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Händlerin Brigitte Johnen ist seit über 50 Jahren im Einsatz

Brigitte Johnen ist seit mehr als fünf Jahrzehnten im Feinkostgeschäft am Alten Markt in Lennep im Einsatz. Die Geschichte des Betriebs geht auf das Jahr 1840 zurück. Foto: Michael Schütz
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Brigitte Johnen ist seit mehr als fünf Jahrzehnten im Feinkostgeschäft am Alten Markt in Lennep im Einsatz. Die Geschichte des Betriebs geht auf das Jahr 1840 zurück.
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Brigitte Johnen beobachtet seit ihrer Jugend den Wandel in der Lenneper Altstadt.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Es war 1968, als Brigitte Johnen mit Herzklopfen die Bühne des Remscheider Stadttheaters betrat. Dort wurden vor großem Publikum die besten Azubis des Jahrgangs geehrt. Darunter war auch die junge Frau aus Lennep, die ihre Lehrjahre im elterlichen Betrieb erlebt hatte. „Ich hab‘ mich so geniert“, erinnert sich Brigitte Johnen, die als Belohnung für ihr „Sehr gut“ bei der Einzelhandelsausbildung ein Buch auswählen durfte. Sie entschied sich für den Autor Ernest Hemingway.

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53 Jahre später ist die 72-Jährige noch immer in ihrem Feinkostgeschäft schwer aktiv und könnte Bücher darüber schreiben, wie sich die kleine Welt in der Lenneper Altstadt verändert hat. Zahlreiche Läden, die noch in den 60er- und 70er-Jahren florierten, sind längst verschwunden – von der Bäckerei bis zum Haushaltswarengeschäft, von der Metzgerei bis zum Modelleisenbahnhandel. „In vielen Fällen haben die Inhaber keinen Nachfolger gefunden. Wenn man all die Stunden zusammenzählt, in denen man sich abrackert, muss man da viel Herzblut hinterstecken. Das ist dann manchmal wie ein Hobby“, erklärt Brigitte Johnen über die Selbstständigkeit im Einzelhandel, die für junge Menschen nicht mehr allzu attraktiv ist.

Ihr wurde sie quasi in die Wiege gelegt. Das Geschäft am Alten Markt geht auf das Jahr 1840 zurück und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Gerne hätte sie ihr Abitur auf dem Röntgen-Gymnasium abgelegt, das sie besuchte. Aber: Ihre Dienste waren im elterlichen Betrieb gefragt. „Mein Vater war schwer verwundet aus dem Krieg zurückgekehrt und lag oft im Krankenhaus, so dass ich meiner Mutter und Großmutter helfen musste.“

Geschäftsfrau setzt auf breites Angebot und Nischen

An der breiten Angebotspalette hat sich in dem Geschäft seit ihrer Kindheit nichts geändert – vom frischen Obst und Gemüse bis hin zu Spirituosen. „Allerdings habe ich mir im Laufe der Jahre immer neue Nischen gesucht, die ich mit meinem Geschäft alleine abdecke“, berichtet die Händlerin. Da wäre zum Beispiel die große Auswahl an Whiskey- und Gin-Sorten, aber auch bergische Produkte – von Wurstgläsern, Mini-Schwarzbrot bis hin zum Eierlikör. „Renner ist momentan die Burnout-Soße“, fügt Brigitte Johnen mit einem Lächeln hinzu. Bis auf den Sonntag ist sie nach wie vor täglich im Einsatz, um ihren Kunden Waren von hoher Qualität bieten zu können. Im Frühjahr und Sommer legt sie Nachtschichten ein. „Dann geht es um 1.30 Uhr zu Anbietern an den Niederrhein, bei denen ich Erdbeeren und Spargel beziehe.“ Dafür kann sie im Winter „ausschlafen“. In dieser Jahreszeit steuert sie gegen 4 Uhr Großhändler an, ehe sie die Kunden in ihrem Laden begrüßt. „Der Otto-Normal-Verbraucher kann das nur schwer nachvollziehen. Aber das gehört für mich einfach dazu“, sagt Brigitte Johnen, die einen wachen Blick darauf hat, wie sich die Verantwortlichen in Rat und Verwaltung beim Thema Altstadt positionieren.

Mit Skepsis verfolgt sie die Debatte über eine Schließung des historischen Stadtkerns für den Straßenverkehr. „Die verbliebenen Geschäfte benötigen Fluktuation. Und vor allem die älteren Menschen können nicht mehr die weiten Wege von der Feuerwehr in die Altstadt gehen“, erklärt sie mit Blick auf die Parkmöglichkeiten auf dem Jahnplatz, wo sich die ehemalige Feuerwehrwache befindet.

Dort soll ein Teil des Designer Outlet Centers entstehen – mit über 150 Geschäften, die irgendwann zum Bummeln einladen sollen. Brigitte Johnen steht dem Großprojekt offen gegenüber, das in Lennep nicht unumstritten ist. Für sie ist ein Aspekt entscheidend: Die Kundenströme zum DOC könnten auch Impulse für den historischen Stadtkern bringen. „Alles, was die Altstadt belebt, ist zunächst einmal zu begrüßen. Und es bringt auch nichts, den Einzelhandel in der Vergangenheit zu betrachten, wir sollten nach vorne blicken“, findet die Händlerin, die für die Altstadt eine Symbiose fordert – aus Fußläufigkeit und Kurzparkplätzen.

Sie wird die Entwicklung weiter verfolgen und empfiehlt, auf jene zu hören, „die hier schon lange Einzelhandelhandelserfahrung haben“. Auf über fünf Jahrzehnte kann Brigitte Johnen verweisen, die so langsam ans Aufhören denkt. „Na ja, aber das soll erst in einigen Jahren geschehen.“ Bis dahin sollen die Lenneper und allen anderen Kunden noch etwas von ihr haben.

Stadtteil-Serie

In unserer Reihe rund um die Stadtteile Remscheids sind wir in Lennep angelangt. Morgen geht es um Perspektiven für die Kölner Straße, die mehr und mehr ihren Charakter als Einkaufsmeile verliert. Einen Überblick über die bisherigen Folgen, auch aus Alt-Remscheid, gibt es hier.

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