Romanveröffentlichung

Hagen Thiele: Im Giftschrank lagern nicht nur Horrorstorys

Frisch veröffentlicht: Hagen Thiele mit „Die Pflicht“, einem Roman, der vor über zehn Jahren entstand. Foto: Andreas Weber
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Frisch veröffentlicht: Hagen Thiele mit „Die Pflicht“, einem Roman, der vor über zehn Jahren entstand.

Romanautor Hagen Thiele lässt es mit „Die Pflicht“ weiter gruseln. Im Herbst soll eine Fantasy-Geschichte im Selbstverlag erscheinen.

Von Andreas Weber

Erik Lehmann gilt an seiner neuen Schule als Lehrerliebling, bei den Mitschülern aber als verschroben. Das Herz seiner Mitschülerin Laura gewinnt er trotzdem. Die Liebe wird jedoch auf eine Zerreißprobe gestellt, denn Erik hütet in seinem Keller ein schreckliches Geheimnis: die Pflicht. In Hagen Thieles neuem Roman schlägt der Horror wieder zu. „Allerdings nicht in Form von Splatter und Blut, sondern nachvollziehbar. Das Grauen spielt sich eher in der Psyche der Protagonisten ab und baut sich langsam auf“, erklärt der 31-jährige Remscheider.

In seiner Jugend wurde Thiele vom Großmeister dieses Genres, dem Amerikaner Stephen King inspiriert. Immer wieder mal wird ihm die Nähe zum Bestsellerautor in den Netz-Rezensionen seiner Leser nachgesagt. Hagen Thiele weiß nicht recht, ob er den Vergleich als Kompliment werten soll oder als Schublade, in die man ihn steckt. Am Ende, sagt er, sei es auch egal. Hagen Thiele macht sein eigenes literarisches Ding. Und das seit Schülerzeiten.

Hagen Thiele: Schon vor dem Abi war seine Passion klar

Als 14-jähriger EMA-Gymnasiast begann er an „Das Vorzimmer“ zu schreiben, mit 16 vollendete er die düstere Story, die früh erahnen ließ, in welche Richtung Thiele einmal tendieren würde. „Das Vorzimmer“ kam mit Hilfe des Landesverbandes schulischer Fördervereine zustande, wurde bei Books On Demand 2006 veröffentlicht und kann bis heute bei Amazon und im Buchhandel erworben werden. Ein Frühwerk, das den Weg wies. Schon vor seinem Abi 2008 war klar: Schreiben wird seine Passion werden.

Hagen Thiele wirkte an der EMA-Schülerzeitung mit, hatte Deutsch-Leistungskurs. In Wuppertal studierte er Germanistik, Politikwissenschaft, Editions- und Dokumentwissenschaft. Während des Studiums schrieb Thiele als freier Journalist für die Rheinische Post, bevor er nach dem Master PR-Redakteur wurde. Ein Beruf, den der kreative Remscheider bis heute ausübt. Beschäftigt ist er bei einer Wuppertaler Agentur. Seinen Ausgleich findet Thiele daheim in der Humboldtstraße am Bildschirm. „Das Vorzimmer“ blieb keine Eintagsfliege. Während des Studiums wurde er von Stadtführerin Melanie Clemens angesprochen, ob er nicht über einen wahren Mordfall in der Hastener Edelhoffstraße schreiben wolle, der sich in den 60er Jahren ereignet hatte, als ein Kneipier seine Verlobte umbrachte.

Hagen Thiele biss an, die darauf basierende Kurzgeschichte erschien in der Krimi-Sammlung „Mörderisch bergisch“ im Gardez-Verlag. Dessen Chef, Verleger Michael Itschert, veröffentlichte 2017 auch Thieles schriftstellerischen Ausflug in das Kicker-Geschäft, „Tödliches Talent: ein Fußballkrimi aus Leverkusen“. Danach wurde der fleißige Schreiber zum Self-Publisher. Und wechselte zurück in die Gefilde, die ihn am meisten faszinieren.

