschweißen), das E-Schweißen (Lichtbogenhandschweißen) und das Gasschweißen. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt vom Einsatzort ab. WIG-Schweißen und Gasschweißen komme im Rohrleitungsbau zum Einsatz, MAG-Schweißen und E-Schweißen beim Stahlbau. Das Lichtbogenhandschweißen braucht keine zusätzlichen Gase. „Dieses Verfahren kann bei annähernd jeder Witterung eingesetzt werden“, sagt Andreas Pechmann.

In der Kursstätte werden nicht nur neue Schweißer ausgebildet, auch fertige Schweißer wiederholen dort ihre Prüfung. „Schweißen erfordert handwerkliches Geschick“, erklärt Harald Winn. Eine Schweißerprüfung gilt deshalb nur für drei Jahre. Aber nicht nur die Prüfung selbst muss somit wiederholt werden, auch die Bescheinigung wird jedes halbe Jahr vom Arbeitgeber verlängert. „Ohne eine gültige Schweißerprüfung darf niemand im Betrieb schweißen“, weiß Winn. Denn zum Schweißen gehören auch Sicherheitsaspekte wie das Tragen der Schutzausrüstung und eines Schweißschirms, um das Verblitzen der Augen zu vermeiden.

Stellen Firmen ihre Verfahren um, müssen die Schweißer neu ausgebildet werden, erklärt Harald Winn. Die Dauer eines Lehrgangs richte sich dabei nach den Qualifikationen, die der (angehende) Schweißer braucht.

Theoriewissen ist genau so wichtig wie die Praxis

Welche Werkstoffe werden mit einem bestimmten Schweißzusatz geschweißt? Theoriewissen über Materialien, Schweißprozesse und Schadstoffe gehört neben der Praxis ebenfalls dazu und wird auch in der Prüfung abgefragt. Vieles erarbeiten sich die Schüler selbst, bei Fragen stehen drei Schweißmeister und drei Schweißfachingenieure zur Seite.

In seiner Kabine übt Dominic Kienert, Kehlnähte zu schweißen. Fünf bis sechs Minuten braucht er, um ein Blech in mehreren Lagen senkrecht mit einem anderen Blech zu verbinden. Damit keine Poren oder Schlacke-Einschlüsse im Blech entstehen, entfernt er den entstandenen Silikat-Rückstand mit einer Bürste. „Sonst wird das Blech instabil“, erklärt er. Zehn bis 15 Nähte macht er an einem Abend. Mit einer hydraulischen Presse werden die Übungsstücke anschließend aufgebrochen. Andreas Pechmann kontrolliert die Schweißnaht auf Bindefehler, Einschlüsse und schaut, ob die Brennerstellung korrekt war.

Anderthalb bis zwei Jahre wird Dominic Kienert die Kursstätte besuchen, bis er in allen Verfahren seine Prüfung abgelegt hat. Ruhe bewahren – das müssen Schweißer können. „Wir können keinen Schweißer gebrauchen, der hektisch ist. Davon hängt zu viel ab“, sagt Winn. Eine Schweißnaht müsse halten, da führe kein Weg dran vorbei.

Hintergrund

Die DVS-Bildungseinrichtung ist eine von zwölf eigenen Schweißkursstätten in Deutschland, die dem Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren zugehörig ist. Das Städtedreieck ist Haupteinzugsgebiet. Weil der Standort Remscheid die einzige Abendkursstätte ist, kommen Schweißer auch aus Köln und Umgebung. Im Jahr kommen etwa 50 bis 60 Auszubildende und Schweißer, die ihre Wiederholungsprüfung ablegen, nach Remscheid.

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