Gummihahn wäre Quatsch

Hahneköppen: Die Bücheler verteidigen ihr Brauchtum

Alle zwei Jahre kürt der Bescherungsverein Bücheler Einigkeit seinen Hahnenkönig. Der muss mit verbundenen Augen mit einem Säbelschlag den Kopf des toten Tieres vom Rumpf trennen. Foto: Doro Siewert
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Alle zwei Jahre kürt der Hahneclub der Büchener Einigkeit seinen Hahnenkönig. Der muss mit verbundenen Augen mit einem Säbelschlag den Kopf des toten Tieres vom Rumpf trennen.

Weil es das Hahneköppen nicht verbietet: Organisation Peta beschimpft das Bergische Veterinäramt als tierfeindlich.

Von Axel Richter und Kristin Dowe

Hasten. Einmal wurde ihnen der Hahn entführt. Ein Tierfreund, der es nicht hinnehmen mochte, dass dem Gockel der Garaus gemacht wurde, nahm das Federvieh an sich. Wo es abgeblieben ist, wissen die Hahneköpper vom Büchel in Hasten nicht. Ihre Tradition polarisiert indes bis heute und treibt Tierschützer oder solche, die sich dafür halten, auf die Barrikaden. So stufte die Organisation Peta das für Remscheid und Solingen zuständige Bergische Veterinäramt jetzt in die „Flop 5 der tierfeindlichsten Veterinärbehörden Deutschlands“ ein, weil es das Hahneköppen nicht verbietet.

„Wir haben über einen Gummihahn nachgedacht. Aber die Mehrheit hielt das für Quatsch.“

Michael Götz, Bücheler Einigkeit

Was die Bescherungsvereine Bücheler und Büchener Einigkeit auf ihren Hoffesten treiben, mag den ein oder anderen heute befremden: Unter den anfeuernden Rufen des Publikums versuchen die Bewerber auf den Titel des Hahnenkönigs mit verbundenen Augen, einem toten Hahn den Kopf abzuschlagen, dessen Körper kopfüber in einem Weidenkorb baumelt. Die Vereine, beide weit über 100 Jahre alt, sehen darin ein bergisches Brauchtum, das für Tradition und lokale Identität steht.

Andere geißeln es als sinnloses Töten von Tieren. „Für das Hahneköppen werden Tiere zu dem vordergründigen Zweck getötet, ihre Körper auf einer Veranstaltung vor Publikum malträtieren zu lassen“, schreibt die Organisation Peta. Dies sei rechtlich unzulässig, weshalb Peta die Behörden auffordert, die Praxis zu untersagen.

Doch die Städte im Bergischen stehen hinter den Vereinen. „Der Tierkörper wird im Einklang mit den rechtlichen Vorgaben geschlachtet und nach der Veranstaltung einem Zweck, der dem vernünftigen Grund genügt, zugeleitet“, sagt etwa der Solinger Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU). Worin der „vernünftige Grund“ besteht, sagt er nicht. Doch, so Welzel weiter: „Unabhängig davon werden nach Kenntnis des Bergischen Veterinäramtes tierschutzrechtliche Vorschriften beim Hahneköppen nicht verletzt.“

Für die beiden Remscheider Vereine sind die Vorwürfe nicht neu. Die Büchener Einigkeit, dessen Hahnenclub auf das Jahr 1953 zurückgeht, mag sich dazu auf RGA-Nachfrage nicht mehr äußern. Michael Götz, Vorsitzender des Bescherungsvereins Bücheler Einigkeit, zeigt sich weniger verschlossen, sondern um Transparenz bemüht.

„Unser Hahn wird am Morgen des jeweiligen Tages von einem gelernten Metzger fachgerecht geschlachtet“, berichtet Götz. Anschließend kommt das tote Tier in den Korb, woraufhin die Königsaspiranten mit verbundenen Augen mit einem Säbel den Kopf abzutrennen versuchen.

Das kann schnell gehen oder Stunden dauern. Eine anschließende Verwertung des Hahns als Lebensmittel lässt das Hahneköppen deshalb nicht zu. „Wir haben deshalb auch schon mal über einen Gummihahn nachgedacht“, berichtet Michael Götz. „Aber die Mehrheit hielt das dann auch für Quatsch.“

Michael Götz, Malermeister und Mitglied der Remscheider Grünen, ist mit dem Hahneköpper-Brauch in Büchel aufgewachsen. Der ist ein Teil des mehrtägigen Hoffestes mit Kirmes, das alle zwei Jahre in der kleinen Hofschaft stattfindet. Nach der Corona-Zwangspause 2020 und 2021 soll es im August wieder stattfinden. „Dabei sitzt der Maurer neben dem Rechtsanwalt“, beschreibt Götz die familiäre Atmosphäre. Traditionalisten und Gegner des Hahneköppens werden wohl nie übereinkommen, ahnt der Bücheler. Er wünscht sich lediglich eine „differenzierte Betrachtung“ des bergischen Brauchtums.

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