Impfgeschehen in Remscheid

Halle West bleibt noch länger Impfzentrum

Das Impfzentrum in der Halle West, hier ein Bild wenige Stunden vor dem offiziellen Start im Februar, bleibt wohl noch einige Monate in Betrieb, danach werden drei Millionen Euro in das Gebäude investiert. Archivfoto: Roland Keusch
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Das Impfzentrum in der Halle West, hier ein Bild wenige Stunden vor dem offiziellen Start im Februar, bleibt wohl noch einige Monate in Betrieb, danach werden drei Millionen Euro in das Gebäude investiert. Archivfoto: Roland Keusch

Vertrag läuft bis September – Sozialdezernent warnt vor vorzeitigem Abbau

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Das Impfzentrum in der Halle West bleibt mindestens noch bis Ende September in Betrieb. Vermutlich aber länger. „Es scheint sich heraus zu kristallisieren, dass man erstmal bis zum 31. Dezember plant“, berichtet Sozialdezernent Thomas Neuhaus von Signalen, die er aus Düsseldorf empfangen hat. Wie es mit den Zentren in NRW weitergeht, wird auf Landesebene entschieden. Doch auch die Entscheidungsträger vor Ort möchten die Einrichtungen in Reinshagen nicht vorschnell aufgeben – vor allem im Hinblick auf die derzeitigen Unwägbarkeiten, wie Neuhaus betont: „Es wäre verrückt, ein so leistungsfähiges System jetzt abzubauen.“

Die Zeit im Corona-Krisenstab habe ihm zum „Worst-case-Menschen“ gemacht, sagt Neuhaus. Und so lange noch nicht klar sei, welche Auswirkungen die Delta-Variante habe, ob eine dritte Impfung notwendig sein werde, und wie es mit der Impfung für Kinder und Jugendliche weitergehe, plädiert er für den Erhalt des Impfzentrums: „So etwas wieder aufzubauen, wäre ein enormer Aufwand.“

Der derzeit gültige Vertrag gilt noch bis zum 30. September

Der derzeit gültige Vertrag zwischen Land, Stadt und Kassenärztlicher Vereinigung (KV) läuft zunächst einmal bis zum 30. September. Übrigens ohne dass die Stadt Miete für die Halle West erhält, wie Thomas Neuhaus erklärt: „Das hat die Landesregierung für kommunale Gebäude ausgeschlossen.“ Nach anfänglichen Diskussionen über den Standort habe sich die Dreifach-Turnhalle absolut bewährt: „Der Ort hat sich als äußert positiv dargestellt.“

Die derzeitigen Gedankenspiele, die Zentren aufzugeben und das Impfgeschehen ganz in die Arztpraxen zu verlegen, kann Thomas Neuhaus offenbar nicht nachvollziehen. „Am besten kann man eine Pandemie bekämpfen, indem man möglichst viele Menschen möglichst schnell impft.“ Und dazu könne das Impfzentrum neben den niedergelassenen Ärzten und den Betriebsärzten beitragen: „Das ist auf Geschwindigkeit ausgerichtet.“ Zumal derzeit auch Firmen auf die Halle West zurückgreifen, um ihre Belegschaft zu impfen, was in vielen Fällen sicherlich sinnvoller ist, als die dort bereits bestehende Infrastruktur an anderer Stelle erneut zu schaffen.

Es wäre verrückt, ein so leistungsfähiges System jetzt abzubauen.

Thomas Neuhaus über ein mögliches Ende des Impfzentrums

Gleichwohl: An der Leistungsgrenze lief das Remscheider Zentrum bisher noch nie, wie vermutlich alle anderem im Land auch nicht. Gestartet war die Einrichtung Anfang Februar mit drei Impfstraßen, inzwischen sind es fünf. Damit könne man theoretisch bis zu 1000 Menschen pro Tag impfen, hat Feuerwehr-Chef Guido Eul-Jordan, logistischer Leiter des Impfzentrums, mehrfach betont. Allein der dafür notwendige Impfstoff fehlte.

