Schulanmeldungen

Hauptschule in Remscheid bildet nur eine neue Klasse

Eine große Sanierung und ein Anbau stehen ihr bevor: Die Hauptschule Hackenberg muss sich auf eine lange Bauphase einstellen. Foto: Roland Keusch
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Eine große Sanierung und ein Anbau stehen ihr bevor: Die Hauptschule Hackenberg muss sich auf eine lange Bauphase einstellen.
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Schulanmeldungen für 2021/22 – Hackenberg leidet unter dem geplanten Um- und Anbau

Remscheid. 1013 Kinder wechseln im August aus den Grund- in die weiterführenden Schulen. „Die Verteilung auf die einzelnen Schulformen ist in den vergangenen sechs Jahren trotz leichter Schwankungen grundsätzlich stabil“, notiert Arndt Liesenfeld (Schulamt). Nur einen Ausreißer verzeichnet die Statistik, die im Schulausschuss präsentiert wurde. Die Anmeldungen in der Hauptschule Hackenberg sind um mehr als die Hälfte zurückgegangen.

Für das kommende Schuljahr gibt es 19 Anmeldungen (Vorjahr 42). Somit kann nur noch eine Eingangsklasse in der Stufe 5 gebildet werden. Ein Grund für das mangelnde Interesse wird der bevorstehende große Um- und Anbau am Hauptgebäude in Hackenberg sein. „Diese Bauankündigung, die mittlerweile seit vier Jahren im Raum steht, ist für uns in vielerlei Hinsicht sehr unschön. Und dabei sind wir immer noch im Bauabschnitt 1: Gesucht wird der Architekt“, meint Schulleiterin Elke Simon desillusioniert.

„Wir sind immer noch in Bauabschnittsphase eins.“

Elke Simon, Hauptschulleiterin

Im Februar hat der Rat die Mittel für Sanierung und Erweiterung bewilligt. 7,920 Millionen Euro sind veranschlagt. Das Schulamt benennt in seiner Ursachenforschung auch die räumliche Trennung mit erheblichen Distanzen, die Eltern abgeschreckt haben könnte. Denn die beiden Standorte in Lennep und der Innenstadt liegen weit auseinander. Die Wilhelmstraße, ehemals selbstständiger Hauptschulstandort, beherbergt die Dependance, mit den Stufen 8 bis 10.

Die Jahrgänge 5, 6 und 7 sowie die Deutschförderklasse bleiben „zur Identifikation mit dem Hauptstandort in Hackenberg“. Hierfür stehen während der Bauphase die Klassenräume in den Pavillons sowie die beiden Naturwissenschaftsräume zur Verfügung. Weil die alten Pavillons untauglich sind, stehen im Haushalt 257 000 Euro für den Ankauf von Containern für sieben Klassenräume, ein Lehrerzimmer und zwei Sanitärcontainer.

Elke Simon rechnet damit, dass die Bauphase anderthalb Jahre dauern wird, wenn es mal losgeht. Es bleiben schwere Zeiten für die einzig verbliebene Hauptschule in Remscheid. Zumal in der Pandemie die Problematik der Fenster, die sich während des Unterrichts zum Lüften nicht komplett öffnen lassen, nicht gelöst wurde. Die Gelder sind bewilligt, losgelegt hat noch kein Handwerker. Es ist ein Trost für die gebeutelte Schule, dass zumindest der Standort Wilhelmstraße zugelegt hat. In Rettungswege, Brandschutz und Elektrik wurde investiert, das Wlan steht.

Mit 19 Neuaufnahmen hat die Hauptschule die Mindestgröße von 18 für eine Klassenbildung überschritten. Mit Genehmigung der Schulaufsicht war es deshalb möglich, ausnahmsweise ein Schuljahr mit nur einer Klasse pro Jahrgang zu beginnen. „Da Schülern der Weg zu einer anderen Hauptschule mit mindestens zwei Parallelklassen pro Jahrgang nicht zugemutet werden kann“, stellt das Schulamt fest.

Zuversichtlich stimmt die Entscheidungsträger, dass in der Vergangenheit die Zahl der Schulformwechsler ab dem 7. Schuljahr in der Hauptschule zunahm. Momentan haben die 5/6 zwei Klassen, die 7/8 drei Klassen, die 9/10 vier Klassen.

Zu Schuljahresbeginn am 18. August haben die beiden Gesamtschulen mit 388 Anmeldungen den stärksten Zulauf unter den Schulformen. 162 werden die Sophie-Scholl besuchen. 249 wollten dorthin, 87 wurden aus Kapazitätsgründen abgewiesen. Von den Abgewiesenen gehen 34 an die AES, vier an die Nelson-Mandela-Schule. In die Albert-Einstein-Gesamtschule werden 139 Fünftklässler eingeschult.

An der 2013/14 gegründeten Nelson-Mandela wurden 71 Schüler angemeldet. Damiterfüllt die Sekundarschule die rechtliche Voraussetzung von mindestens 60 Anmeldungen. Auch die Realschulen bewegen sich im Rahmen: An der Alexander-von-Humboldt wurden 105 Kinder angemeldet, an der Albert-Schweitzer 113. An beiden Realschulen werden somit vier Klassen gebildet.

381 Kinder entschieden sich für die Gymnasien. Als einziges bildet das Leibniz mit 112 Anmeldungen vier Eingangsklassen. Weil die Lüttringhauser für Dreizügigkeit konzipiert ist, musste die Bezirksregierung die Mehrklasse 2021/22 genehmigen. Drei Eingangsklassen bilden GBG (93), EMA (92) und Rögy (84).

Hintergrund

Anmeldungen: Insgesamt wurden 1013 Kinder an den weiterführenden Schulen angemeldet (Vorjahr: 1090), davon 880 aus Remscheider Grundschulen und 125 Auswärtige, welche hauptsächlich aus Rade, Wermelskirchen und Wuppertal kommen.

Prozente: Die prozentuale Verteilung sieht so aus: Gymnasien (34,6 %), Gesamtschulen (33,2 %), Realschulen (22,5 %), Sekundarschule (7,5 %), Hauptschule (2,2 %).

Auswärtige: An auswärtigen Schulen wurden aus den 4. Klassen 23 Kinder (Vorjahr: 21) angemeldet. Allein 15 werden zur Erich-Fried-Gesamtschule in Wuppertal gehen.

Standpunkt

andreas.weber@rga.de

Kommentar von Andreas Weber

Kommende Woche wird der RGA ausführlich den frisch ins Leben gerufenen Beratungspoint an der Hauptschule vorstellen. Betreut von Sylvia Morasch und Anna-Daniela Butte-Reiter werden dort täglich Weichen gestellt in der Berufsorientierung und der Wahl der Ausbildungsbetriebe. Die Hauptschule mag als das letzte Glied in der Kette der Schulformen angesehen werden, sie leistet aber einen wichtigen Beitrag, um junge Menschen zum Abschluss zu führen und für sie passende Lehrberufe zu finden, die sonst nicht einfach zu besetzen wären. Die Hauptschule ist jedoch in eine überaus schwierige Lage geschlittert. Denn dringend Handlungsbedarf bei Sanierung und Modernisierung besteht, es ist beim Hauptgebäude am Standort Hackenberg über Jahre nichts passiert. Die Quittung für langsam mahlende Mühlen drückt sich in dramatisch abgesackten Anmeldezahlen aus, die, wenn sich das Minus fortsetzt, zu einer Existenzfrage werden. Schulpolitik in Remscheid hieß bislang, alle mitzunehmen. Bei der Hauptschule könnte man auf den Gedanken kommen, dass sie keine Lobby mehr besitzt.

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