Binnen zehn Monaten zwei Romane veröffentlicht

In „Bluttinte“, Anfang 2019 rausgebracht, trägt der Wahnsinn einen Namen. Autor Markus Krüger hat seinem Verleger im Streit ein Auge ausgestochen, sitzt dafür in der Psychiatrie und reflektiert, wie es zu der Attacke kommen konnte. War Krüger Täter oder doch nur Opfer? „Für Freunde anspruchsvoller Horror-Literatur“ sei es geschrieben, sagt Hagen Thiele, räumt im Nachhinein selbstkritisch ein, dass Inhalt und Satzbau bisweilen zu verschachtelt gewesen seien. Gleichwohl fielen die Kritiken in seiner Facebook-Community sehr positiv aus.

Das Buch „Die Pflicht“, das er Anfang November nachlegte, sei leichter konsumierbar, verspricht der fleißige Autor. Dass zwischen beiden Romanen nicht mal ein Jahr lag, hat seinen Grund. „Die Pflicht“ musste der Remscheider nur aus der Schublade ziehen. Besser gesagt: Er hatte das Manuskript auf der Festplatte gespeichert. „Es ist zwischen Abitur und Studium entstanden.“

Einen Monat lang überarbeitete er den Roman noch einmal in seinem Sommerurlaub, beschallt daheim von Opeth, einer schwedischen Death-Metalband. Danach kaufte er sich die Dienste von Lektorin Senta Herrmann ein und wählte als Cover das Werk eines balinesischen Künstlers aus, das in seinen Grautönen und schemenhaften Zeichnungen auf den Grusel zwischen dem Bucheinband vorbereitet.

Direkt nachlegen: Im Herbst 2020 soll „Der Sammler“ erscheinen

Ohne Verlag im Hintergrund fühlt sich Hagen Thiele besser. „Ich möchte meine Freiheiten nicht mehr aufgeben.“ Profitabel ist noch nicht, was er veröffentlicht, Thiele freut sich trotzdem: „Wichtig ist für mich, dass ich als Self-Publisher nah am Leser bin, oft ein direktes Feedback erhalte.“ Wenn Lesungen ein Gradmesser sind, genießt er als lokaler Autor im Bergischen schon eine gewisse Reputation. Zwölf Termine sind dieses Jahr geplant. Der erste findet am Mittwoch, 18. März (18 Uhr: ohne Eintritt) in der Thalia-Buchhandlung im Allee-Center statt. Thiele wird „Die Pflicht“ in Auszügen vorstellen. Drei Tage später trägt er in Remscheid bei „Ins Blaue“ Horrorgeschichten gemeinsam mit den Autoren Katja Angenent, Jean Winter und Eric F. Bone vor. Und am 16. Mai (11.30 Uhr; Theater- und Konzerthaus Solingen) ist er bei der „Fabula Est“ mit dem Lese-Event Wupperblut (Lilian Muscutt und The Roan River Project) vertreten.

Pausen soll es auch beim Schreiben nicht geben. „Ich möchte kein Loch entstehen lassen.“ Hagen Thiele hält seine Leser bei Laune und kündigt stolz an: „In meinem Giftschrank liegt noch was. Zwei weitere Bücher sind fertig.“

Das eine beinhaltet eine Sammlung von Kurzgeschichten mit Gruselcharakter, das zweite, das im Herbst 2020 erscheinen soll, trägt den Namen „Der Sammler“ und sei eine „melancholische Fantasy-Geschichte“. Letzteres wird den bei Hagen Thiele bewährten Umfang haben. Um die 300 Seiten und gut 500 000 Zeichen.

"Die Pflicht": Der aktuelle Roman

Den aktuellen Horror-Roman von Hagen Thiele gibt es als Hardcover für 20,99 Euro, als Taschenbuch für 12,99 Euro und als E-Book für 3,99 Euro; ISBN 978 16988 15312; „Die Pflicht“ hat 316 Seiten und ist über den Buchhandel, aber auch bei Amazon erhältlich.

Wer mit dem Autor in Kontakt treten möchte, melde sich unter Email „thurfa10@web.de“; www.hagen-thiele.de

Die Autorin Martina Kempff eröffnete die Bergische Lesereihe: Die Schriftstellerin stellte in der Zentralbücherei ihren Eifel-Krimi vor.

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