Bezirksvertretung

Hackenberg: Sportplatzpläne stoßen auf Widerstand

Über die Zukunft der Sportanlage Hackenberg diskutieren die Remscheider Politiker kontrovers. Fotos: Roland Keusch
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Über die Zukunft der Sportanlage Hackenberg diskutieren die Remscheider Politiker kontrovers.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Lenneper Bezirksvertretung sprach sich gegen den neuen Entwurf für die Anlage in Hackenberg aus.

Remscheid. Gegen die neuen Umbaupläne für die Sportanlage in Hackenberg regt sich Widerstand: Mit knapper Mehrheit der Stimmen von CDU, Linkspartei und AfD sprachen sich die Ortspolitiker in der Bezirksvertretung Lennep gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung aus, den Platz auf der Grundlage der aktuellen Entwürfe zu modernisieren.

„Diese Alternativplanung überzeugt mich nicht.“

Markus Kötter (CDU) über die neuen Entwürfe für Hackenberg

Stein des Anstoßes ist das Leichathletik-Angebot, das in Lennep nicht mehr vollständig abgedeckt wird – wenn das Röntgen-Stadion wie geplant abgerissen wird. Denn in Hackenberg wäre eine 400-Meter-Rundbahn nur mit erheblichem finanziellem Mehraufwand und zeitlicher Verzögerung durch neue Planungen möglich, erklärte Sportdezernent Thomas Neuhaus in der Sitzung am Mittwochabend. Genau dies ist aber das Dilemma: Denn die SG Hackenberg benötige für seine Kicker dringend und zeitnah ein Kunstrasenfeld, um den „sportlichen Niedergang“ und den „Mitgliederschwund“ zu stoppen, wie Neuhaus hinzufügte.

Sportdezernent Thomas Neuhaus (Grüne) will der SG Hackenberg zeitnah helfen. Das heißt aber auch: Verzicht auf 400-Meter-Bahn.

Dabei wurde der SG Hackenberg bereits vor Jahren eine deutliche Erweiterung ihrer Anlage zugesagt, die aus dem Verkauf des Röntgen-Stadions, von Jahn- und Kirmesplatz an Outlet-Center-Investor McArthurGlen finanziert werden sollte. Nach der jahrelangen und andauernden Hängepartie, ob das DOC verwirklicht werden kann oder nicht, verabschiedeten sich Rat und Verwaltung von diesem Vorhaben. „Wir haben nach einem entsprechenden Ratsbeschluss daher die Alternativ-Planung entwickelt und diesen Auftrag erfüllt. Es ging um eine schnelle Lösung für die SG Hackenberg“, erklärte Neuhaus.

Diese sei aber nur mit einem Umbau im Bestand möglich. Bereits im nächsten Jahr könne der Kunstrasenplatz angelegt werden – allerdings ohne die 400-Meter-Bahn. Grünes Licht hätten sowohl die Schulen als auch die Vereinswelt dafür gegeben. Die vorhandenen Pläne sehen 100-Meter-Bahnen und eine 250-Meter-Bahn vor, die auf dem Kunstrasenfeld eingezeichnet werden soll. Zudem sollen auch Disziplinen wie Kugelstoßen, Weit- und Hochsprung möglich sein.

Das Konzept stieß auf Kritik – unter anderem von CDU-Fraktionschef Markus Kötter: „Diese Alternativplanung überzeugt mich nicht. Sie bietet keinen gleichwertigen Ersatz für das Röntgen-Stadion, der versprochen wurde, um die Lenneper für das DOC zu überzeugen.“ Klar sei, dass der SG Hackenberg geholfen werden müsse. Klar sei aber auch, dass es keine Abstriche am Leichtathletik-Angebot in Lennep geben dürfe. Der Bedarf danach sei ermittelt worden –und begrenzt, argumentierte Dezernent Neuhaus. „Das Training der Leichtathleten konzentriert sich längst auf das Stadion in Reinshagen. In Lennep gab es seit zehn Jahren keine Wettkämpfe mehr. Wir bilden mit den Plänen den Bedarf der SG Hackenberg und den Bedarf der Leichtathletik ab.“

Markus Kötter (CDU) zeigt sich höchst unzufrieden mit den neuen Plänen für die Sportanlage in Hackenberg.

Zweifel daran hegte Roland Kirchner (WiR). „Wie soll das denn alles in Reinshagen funktionieren?“, fragte er mit Blick darauf, dass dort der FC Remscheid spielen soll, wenn das Röntgen-Stadion verschwunden ist. Kirchner erinnerte daran, dass sich in Reinshagen die Interessen vom Football-Club Amboss und eben nun auch der Leichtathleten gesellen, die Trainingsmöglichkeiten in Lennep verlieren. „Wir wollen, dass der SG Hackenberg zeitnah eine Lösung bekommt. Wir dürfen dabei aber nicht das Große und Ganze aus dem Auge verlieren“, mahnte Kirchner.

Fürsprecher gab es aber auch für die Pläne der Stadt. Petra Kuhlendahl (Grüne) konnte ihnen „Gutes abgewinnen“, wie sie sagte: „Wir tragen der SG Hackenberg Rechnung und haben eine Lösung, die die Stadt eigenständig finanzieren kann.“ Jürgen Kucharczyk (SPD) stimmte ihr zu: „Die SG Hackenberg braucht dringend Klarheit, dass sie ein neues Spielfeld bekommt. Diese Größenordnung ist realistisch und umsetzbar.“

Protest

Protest an den Plänen der Stadtverwaltung übt der Verkehrs- und Förderverein Lennep, der in einem Brief an die Ortspolitik adäquate Ersatzflächen für das Röntgen-Stadion einfordert. Dass die Schulen und die Vereine in ihrer Gesamtheit mit dem neuen Entwurf einverstanden seien, stellt der Verein infrage und bringt erneut ein Bürgerbegehren ins Gespräch.

Standpunkt

frank.michalczak@rga.de

Kommentar von Frank Michalczak

Ist eine 400-Meter-Laufbahn für Leichtathleten und sonstige Sportler überlebenswichtig für Lennep? Ganz sicher nicht. Längst aber ist sie zum Politikum geworden. Denn es geht hier um die Frage, ob die komplette Infrastruktur für den Sport nach dem Abriss des Röntgen-Stadions in Lennep erhalten bleibt oder nicht. Und dahinter steht ein Versprechen: Die Lenneper sollten nichts verlieren, wenn das DOC gebaut wird – sondern eine moderne Sportstätte in Hackenberg gewinnen. Diese sollte mit dem Verkauf des Röntgen-Stadions finanziert werden, der wegen Klagen gegen das Großprojekt aber noch immer auf sich warten lässt. So stecken die Politiker in einer Zwickmühle: Entweder sie bescheren der SG Hackenberg zeitnah ihren ersehnten Kunstrasenplatz und sichern somit die Existenz eines Vereins, der für erfolgreiche Jugendarbeit steht. Oder sie verzichten auf einen Teil des Leichtathletikangebots in Lennep, womit sie ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen. So oder so: Die Sportstättenentwicklung an das DOC-Projekt zu koppeln, hat sich angesichts dieser Gemengelage als Eigentor entpuppt. Darüber werden noch viele Debatten folgen.

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