Prozess

Gülle-Unfall: Der Bauer soll zahlen

Der Gestank und der Unfall an der Neye zeigten Wirkung.
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Der Gestank und der Unfall an der Neye zeigten Wirkung.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Sechs Jahre später steht ein Vergleich im Raum.

Remscheid. Es war der größte Gülle-Unfall in Deutschland – mit tödlichen Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt. 1,7 Millionen Liter Gülle waren im März 2015 von einem Bauernhof in die Neyetalsperre bei Wipperfürth geflossen. Die befindet sich im Besitz der Energie und Wasser für Remscheid (EWR) GmbH. Im Streit um Schadenersatz schlägt das Landgericht Hagen der Versicherung des Bauern und den EWR nun einen Vergleich vor. Doch auch Remscheids Förster haben noch eine Rechnung mit dem Bauern offen.

160 000 Euro soll die Versicherung des Landwirtes zahlen. 190 000 Euro hatten die EWR zuletzt gefordert. Dabei handele es sich vor allem um Entsorgungskosten, erklärt EWR-Sprecher Klaus Zehrtner. Die Gülle, die sich in einer Blase vor der Staumauer gesammelt hatte, konnte über eine eigens verlegte Leitung in ein nahe gelegenes Klärwerk abgeleitet werden. „Das war ein Gottesgeschenk“, sagt Zehrtner.

Das Strafverfahren gegen den Landwirt aus Halver endete mit einem Freispruch. Dass er selbst das riesige Gülle-Silo geöffnet haben sollte, war ihm nicht nachzuweisen. Allerdings bescheinigten die Gerichte ihm einen fahrlässigen Umgang mit der Gülle auf seinem Hof, weshalb er grundsätzlich zum Schadenersatz verpflichtet sei. Seither wird am Landgericht Hagen um die Höhe gestritten. Die EWR GmbH lässt offen, ob sie sich auf den vorgeschlagenen Vergleich einlassen will. Bis zum 25. Juli haben die Parteien Bedenkzeit.

„Er hat auch bei uns noch einen Deckel offen.“

Markus Wolff, Forstamt

Inzwischen gilt die Neyetalsperre wieder als sauber. Doch Markus Wolff, Leiter des Remscheider Stadtforstamtes, berichtet von vermehrtem Algenwachstum, Brennnesseln und Neophyten als Folge des erhöhten Nährstoffeintrags. Außerdem: „Er hat auch bei uns noch einen Deckel offen“, sagt der Forstamtleiter. Der Gülle-Unfall hatte einen Großeinsatz von Forstamt, Technischem Hilfswerk und Co. zur Folge. Doch, sagt Wolff: „Egal, wie hoch die Summe am Ende ausfällt, die Schäden können sie doch nicht begleichen.“

Standpunkt: Gülle-Gau mit Ansage

axel.richter@rga.de

Kommentar von Axel Richter

Das Wasser der Neyetalsperre dient den Remscheidern als eiserne Reserve. Das Reservoir soll angezapft werden für den Fall, dass die Große Dhünntalsperre nicht mehr genug hergibt. Das Problem der Neye, die sich im Besitz der Energie und Wasser für Remscheid befindet: Die Sperre und ihre Zuflüsse liegen in einer Grenzregion. Der Oberbergische und der Märkische Kreis stoßen dort zusammen und damit ebenso die beiden Regierungsbezirke Rheinland und Westfalen. Das ist eine Konstellation, in der sich nur zu leicht keine Behörde so richtig zuständig fühlt. Anders ist der Gülle-Gau vom 18. März 2015 denn auch nicht zu erklären. Denn viel zu lange sahen die Verantwortlichen zu, wie oberhalb des Naturschutzgebietes in riesigen Betonsilos riesige Güllemengen gelagert wurden. Zwar verhängte der Märkische Kreis 2014 ein Zwangsgeld gegen den Landwirt, um ihn zur Reduzierung zu veranlassen. Doch dann ließen sich die Behörden freundlicherweise auf eine Ratenzahlung ein und schritten selbst nicht ein, als der Mann gar nicht zahlte. Der Gülle-Gau kam also mit Ansage. Dahinter steht ein Behördenversagen auf ganzer Linie.

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