Dass Remscheid mit deutlich über 80 000 verabreichten Dosen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung trotzdem knapp über dem Landesschnitt liegt, hat andere Gründe, wie Jens Pfitzner vom Gesundheitsamt unlängst im Sozialausschuss erläuterte: Zum einen betreibe man einen enormen Aufwand, um keine Dosis verfallen zu lassen. Zum anderen sei man äußerst erfolgreich darin, aus Biontech-Phiolen sieben statt sechs Dosen aufzuziehen.

Halle West ist für den Schul- und Vereinssport nicht dauerhaft zu ersetzen

Nicht nur deswegen ist Sozialdezernent Neuhaus voll des Lobes über die Mitarbeiter im Impfzentrum: „Wir sind völlig begeistert, wie gut die Zusammenarbeit vor Ort funktioniert.“ Dazu hätten auch zahlreiche pensionierte Mediziner beigetragen: „Wir haben die unglaublich coole Truppe von Rentner-Ärzten, die kurzfristig und toll einsetzbar ist.“

Trotzdem, betont der Dezernent, der auch für den Sport verantwortlich ist, soll in der Halle West demnächst wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. Sie sei für den Schul- und Vereinssport nicht dauerhaft zu ersetzen. Drei Millionen Euro zur Renovierung ständen bereit, mit den umliegenden Sportplätzen ergebe die Halle dann ein gut aufgestellten Sportzentrum, wie Neuhaus meint: „Als Trostpflästerchen für die Sportler, die so lange darauf verzichten mussten.“

Neue Termine für Erstimpfungen

Am heutigen Mittwoch tritt der 26. NRW-Impferlass in Kraft, damit können nun auch wieder neue Termine für Erstimpfungen im Impfzentrum vergeben werden. Dies ist laut des Erlasses für Menschen ab 60 Jahre, Vorerkrankte sowie Mitarbeiter in Krankenhäusern und in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Werkstätten für Menschen mit Behinderung möglich. Dafür bekommt Remscheid zunächst 117 Biontech-Phiolen mit 702 bis 819 Dosen geliefert. 37 weitere Phiolen kommen für Impfungen in der Lüttringhauser JVA. Zudem ermöglicht es der neue Erlass den Städten und Landkreise, Impfangebote für Wahlhelferinnen und Wahlhelfer bei der bevorstehenden Bundestagswahl und für Personen, die im Katastrophenschutz tätig sind, zu organisieren. Zusätzlichen Impfstoff gibt es nach dem derzeitigen Stand dafür aber nicht.

sven.schlickowey@rga.de

Standpunkt: Sicher ist sicher

Kommentar von Sven Schlickowey

Bald ein halbes Jahr muss der Remscheider Sport jetzt schon auf die Halle West verzichten, das Not-Krankenhaus in Neunkamp bestand sogar noch länger. Kein Wunder, dass nun, da das Training langsam wieder startet, Rufe laut werden, die Halle schnellstmöglich freizugeben. Zumal auch einige Ärzte, zumindest außerhalb von Remscheid, gerne sehen würden, dass die Impfzentren bald geschlossen werden. Doch noch weiß niemand, ob uns im Herbst nicht noch eine vierte Welle droht. Vielleicht müssen manche Impfungen oder sogar alle durch eine dritte Spritze gepusht werden. Und vielleicht sind wir dann froh, wenn Remscheid eine Einrichtung hat, die einige Hundert, eventuell sogar 1000 und mehr Impfungen am Tag schafft. Lieber jetzt noch ein paar Monate auf eine Halle verzichten, statt in ein paar Monaten wieder das ganze Training einzustellen. Und wenn Hockey-Spieler und Volleyballerinnen dann irgendwann die Halle wieder in Beschlag nehmen können, dann mit dem guten Gefühl, dass dieses Gebäude in der Pandemiebekämpfung eine wichtige Rolle gespielt hat.

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