Remscheider Bonum GmbH

Heizkosten: Mieter sollen mehr Nebenkosten zahlen

Die Heizkosten gehen durch die Decke. Einer Erhöhung der Nebenkostenvorauszahlung muss man aber nicht zustimmen.
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Die Heizkosten gehen durch die Decke. Einer Erhöhung der Nebenkostenvorauszahlung muss man aber nicht zustimmen.

Bevor es im kommenden Jahr eine böse Überraschung gibt.

Von Axel Richter und Sven Schlickowey

Remscheid. Den rund 150 Mietern der Remscheider Bonum GmbH flatterte in diesen Tagen ein Schreiben ihres Vermieters ins Haus: Wegen der gestiegenen Energiekosten regt das Unternehmen an, zum 1. Juli die Nebenkostenzahlungen zu erhöhen - bevor im kommenden Jahr die böse Überraschung wartet. Ausdrücklich nur ein Vorschlag, wie aus dem Schreiben hervorgeht.

Und wie auch Immobilienkauffrau Stefanie Sow, bei Bonum für die Betreuung der Mieter zuständig, betont: „Weil viele vielleicht nicht daran denken.“ Die Reaktionen seien überwiegend positiv: „Die meisten haben einer Erhöhung zugestimmt.“ Manche sogar über den vorgeschlagenen Betrag hinaus. „Bitterböse Anrufe hatten wir bisher noch keine.“

Lydia Schwertner (Verbraucherzentrale) und Andreas Herget (Mieterbund) raten dazu, Geld zurückzulegen.

Schreiben wie das von Bonum gebe es inzwischen häufiger, hat Andreas Herget, Rechtsanwalt beim Remscheider Mieterverein, beobachtet. Das Thema Energiekosten sei bei den Vermietern präsent, vielen Mietern würden im kommenden Jahr enorme Nachzahlungen drohen. Trotzdem schlägt der Jurist ein anderes Vorgehen vor: Statt die Vorauszahlung zu erhöhen, solle man das Geld selber auf Seite legen. „Das kann man dann auch dem Vermieter mitteilen, damit der beruhigt ist.“

Der Grund für Hergets Anregung ist ein juristischer: Die Erhöhung der Vorauszahlung werde zum Teil der Gesamtmiete, erklärt er: „Das kann man später nicht mehr einseitig zurücknehmen.“ Stelle der Mieter aber fest, dass er sich die Anpassung gar nicht leisten könne und setze er die Zahlung dann wieder aus, gerate er in Zahlungsverzug - und schaffe dann unter Umständen „unbewusst einen Kündigungsgrund“.

Verbraucherzentrale: Erhöhung nicht ungeprüft zustimmen

Eine Verpflichtung, die vorgeschlagene Erhöhung anzunehmen, bestehe in der Regel nicht, betont Andreas Herget: „Das geht unterjährig nur, wenn der Vermieter das absolut sorgsam begründet.“ Anders sehe das nach erfolgter Nebenkostenabrechnung aus. Wenn sich daraus eine Nachzahlung ergebe, gelte dieser Betrag durch zwölf geteilt als „angemessener Umfang“.

Andreas Herget (Mieterbund) und Lydia Schwertner (Verbraucherzentrale) raten dazu, Geld zurückzulegen.

Auch Lydia Schwertner, Leiterin der Remscheider Verbraucherzentrale, rät dazu, der Erhöhung nicht ungeprüft zuzustimmen. Schließlich wisse der Mieter weder, mit wem sein Vermieter einen Vertrag geschlossen habe, noch, wie hoch der Aufschlag ausfalle.

Wichtig sei, das Gespräch suchen, so Schwertner. Und dass sich die Mieter bewusst sind, dass die Kosten enorm steigen: „Legen Sie Geld zurück!“, rät sie allen Mieterinnen und Mietern, die nicht über größere Ersparnisse verfügen. „Sonst stehen die Menschen möglicherweise vor einer Summe, die sie nicht begleichen können.“

Wer es nicht schafft, zusätzlich Geld zu sparen, dem rät Rechtsanwalt Andreas Herget, sich gegebenenfalls um staatliche Zuschüsse wie Wohngeld zu bemühen. Und das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen. „Damit es hinterher keine bösen Überraschungen gibt.“   

Stadtwerke Remscheid/EWR

Die Remscheider Stadtwerke reagieren mit einem außerordentlichen Schritt auf die stark gestiegenen Energiekosten: Zum 1. August werden sie die Abschlagszahlungen Ihrer Kunden neu berechnen und an die Preissteigerungen anpassen. „Anderenfalls stehen die Menschen zu einem späteren Zeitpunkt vor Nachforderungen von einigen Hundert Euro“, sagt Klaus Günther-Blombach, Prokurist und Vertriebsleiter der Energie und Wasser für Remscheid GmbH: „Wir werden die Kunden dazu anschreiben und unsere Schritte erklären. Wir befinden uns in einer gravierenden Situation.“ Bereits kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine hatte Günther-Blombach im RGA-Interview vor drastischen Preiserhöhungen für die Verbraucher in Remscheid gewarnt. Aktuell geht er davon aus, dass sich die Kosten für seine Kunden beinahe verdoppeln werden. Erdgas ist mit Abstand die wichtigste Wärmequelle in Remscheid, insbesondere für Bewohner von Altbauten.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Wirksame Hilfen

sven.schlickowey@rga.de

Die Energiepreise steigen scheinbar ins Unermessliche. 83 Prozent Preissteigerung beim Gas hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft ausgemacht - allein seit Jahresbeginn. Wo das noch hinführen soll, kann sich derzeit wohl kaum jemand ausmalen. Der Tipp, Geld zurückzulegen, ist da so wichtig wie richtig. Doch viele Menschen werden das kaum leisten können. Und selbst wenn: Soll der ganze sonstige Konsum, vom Restaurantbesuch bis zur Urlaubsreise, eingestellt werden, um Strom und Gas zu bezahlen?

Hier braucht es wirksame Hilfen der öffentlichen Hand. Finanziert zum Beispiel durch eine Zufallsgewinnsteuer, auch windfall profits tax genannt, mit der unter anderem die riesigen Gewinne der Mineralölgesellschaften, die trotz sinkender Rohölpreise die Preise an den Tankstellen nicht anpassen, abgeschöpft werden könnten. Dann hätten die hohen Spritpreise zumindest etwas Gutes.

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