Ruine

Hastener Straße: Schandfleck muss komplett saniert werden

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Das Haus Hastener Straße 45 von außen, links der Anbau mit dem ehemaligen Metzgerei-Geschäft, daneben geht‘s zur Trasse.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Die denkmalgeschützte Ruine an der Hastener Straße wird von Bauingenieurin Corinna Vorwerk zu neuem Leben erweckt.

Remscheid. Nur ein winziges Fahrrad-Symbol weist auf den Eingang zur Trasse des Werkzeugs an der Hastener Straße 45 hin. Seit 15 Jahren wird das Pfund, mit dem der Hasten wuchern könnte, stiefmütterlich versteckt. Auch alle Bemühungen der Bezirksvertretung Alt-Remscheid, das Entree zu dem Erholungspfad in ein angemessenes Licht zu setzen, fruchteten nicht. Nachdem die benachbarte Metzgerei der Familie Georg Heß am 31. Juli 2016 ihr Traditionsgeschäft aufgegeben hatte und das historische Fachwerkhaus komplett leerstand, hegten viele Hastener die Hoffnung, dass es abgerissen wird und eine großzügige Freifläche entsteht, die den Blick auf den Trassenanfang freigibt. Die Zeichen stehen jedoch auf Restaurierung des Schandflecks, der einer von mehreren in Hasten ist.

Corinna Vorwerk und Jonathan Dostmann in der Ruine.

Von außen sieht das denkmalgeschützte Haus mit den grünen Fensterläden trostlos aus, von innen wie eine Bruchbude. Das Haus gehört, nachdem es eine Erbengemeinschaft veräußert hatte, seit 2019 Jonathan Dostmann. Die fachliche Expertise bringt seine Mutter Corinna Vorwerk ein. Die 54-jährige Remscheiderin ist Bauingenieurin, seit 30 Jahren mit den selten einfach zu restaurierenden Denkmalschutz-Objekten bestens vertraut.

„Eine derart schlechte Bausubstanz habe ich noch nicht erlebt.“

Corinna Vorwerk, Bauingenieurin

Die Nr. 45 ist eine spezielle Herausforderung. Sie muss nämlich mühsam wiederaufgebaut werden. Nur die Hülle bleibt stehen. Restlos heruntergekommen war das Haus schon, als es Vorwerk mit ihrem Sohn übernahm. „So sieht es hier über 20 Jahre aus“, betont Corinna Vorwerk, die nicht den Eindruck entstehen lassen will, sie sei die Schuldige. Dostmann macht eine Maurerlehre und soll mit dafür sorgen, dass hier in bester Ortslage auf über 200 Quadratmetern attraktiver Wohnraum entsteht. Vorwerk, die selber in Wuppertal studiert hat, könnte sich „Studenten-WGs“ dort vorstellen. Natürlich hätte man abreißen können, sagt Corinna Vorwerk, die über das Haus nebenan, das ihr schon länger gehört, auf die verfallene und schwer verkäufliche Immobilie gestoßen war.

„Eine derart schlechte Bausubstanz habe ich noch nicht erlebt“, räumt sie ein. Als die Kühlaggregate, die unmittelbar an den Lehmwänden standen, rausgeräumt wurden, hatte durch das Kondensat überall Feuchtigkeit um sich gegriffen. Ein Gutachter attestierte Hausschwamm am zerfallenden Holz. Vorwerk und ihr Sohn fanden auch eine Wand zum Hinterhof vor, die sich ausgebeult hatte und mit Blech zugenagelt worden war.

Es war ein Beleg für viel Flickschusterei, die beim Entkernen Schicht für Schicht ans Licht kam. Alles raus, war die Devise. Balken mussten nachträglich eingezogen werden, um Tragfähigkeit zu garantieren. Für Teile der Wohnbereichsanierung muss erst die Decke des Kellergewölbes entfernt werden, um nach oben durchstützen zu können. Mindestens anderthalb Jahre werden die Arbeiten wohl dauern, schätzt Corinna Vorwerk, die sich der Herausforderung stellen muss.

Eine Einebnung kommt für den städtischen Denkmalschutz nicht infrage. Aus mehreren Gründen: Zum einen aufgrund der exponierten Lage im Ortsteil, zum anderen, weil das historische Objekt, dessen Ursprünge auf Anfang 1800 zurückgehen, noch für restaurierbar gehalten wird. „Die Frage ist, wie viel Originalsubstanz erhalten werden kann. Generell sagt man, dass es ab 70 Prozent Austausch schwierig wird“, erläutert Denkmalschützerin Renate Falkenberg. Im Falle der ehemaligen Metzgerei könnte die Sanierung gelingen und dem Denkmalschutz Genüge getan werden. Falkenberg argumentiert: „Wir müssen hier den Dokumentarwert im Blick behalten.“

Corinna Vorwerk, die selbstständig ist und sich auf Apartment-Vermietungen in Remscheid spezialisiert hat, gehört ein weiterer Schandfleck, das Eckhaus Oberhölterfelder Straße 2 in Hasten. Auch dort soll es vorangehen, nachdem eine mehrköpfige Familie, die dort als Letzte zum Schluss in dem Haus mit sechs Wohnungen lebte, und – wie Vorwerk sagt – die Miete nicht mehr bezahlt habe, endlich raus ist.

Herrenloses Haus

Haus Cleff mit einem leerstehenden Schandfleck gegenüber.

Es ist nicht immer einfach, verfallende, leerstehende Immobilien abzureißen. In Hasten gibt es mehrere. Das Wohnhaus gegenüber von Haus Cleff ist eines davon. Die Museumspädagogen befürworten den Abriss, weil er nach der Wiedereröffnung des Hauses aus der Ausstellung den Weitblick freigeben würde auf die Industrievergangenheit Remscheids. Problem: Das Wohnhaus gehört niemandem. Es war in den Händen einer Firma, die pleite ist. Daran hängen noch zwei Gläubiger. Die Stadt bemüht sich derzeit um eine Lösung.

Standpunkt: Hoffnung für den Hasten

melissa.wienzek@rga.de

Kommentar von Melissa Wienzek

Irgendwie ist er ein Stadtteil mit zwei Gesichtern: Während auf der einen Seite neue Lebensmittelmärkte, das neue Haus am Park oder Neubauten für Leben sorgen, gibt es auch viele Ecken mit toten Immobilien. Der Stadt sind hierbei vielfach die Hände gebunden. Zum Beispiel auch bei der Ruine gegenüber von Haus Cleff. Denn diese hat keinen Besitzer. Derzeit wird Haus Cleff aufwendig saniert, bald erstrahlt die Perle wieder in vollem Glanz. Und direkt gegenüber dann ein Schandfleck. Nur die Straße teilt bergischen Rokoko von bergischem Schreck. Aber auch so mancher Eigentümer hat es schwer. Corinna Vorwerk, der das heruntergekommene Haus gegenüber der Tankstelle Tesche gehört, kann erst jetzt, da die Mietnomaden fort sind, mit der Sanierung beginnen. So hat sie sich auch mit ihrem Sohn Jonathan Dostmann auf die Fahnen geschrieben, einen weiteren Schandfleck auszumerzen: Hastener Straße 45. Das ist löblich. Nicht jeder Eigentümer, sofern es noch einen gibt, hat den Elan dazu. Manchmal fehlt es auch an Geld. Oder man scheitert an bürokratischen Hürden. Für den Hasten ist es jedenfalls eine gute Nachricht, was Dostmann und Vorwerk planen. So wäre auch der Einstieg zur Trasse bald wieder vorzeigbarer.

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